Wie war's bei … der Gang Starr Foundation in der Kaserne Basel?

Savera Kang

Gleich drei Rap-Größen hatten ihren Besuch in Basel angekündigt: Jeru The Damaja, Afu-Ra und Big Shug. Als Teil der Gang Starr Foundation repräsentieren sie diese auf ihrer World Tour. Wir waren in der Kaserne und verraten, ob die die East-Coast-Rapper den Rap-Fans im Dreiländereck einen legendären Abend beschert haben:



Türöffnung um zehn? Dann sollte man um elf besser vor Ort sein, um zu erleben, wie die alten East-Coast-Hasen die Bühne betreten. Flippt das Publikum aus? Ist der Rossstall in der Kaserne voll? Das Kulturzentrum bittet ja in angenehmer Regelmäßigkeit große Namen aus dem US-Rap-Business auf seine Bühne, nicht immer wird das hochkarätige Booking jedoch mit einem Ausverkauf belohnt.

Heute sieht es anders aus: Vor der Kaserne tummeln sich an diesem lauen Frühlingsabend schon einige Heads, vor der Bar sind es nicht weniger, man begrüßt sich mit eingeübten Handshakes. Und im Rossstall, wo DJ Philister wie gewohnt schon mal vorheizt, ist tatsächlich was los. Der Altersdurchschnitt der Besucher liegt wohl um die Ende zwanzig. Das ist insofern überraschend, als dass die erwarteten Rapper seit über zwanzig Jahren im Game sind, „The Sun Rises From The East“ – Jeru The Damajas Debut unter Beteiligung von Afu-Ra, produziert von Gang-Starr-Hälfte DJ Premier – erschien 1994.

Morgen zur Schweigekur?

Ab halb zwölf füllt sich der Raum merklich, vom Hauptact ist noch nichts zu sehen, dafür feuert eine Gruppe Jungs DJ Philister lautstark an, Köpfe nicken und es wird getanzt. Als um Mitternacht dann drei sehr unterschiedliche Männer die Bühne betreten, ist das Publikum schon voll drin, Aufwärmen nicht nötig. Anders als auch Afu-Ra, der herumspringt und brüllt, als ob er morgen zur Schweigekur müsste, sind Big Shug und Jeru The Damaja dem Anschein nach noch nicht ganz warm.

Ersterer steht im Hintergrund, scannt den Saal, scheint zunächst unbeteiligt. Jeru hingegen begibt sich an den Bühnenrand – und verharrt dort, als gelte es, Stagedivings zu vermeiden. Afu-Ra nutzt den Raum, die Fans freut's. Dass er sein Gesicht fast vollständig dunkelblau hat tättowieren lassen irritiert niemanden. Später ist die Farbe dann auch plötzlich verschwunden, Afu-Ras positive Aufgedrehtheit bleibt.

Should I do some Soul Gangster Shit?

„I caaan't heeear yooou“, fordert Jeru die Menge auf, lauter zu applaudieren. Und den Mischer, auch sein Mikro aufzudrehen. Gefühlt muss er die Bitte über fünf Songs hinweg wiederholen – dass Dezibelgrenzen in Basel was gelten wird ihm vielleicht jemand nach dem Konzert erklären. „I caaan't heeear yooou“ bleibt aber der meistgehörte Ruf des Abends und das Publikum reagiert jedes Mal.

Endlich tritt auch Big Shug in den Mittelpunkt, sagt: „I do soul, too.“ Fragt: „Should I do some soul gangsta shit?“ Klar, alle wollen's hören. Und dann singt der bullige Mann mit voller Honigstimme und beweist, dass Soul auch Gangsta Shit sein kann. Der Rossstall ist bis in die hinterste Ecke gefüllt, von hinten kann man die eine und andere Kinnlade droppen sehen. Mit einem Beat-Gewitter wird die Andacht zerrissen, die Party geht weiter.

Ich liebe Genf - ääääh Basel!

„Put that fist up! I love that shit! I love Geneva!“, ruft Big Shug später. Es wird kurz ruhig, seine Kollegen korrigieren ihn: "This is Basel." Big Shug erklärt daraufhin ganz offen, dass man schon mal durcheinander kommen könne, wenn man jeden Abend in einer anderen Stadt auftritt. „But this is Switzerland?“ Die Fans verzeihen es ihm, die Fäuste werden wunschgemäß gereckt.

Die Energie steigt mit jeder Minute, das Publikum springt auch unaufgefordert und die Rapper tauen auf, erfreuen sich am vollen Haus. Die Person, die mit den folgenden Worten Jerus gemeint ist, wird den Fehler sicher nicht zweimal machen: "Don't you come here stand in the first row and don't make some noise!" Und wer den Text nicht kenne, solle einfach die Lippen bewegen, "so you don't look like an asshole."

Anstatt dieses Power-Konzert wie üblich abrupt zu beenden, bittet Jeru zum Schluss darum, die Turntables noch etwas bearbeiten zu dürfen. Unter seinem Gescratche schleicht Big Shug sich aus dem Raum und stellt schon mal den Merchandise-Tisch auf. Keine 20 Sekunden später stehen die zufriedenen Besucher schon Schlange bei ihm. Zufriedene Gesichter auf allen Seiten bestätigen: Runder geht’s nicht, Rap lebt. Auch im Dreiländereck.

Mehr dazu:


Fotos: Savera Kang

Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.