Wie war deine erste Gemeinderatssitzung, Simone?

Carolin Buchheim

Gestern nachmittag tagte der neue Freiburger Gemeinderat zum ersten Mal. fudder hat bei Simone Ariane Pflaum - mit 28 Jahren das jüngste Gemeinderatsmitglied - nachgefragt, wie ihr erster Tag im Gemeinderat war. Und wie es ist, im Ratssaal in der ersten Reihe zu sitzen.



Gestern nachmittag fand die erste Sitzung des neuen Gemeinderats statt. Wie war dein erster Tag als Gemeinderatsmitglied, Simone?


Unglaublich aufregend und richtig schön! Es gab noch viel noch zu organisieren, denn abgesehen von der Gemeinderatssitzung hatten wir von Junges Freiburg viel zu tun. Wir haben jetzt einen Mitarbeiter zugestanden bekommen haben, und da hatten wir gestern die Bewerbungsgespräche. Jetzt müssen wir nur noch jemanden auswählen. Außerdem haben wir Neuwahlen bei Junges Freiburg, da werde ich als zweite Vorsitzende zwar nicht mehr antreten, muß aber trotzdem als Vorständlerin noch einiges organisieren.

Und dann war da natürlich die Gemeinderatssitzung mit allem Drumherum, das war eine richtige Zeremonie. Wir hatten erst einen ökumenischen Gottesdienst in St. Martin, der sehr, sehr schön von den evangelischen und katholischen Stadtdekanen gestaltet worden ist. Sie haben beide wirklich schön zum Thema 'Hören' gepredigt, und uns damit eine schöne Botschaft mitgegeben: Wir dürfen als Gemeinderäte jetzt wichtige Entscheidungen fällen, aber dabei nicht vergessen, den Bürgern, zuzuhören. Danach ging es zum offiziellen Teil über, und bei der Verpflichtung der Gemeinderatsmitglieder war die Atmosphähre dann auch sehr feierlich.

Wie genau funktioniert so eine Verpflichtung?

Der OB hat erst eine Rede gehalten und hat dann Hermann Aichele, als dienstältestes Mitglied des Gemeinderats, und mich als Dienstjüngstes und jüngstes Mitglied nach Vorne gerufen. Dann hat er noch mal deutlich gesagt, welche Verpflichtungen wir im Rahmen des Ehrenamts als Gemeinderäte haben, und uns an die Verantwortung erinnert, die man als Gemeinderat trägt. Dann hat er eine Verpflichtungsformel vorgelesen, die besagt, dass wir jetzt zum Wohle der Bürger und gemäß der Verfassung handeln müssen.

Musstet ihr die dann nachsprechen?

Nein, leider nicht! Schade, eigentlich, oder? Wir hatten allerdings die Freiheit, das zu belobigen und konnten ihm dann die Hand schütteln. Ich habe nicht nur „Ich gelobe es“ gesagt, sondern auch noch „so wahr mir Gott helfe.“



Also war's schon ein bisschen so wie bei der Vereidigung von Ministern oder der Kanzlerin?

Definitiv! (lacht) Ich stand da vor dem ganzen Gemeinderat und habe mir alle Gesichter angeguckt, jede Reihe einzeln. Dabei habe ich so richtig gemerkt, was es für eine große Ehre ist, für all die Gemeinderäte stellvertretend da Vorne zu stehen. Da wurde ich dann auch ein bisschen nervös!

Du hast Dir die Gemeinderätinnen und -räte angeguckt: Meinst Du, sie sind ein guter Spiegel der Stadt?

Über die Parteigrenzen hinweg ist das auf jeden Fall ein sehr interessanter Spiegel der Stadt; da sind viele, viele Gruppen vertreten. Auch generationenmäßig ist das ein sehr breiter Schnitt, auch wenn das Durchschnittsalter bei 52 liegt.

Die Gemeinderäte haben mir auch alle sehr aufmunternd zugenickt, das fand ich sehr schön, weil es mir gezeigt hat, dass ich auch als jüngstes Mitglied in ihrem Kreis aufgenommen worden bin.

Und außerdem konnte ich nach oben auf die Empore schauen, und da waren viele meiner Freunde und Bekannten, die mich seit meiner Jugend begleitet haben, auch gerade in der Jugendarbeit. Für die stand ich natürlich auch stellvertretend da. Mir war es sehr wichtig, dass sie gestern dabei waren, schließlich bin ich wegen ihnen und für sie im Gemeinderat.

Du hast also die Last des Amts schon ein bisschen gespürt?

Absolut, absolut! Nicht unbedingt eine Last, aber schon die Schwere der Verantwortung. Und die Ehre.

Du sitzt im Gemeinderat in der ersten Reihe. Wie kommt man da hin? Wird das vorher festgelegt?

Ja, das wird vorher festgelegt. Zuerst wurde die Sitzordnung der verschiedenen Fraktionen im Saal festgelegt, und dann wurde fraktionsintern geklärt, wer wo sitzt. In unserer Fraktion wurde heiß diskutiert, denn alle wollten in die letzte Reihe, das typische Schulbank-Ding! (lacht) Alle haben sich darum gerissen! Es gab aber ein klares Votum aus der Fraktion heraus, dass ich doch bitte in der ersten Reihe sitzen solle. Und da sitze ich jetzt.

Und zwar neben Maria Viethen. Wirst Du Dir einiges bei ihr abgucken? Sie hat schließlich schon sehr viel Erfahrung als Gemeinderätin.

Aber natürlich! Und nicht nur von Frau Viethen! Ich kann von allen Gemeinderäten viel lernen. Und genau so kann ich ihnen Sachen mit auf den Weg geben; das wird hoffentlich ein Geben und Nehmen.

Mit den ganzen neuen Gemeinderäten gibt es ja einen Aufschwung im Gemeinderat, und viele neue Ideen. Aber genau so profitieren wir von den alten Gemeinderäten, was die Abwicklung von Sachen angeht, und wie Politik so funktioniert. Das ist hochspannend!

Dadurch, dass ich mich am Anfang bei allen Fraktionen vorgestellt habe, weiß ich jetzt schon, bei wem ich wegen etwas nachfragen kann. Das wird sehr wohlwollend aufgenommen.

Fünf Jahre Gemeinderat, das können so an die 100 Sitzungen werden. Was wünscht Du Dir für die nächsten 99?

Für die nächsten 99 wünsche ich mir gleich ein paar Sachen. Zum einen, das,  was Herr Stoffel in seiner Predigt gesagt hat, das gute Hören, und wir hinhören und zuhören. Zum anderen aber auch, dass wir selbst immer den richtigen Ton treffen, denn der Ton macht die Musik. Genau das bestimmt das Miteinander, und ich hoffe, dass wir tatsächlich gemeinsam die Sachen entscheiden und auf den Weg bringen, und dass die Atmosphäre diskussionsfreudig, aber auch produktiv bleibt.



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[Fotos: 1,3,4 - Ingo Schneider, 2 - Privat]