Kritik

Wie war’s bei... der Teddy Show in Freiburg?

Felix Klingel

In der ausverkauften Rothaus Arena zeigt Tedros Teclebrhan alias Teddy vor über 4.000 Zuschauern, dass er mehr kann, als ein Youtube-Klick-Wunder zu sein – er ist zum Beispiel ein verdammt guter Grönemeyer-Imitator.

Der erste Eindruck: "Nehmt euch Ohrstöpsel, es wird laut", raten die Türsteher beim Eintritt in die Rothaus Arena. Wer danach mit zu großen Erwartungen in die Show geht, wird enttäuscht: Die erste Stunde erreicht den Schallpegel einer Teeparty. Teddy ist komplett alleine auf der Bühne und präsentiert seine absurden Charaktere – nur unterbrochen vom Gelächter des Publikums. Ab der zweiten Hälfte rockt ’s dann aber tatsächlich: Teddy hat seine Band mitgebracht und haut den Besuchern einige Songs um die Ohren (Fotos vom Abend).


Die Charaktere: Der fremdenfeindliche Ernst Riedler, der cholerische Percy, die Sängerpersiflage Lohan Cohan und allen voran Integrationsverweigerer Antoine dürfen bei der Teddy-Show nicht fehlen. Die überzogenen Charaktere haben ihn auf Youtube berühmt gemacht – jeder Einzelne wird vom Publikum mit Johlen und Pfeifen begrüßt.

Die Musik: Der gebürtige Schwabe lebt nicht nur seine Charaktere – er ist auch ein verdammt guter Sänger. Mit einer sanften Soulstimme intoniert er Klassiker wie All Night Long von Lionel Richie und animiert das Publikum zum Mitsingen. Das ziemt sich anfangs zwar etwas, kommt dann aber schnell in Fahrt. Außerdem gibt’s das Blödel-Lied "Flieg kleiner Wellensittich", das irgendwann in einer witzigen Herbert Grönemeyer-Parodie endet.

Augenschmaus: Der dilettantisch angeklebte, blond gefärbte Schnurrbart vom Charakter Antoine sieht live noch bescheuerter aus als in den Videos.

Häh? Teilweise schwäbeld Teddy mit seinen Charakteren so stark, dass Wörter und ganze Aussagen im Gebrabbel untergehen. Aber um den Inhalt seiner Storys geht es hier sowieso nicht, sondern um die völlig überzeichneten Figuren. Wer die schon kennt, findet aber leichter in die Show.

Was in Erinnerung bleibt: "Wer hatte einen schlechten Tag", fragt Teddy ins Publikum und holt eine Frau auf die Bühne. Zur Aufheiterung singt er ihr ein Ständchen und bittet das Publikum die Handys rauszuholen und die Lichter anzumachen. Ein romantischer Konzertmoment auf einer Comedy-Veranstaltung? Schaffen nicht viele.

Aufregerle: Keine Getränke im Saal erlaubt – ein leidiges Thema. Wer die Schilder nicht rechtzeitig sieht und sich kurz vor der Show noch mit Bier eindeckt, hat ein Problem. Eine Gruppe junger Männer macht aus der Not eine Tugend, hebt die Gläser und trinkt auf ex.

Blasenschwäche: Während der Show herrscht im Saal viel Bewegung: Die Blase einiger Besucher drückt. Lustig: Zwei Toilettengänger treffen beim Rückweg zu ihren Plätze auf Teddy, der gerade Faxen mit dem Publikum macht: "Eyy, wart ihr spaziere oder was?"

Fazit: "Hey, da isch dieser Youtuber, was soll der jetzt auf der Bühne machen", parodiert Teddy als fiktiver Zuschauer seine Show selbst. Aber er schafft es, das Publikum fast drei Stunden mit einem Mix aus Musik und Comedy zu unterhalten. Wer seine Youtube-Videos liebt, hatte auch in der Rothaus-Arena eine gute Zeit.

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