Klimastreik

Wie war’s bei … der Fridays-for-Future-Demo in Freiburg?

Inanna Tribukait

"Mars ist nur ein Schokoriegel, kein Ersatzplanet" – die Fridays-for-Future-Schülerstreike gehen weiter: Eine Woche vor den Sommerferien versammeln sich in Freiburg tausende Umweltaktivisten.

Der erste Eindruck

Der Platz der Alten Synagoge ist voll, auf der Bühne spielt Livemusik. Schulkinder und Studierende haben sich versammelt, aber auch viele Erwachsene sind gekommen. Viele haben bunt bemalte, aufwändig gestaltete Plakate dabei, verschiedene Fahnen werden geschwenkt.

Wie viele sind da?

Es sind Menschen da, soweit das Auge reicht. Die Polizei und die Veranstalter sprechen übereinstimmend von 7500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Demonstration. Damit ist es die dritte Demo der Bewegung in Folge an der über 5000 Menschen teilnehmen. Auch in zahlreichen anderen Städten in Deutschland und im Ausland wurde gestreikt.



Die Aktionen

Die Demonstration beginnt wie beim letzten Mal mit einer Kundgebung auf dem Platz der Alten Synagoge. Das Fridays-for-Future-Team und Gastsprecher, wie ein Vertreter der Basler Ortsgruppe, halten Reden. Auch die deutsche Band Klan spielt und der Sänger fordert die Demonstrierenden auf, durchzuhalten und auch künftig weiter auf die Straße zu gehen. Danach zieht der Protestzug vom Platz der Alten Synagoge über die Bertoldstraße, den Hauptbahnhof, Friedrichring und über die Kaiser-Joseph-Straße zurück an den Ausgangspunkt.

An der Ecke Bismarckstraße/Friedrichring findet das erste Die-In statt. Dabei setzen sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Demonstration auf den Boden und stellen sich tot. Die Aktion ist typisch für die Bewegung und soll auf das globale Massenartensterben und auf die vom Klimawandel ausgehende Bedrohung aufmerksam machen. Autofahrer werden blockiert, der Fahrradweg wird von den Demonstrierenden aber bewusst freigehalten. Das zweite Die-in findet in der Stadtmitte am Bertoldsbrunnen statt, wieder sitzen alle auf dem Boden, die VAG sagt eine Betriebsstörung auf allen Linien durch.

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Fridays for Future in Freiburg

Ein Beitrag geteilt von Neuigkeiten aus Freiburg (@fudder_de) am Jul 19, 2019 um 2:50 PDT



Wer ist da?

Wie immer bei Fridays for Future sind viele Schüler und Studierende dabei, aber auch Gruppen wie "Parents for Future", "Scientists for Future", "Omas gegen Rechts", oder Greenpeace. Eine Grundschullehrerin von der Karolin-Kaspar-Schule im Stadtteil Vauban ist mit ihrer vierten Klasse da. Im Unterricht hätten sie Demokratie- und Umwelterziehung durchgenommen, deshalb biete sich ein Besuch auf der Demonstration als Lehrausflug an. Auch ein paar Vertreter der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands schwenken auf dem Platz der Alten Synagoge ihre Fahne. Das Fridays-for-Future-Team will die Veranstaltung jedoch parteienunabhängig gestalten und ruft die Demonstrierenden auf, gemeinsam mit ihnen "Fahne weg" zu skandieren, sodass diese schließlich runter genommen wird.

Stimmen von der Demo

Viele sind schon zum wiederholten Mal da, wie zum Beispiel die 15-jährige Abigail, die bisher bei jeder Demonstration dabei war.Auch in den Sommerferien wolle sie an weiteren Aktionen teilnehmen. Roland (65) ist zum zweiten Mal da, er will sich auch an den Demonstrationen beteiligen und für ein "sinnvolles Ziel" einstehen. Er trägt ein Stoppschild, auf dem "Stop SUVs" steht. Heidegun (17), Josefine (17) und Lioba (15) beschäftigen sich nicht nur auf den Demonstrationen mit Umweltaktivismus.



Sie erzählen, dass sie kein Auto sondern nur Fahrrad fahren, auf eine nachhaltige Ernährung achten, ihren Plastikkonsum reduzieren und im Winter weniger heizen.Vor dem McDonalds am Martinstor werden Buhrufe laut, die das Unternehmen kritisieren. Bei der Abschlusskundgebung verkünden Anna und Caro: "Wir machen keine Sommerpause wie der Bundestag, wir bleiben weiterhin präsent und aktiv".

Die Themen

Die Themen sind die üblichen Forderungen der Fridays-for-Future-Bewegung: Ein Forderungspapier liegt am Infostand aus, Flyer aus Recyclingpapier werden verteilt, auf denen die Forderungen der Bewegung an die Stadt, sowie Parolen für die Demonstration stehen: "What do we want? – Climate Justice! When do we want it? – Now!" oder "Wir streiken in der Schule, Uni und Fabrik – das ist unsere Antwort auf eure Politik". Auf der Rückseite stehen außerdem Tipps, um nachhaltiger zu leben. Weiterhin fordern die Demonstrierenden weiter, dass der Klimanotstand in Freiburg ausgerufen wird. Die Teilnehmer sollen ihre Posts in den sozialen Medien mit dem Hashtag 6Monateundnixpassiert kennzeichnen.

Die Atmosphäre

Die Atmosphäre ist friedlich, die Polizei meldet lediglich Verkehrsbeeinträchtigungen. Ohne Pause werden die Parolen gerufen oder gesungen, die Stimmen klingen am Ende der Demonstration deutlich heiserer als am Anfang. Viele haben sich zum Thema der Veranstaltung angezogen: Einer trägt ein T-Shirt mit dem Banksy-Kunstwerk "Keep your coins, I want change", auf anderen steht "Save the Planet" oder "Rebel". Die Menschen am Rand der Demonstration sehen zumeist wohlwollend zu, einige schütteln aber den Kopf.

Die besten Plakate

Es sind viele kreative Plakate dabei und auf der Abschlusskundgebung wird durchgesagt, dass sie abgegeben werden können, um von einem Künstler ausgestellt zu werden. "Die Moral von der Geschicht: Konsumverzicht" steht auf einem, "Mars ist nur ein Schokoriegel, kein Ersatzplanet" auf einem anderen. Auch auf Christian Lindners Kommentar, die Demonstrierenden sollen Umweltpolitik den Profis überlassen wird angespielt: "Ihr Politiker überlasst es den Experten". Auch Internet-Memes und Popkultur haben in den Schilderdschungel Einzug gehalten: "Ist da die Krosse Krabbe? Nein, hier ist Müll" steht auf einem Schild, dass sich auf die Fernsehserie Spongebob bezieht und auch Donald Trumps Zitat "Where the hell is global warming" wird parodiert.

Kommende Aktionen

Am 29. Juli soll zum Earth Overshoot Day eine Menschenkette in der Kaiser-Josef-Straße gebildet werden, um die Konsumgesellschaft zu kritisieren. Der Earth Overshoot Day ist der Tag, ab dem die Menschheit, die Kapazität der Erde zur Reproduktion der Ressourcen überschreitet. Das heißt, dass sie ab da über den Ressourcen des Planeten leben. Weiterhin sollen jeden Freitag Mahnwachen auf dem Platz der Alten Synagoge abgehalten werden. Der nächste große globale Streik soll am 20. September stattfinden, dazu werden nicht nur Schülerinnen, Schüler und Studierende, sondern auch alle Arbeitenden zum Streiken aufgerufen.

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