Wie war’s bei… der Premiere von "Die WG" des Mondo Musiktheaters?

Carla Bihl

Mit dem Musical "Die WG" bringt das Mondo Musiktheater des Studierendenwerks Freiburg 50 Jahre WG-Geschichte auf die Bühne – mit viel Situationskomik, tollen Songs und fulminanten Choreografien. So war die Premiere.

Nach 130 Minuten und doppelter Zugabe beendet das zufriedene Premierenpublikum den Abend mit Standing Ovations. Zuvor kommen noch mal alle Generationen für ein letztes Potpourri zusammen, tanzen und singen im generationsübergreifenden Klassiker-Medley zu Bonnie Tylers "Holding out for A Hero" oder Camila Cabellos "Havana".


In dreizehnfacher Besetzung durfte das Laienensemble von Mondo am Freitag nicht nur seine Ausdauer unter Beweis stellen: Mit perfekt eingeübten Choreografien und textsicheren Gesangseinlagen zeigte die Gruppe: laienhaft ist hier nicht mehr viel.

Das Stück kommt ohne viele Requisiten aus

Links eine alte Küchenzeile, rechts eine Couch, in der Mitte ein langer Tisch mit orangenfarbenen Stühlen – damit kommt Jacco Venhuis’ Bühnenbild in der MensaBar ohne viele Requisiten aus. Für Wirbel auf der Bühne sorgen dafür der Wechsel von Generationen und Poster – mal mit Tom Cruise, mal mit WG-Selfie oder den Rolling Stones: eine Zeitreise durch die Jahre 2018, 1986 und 1968. Das Mondo Musiktheater des Studierendenwerks Freiburg hat erneut eine famose Show mit viel Situationskomik und Liebe zum Detail auf die Bühne gebracht – zum zweiten Mal von Beginn an in kompletter Mitgestaltung aller Darstellenden.

Das Stück strotzt vor Übertreibungen

Das Stück lässt an keiner Stelle offen, welche Rollen die Charaktere einnehmen– fast schon karikierend fügen sich die Darstellenden in die Klischees der jeweiligen Zeit ein: zum Beispiel WG-Mutti Luna, gespielt von Marieke Pfützner, aus der 2018-WG: Prototyp vegan, öko, Freiburg, die teils militant, teils fürsorglich bemutternd, die Individualistin gibt und klarstellt: Kein Fleisch auf meinem Tofu.

Die Darsteller beweisen Textsicherheit

Oder der obskure, etwas anrüchig-schmierige Nachbar Manni, zu Besuch in der 86er-WG, leidenschaftlicher Mantafahrer, trägt Schnauzer und blauen Jogger mit Fuchsschwanz – gespielt von Nassrat Rogh, der auch als Gesangstalent heraussticht.

Das kann auch Zweiter aus der Reihe der wenigen männlichen Schauspielenden, WG-Küken Tristan, gespielt von Tim Stolberg, unter Beweis stellen. Im schwierigen Quodlibet – ein Stück, in dem verschiedene Lieder übereinander gesungen werden – mit Rogh beweist er mit seiner hellen Stimme Textsicherheit.

"Wer das Gesetz nicht bricht, wird vom Gesetz gebrochen", stellt Elizaveta Mirlina in der Rolle der Revoluzzerin Ashanti aus dem Jahr 1968 mit kämpferischer Attitüde fest und pocht auf endlichen Umsturz. Während die verträumte Idealistin Wolke, gespielt von Susanne Reinfeld, einfach nur in der nächsten Graswolke versinken will.

Ein Blick weg von der Hauptperson lohnt sich

Hier ist die Küche Umschlagplatz für generationsrelevantes Gedankengut. Das Stück lebt von den witzigen Dialogen über zeitrelevante Themen in denen sich der Zuschauer, egal welcher Altersklasse wieder finden dürfte. In der Übertreibung der Darstellungen liegt die Essenz des Werkes – aber auch in der Detailverliebtheit. Ein Blick weg von der Hauptperson und man darf zuschauen, wie Biene, gespielt von Angelina Marina Hamacher, heimlich Kaugummis unter den Tisch klebt.

Den Alltag auf die Bühne gebracht

Am Ende kommen sie alle in der Gegenwart an: Die 68er mit friedlichem Protest oder rigorosem Revoluzzergeist. Die 86er mit schrägen Frisuren, Putzplandebatten und Gesprächen über sexuelle Freiheit. Und die WG-Bewohner aus dem Jahr 2018: mit Veganismus und G-8-WG-Neuling Tristan.

"Ein guter Komiker braucht keine Sketche zu erfinden: Er bringt einfach den gewöhnlichen Alltag auf die Bühne", sagte einst Philosoph Andreas Tenzer und zeigt: das hat das Mondo Musiktheater geschafft und darf von sich mit hoher Professionalität und viel Niveau behaupten, ein gelungenes Musical vor begeistertem und komplett ausverkauftem Publikum geliefert zu haben.


Weitere Termine: Samstag, 12. Januar, Freitag, 18. Januar, Samstag, 19. Januar, Sonntag, 20. Januar, Freitag, 25. Januar, Samstag, 26. Januar, jeweils 20 Uhr, Sonntag, 27. Januar, 18 Uhr, Mensabar Rempartstraße

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