Wie war’s bei... Akua Naru im Jazzhaus?

Alexander Link

Storytelling, Poetry, Conscious Rap – Akua Naru hat eine Botschaft und lädt das Publikum im Gewölbekeller ein, intensiv daran teilzuhaben. Bei Soul, Blues, Jazz und Hiphop verbreitet sie mit ihrer Band good vibes, die die Menschen in ihrem Flow zum Tanzen und Strahlen bringen.

Die Bühne

...wird zunächst nur von der Band, einer klassischen Jazz-Combo-Keyboarderin, einem Altsaxophonisten, einem E-Gitarristen, einem E-Bassisten und einem Drummer mit jazztypischer Improvisation bespielt, bis Akua Narus ausdrucksstarke Soulstimme das Publikum auffordert, im treibenden Takt der snare drums zu "Heard" mitzuklatschen.

Im Flow des Konzerts sorgt die barfüßig auftretende Rapperin unter energischer Hingabe und Liebe zum Hiphop dafür, dass dessen Community-Gedanke zelebriert wird, indem alle ihre "Gäste" unter vollem Körpereinsatz an der "Ceremony" teilhaben und ein reger, intensiver Austausch über die Bühne stattfindet.

Die "Ceremony"

Akua Naru sucht den Kontakt zu ihrer Crowd über alle verbalen und non-verbalen Kanäle: Sie klatscht in ausgestreckte Hände ein, setzt sich neben die Monitorboxen direkt vor die erste Reihe, performt mitten in der Menge minutenlang und verlässt die Bühne nach links Richtung Notausgang, um unter dem grünschimmernden Schild voller Lebensfreude zu tanzen und ein "shout-out to my backup vocals in the corner" einzufordern; gemeint sind die in dieser Ecke stehenden Konzertbesucher.

Ihre Message vermittelt sie mit ihrer kraftvollen Stimme, verstärkt durch das Mikrofon, und ist sich sicher, dass gerade nur das Zusammensein zähle. In ihren poetischen Einleitungen zu einigen Songs, die an Poetry-Slam-Texte erinnern, wird sie ausdrücklich politisch, übt Sozialkritik, indem sie klar Stellung bezieht gegenüber den Folgen des europäischen Imperialismus in Afrika, der Unterdrückung der Schwarzen in Form von Sklaverei und sieht Schwarze in den USA gegenwärtig rassistischer Polizeigewalt ausgesetzt.

Dass sie viel gereist ist in den letzten Jahren und ihre Erfahrungen in ihren Texten wiedergibt und lyrisch verarbeitet, beweist sie eindrücklich während ihres zweistündigen Konzerts. So sagte sie im fudder-Interview 2015, sie würde sich als Poetin bezeichnen, den Hiphop nur als eine Ausdrucksform sehen und wenn man die Musik ausmache, könne sie die Party immer noch a cappella rocken. Insbesondere ihr Soulhit mit minimalem Bandeinsatz "Poetry: How Does It Feel?" unterstreicht dies durch Akua Narus sinnlich-betörende Frage "Tell me, would you like that?".

Die Crowd

Rap ohne den Rhythmus angebenden Beat wäre nicht denkbar. Beim gestrigen Konzert übernimmt ihn die begeisterte und vor Freude strahlende Crowd sowohl am Beginn als auch am Ende in Form von phrenetischem Klatschen. Zwischendrin blickt man in glückliche und enthusiastische Gesichter von vielen jungen Menschen im Alter von circa 18 bis Ende 20 und ein paar älteren Hiphoppern in einem sehr gut besuchten Jazzhaus.

Für die den "realen Hip Hop" zelebrierende Akua handelt es sich nicht lediglich um Konzertbesucher, sondern um "eingeladene Gäste", die nun anlässlich ihres zweiten Konzerts im Freiburger Jazzhaus zur "Familie" geworden seien. Deshalb möchte die MC (Master of Ceremonies) ihre "Gäste" auch möglichst viel in ihr Konzert integrieren und fragt kontinuierlich nach deren Wohlbefinden.

Rezeptionssignale erhält sie regelmäßig durch Applaus, weniger durch ausgeprägte Textkenntnisse. Dem Publikum scheint der progressive, reibungslose Flow jedenfalls eine schöne Zeit zu bescheren, in dem es tanzend, den Beat fühlend und die Augen schließend aufgeht.

Kurz vor dem Song "(Black &) Blues People" präsentiert Akua Naru eine Art lyrisches Manifest für die Aufrechterhaltung der "Black Power"-Bewegung und deren Integration in die seit 2013 existierende Aktivistenbewegung "Black Lives Matter" gegen Gewalt und Rassismus gegenüber Schwarzen, woraufhin eine immer größer werdende Gruppe "Justice, right now!" skandiert.

Hip Hop-Jazz-Combo at its best

Die vier Bandmitglieder laufen gemeinsam schon während des gesamten Konzerts zu Höchstform auf und betten Akuas Stimme in einen äußerst stimmigen und authentischen Klangteppich. Doch virtuos werden besonders die Soli jedes Einzelnen und verpassen dem Hiphop-Konzert eine freshe, harmonische Jazznote.

Something to remember

Zur Zugabe erscheint Akua Naru mit Schuhen zurück auf der Bühne und bittet ihre "Gäste", noch einmal für zehn Minuten präsent zu sein. Es folgt der feministische Song "The World Is Listening", der kurzerhand zu "Freiburg Is Listening" umbenannt wird und allen female emcees gewidmet ist, die sich immer noch einer männlichen Mehrheit gegenübersehen. Der die gesamte Bühne zum ausgelassenen Tanzen ausnutzenden Rapperin, deren Mimik sich im Takt dazu bewegt, zuzuschauen, wirkt ansteckend, sodass der Funke auf die Eingeladenen überspringt. Sie verlässt die Bühne schließlich erneut, um tanzend hinter ihrem Merchandisestand anzukommen.

Fazit

Akua Naru und ihre Band leben und machen Hip Hop mit Tiefgang vom Feinsten und veredeln ihn mit klanglichen Raffinessen aus Jazz, Soul und Blues and "Freiburg is listening".