Wie war’s bei … "Falco – Das Musical" im Konzerthaus?

Leon Pfaff

Posthum existiert das Lebenswerk des großen deutschsprachigen Rappers Falco weiter. Dabei rollt der Rubel – am Sonntag gastierte die Produktion "Falco – Das Musical" in Freiburg. Kamen die Fans auf ihre Kosten oder ist alles nur Kommerz?

Der erste Eindruck

"Das Hirn voll Heavy Metal, und seine Leber ist hin" – Was das Leben eines Anhängers schneller und harter Musik beschreibt, gehört ebenso zur Einleitung der deutschsprachigen Rap-Geschichte. "Falco – Das Musical" beschäftigt sich ausführlich mit dem Werdegang des vor fast 20 Jahren verstorbenen Wieners. Im Februar wäre er 60 Jahre alt geworden.

Kann man so einer Legende wie Falco in einem Musical gerecht werden? Oder wird hier nur die nächste Kuh gemolken? Eine Bestandsaufnahme.

Das Publikum

Bevor es losgeht, schaue ich mich um. Im vorderen Block lassen sich alle Altersklassen erblicken. Naja, fast alle. Das Studentenvolk kann Falco nicht mehr aus dem Haus locken: Menschen in meinem Alter sind kaum da.

Die Band

Die Gruppe der Musiker befindet sich im Hintergrund, aber Alexander Kerbst alias Falco interagiert mehrmals im Verlauf der Aufführung mit ihnen. Solide Leistung!

Die Stimmen auf der Bühne

Nachdem sich der Vorhang öffnet ist eine Gruppe Tänzer und Tänzerinnen die erste Konfrontation mit dem Musical. Ich bin ich irritiert und hoffe, dass die Bühnenpräsenz des Hauptdarstellers nicht ganz so hip und hop wirkt.

Die Setlist

Schuld an meinen Zweifeln ist auch die gewöhnungsbedürftige Interpretation von "Rock me Amadeus", die auf Johann Hölzel alias Falco und sein Leben zugeschrieben wurde und sowohl als erstes Lied, aber auch als eines der letzten gespielt wird. Das war aber der einzige Flop des Abends. Nebst gelungener Aufführung der großen Hits des Falken werden auch Geheimtipps wie "Cadillac Hotel" oder "Europa" mit Bravour gespielt.

Die moralische Zerrissenheit

Eines der Leitmotive des Stücks ist der innere Konflikt des Hauptdarstellers, der zwischen hell und dunkel, gut und böse, schwankt. Durch das Engel- und Teufelhafte Auftreten der beiden weiblichen Hauptfiguren wirkt das Musical manchmal wie ein Theater. Gelungen!

Das Bühnentreiben

Bei der mehrfachen Darstellung orgienmäßiger Szenen zeigen die Darsteller Haut: Männer und Frauen räkeln sich in Netz- und Lederklamotten. So stellt man sich eine ausschweifende Nacht mit Falco vor.

Die David Bowie-Anleihen

Bevor alles losgeht, läuft Musik vom Band, darunter viele Hits von David Bowie. Während "The Sound of Musik [sic!]" sind die Gesichter anderer bereits verstorbener Musiker auf den hohen Stellwänden im Hintergrund zu erkennen, auch das von Bowie. Weitere Reminiszenzen wären etwa eine an ihn anmutende Perücke oder die Erwähnung seines Namens auf der Bühne.

Und sonst so?

Bei "Rock me Amadeus" – der richtigen Version – rennen die drei jungen Nebendarsteller in Lederjacke, enger Jeans und Bandshirt über die Bühne, was mir als besonders sympathisch in Erinnerung geblieben ist. Motörhead und Metallica konnte ich auf den Shirts ausmachen, aber welche Band war auf dem dritten vertreten?

Bilck in den Geldbeutel

Die Ticketpreise von 40 bis 70 Euro dürften Schuld daran sein, dass das Konzerthaus Freiburg nicht ganz ausverkauft ist und auch erklären, weshalb wenige Menschen meiner Altersklasse in den vorderen Reihen zu sehen waren. Das Programmheft gab’s für zehn Euro und beinhaltet neben einigen netten Fotografien Informationen zu den einzelnen Schauspielern.

Fazit

Bei einem Genie wie Falco bietet eine über zweistündige Aufführung vielleicht die optimale Gelegenheit, das Gesamtwerk eines Musikers gelungen zu präsentieren. Klar, ein paar Ausrutscher gab es. Aber trotzdem: Purer Kommerz ist das nicht. Auch wenn der Ticketpreis mit bis zu 70 Euro erschrecken mag – bei dieser gewaltigen Show und den auf das Geld angewiesenen Menschen wirken die Preise nachvollziehbar.

Ein dickes Plus: Alexander Kerbst hat in seiner Hauptrolle selbst auch die Gitarre in die Hand genommen; wie einst Falco beim legendären Auftritt auf der Donauinsel.