Wie sieht die beste Reiseroute aus?

Lilian Kaliner

Das Abenteuer beginnt eigentlich schon vorher. Diese Erfahrung hat Lilian, die für ein Jahr oder länger nach Australien reisen wird, in den letzten Wochen immer wieder gemacht. Sobald sie über Atlas und Reiseführer sitze, überkämen sie wunderbare Glücksgefühle. Aber es ist auch alles recht kompliziert: Die richtige Reiseroute sollte sich an Regenzeiten, Trockenzeiten, Hai- und Quallenzeiten orientieren.



Spätestens bei der Erkenntnis, dass auch noch der Erntekalender der einzelnen Bundesstaaten (wir wollen ja auch Arbeit finden) beachten muss, war ich dem Wahnsinn nahe. Ich war schon einige Male kurz davor, den ganzen Klumbs in den Mülleimer zu pfeffern und nach dem Motto “wird schon werden” zu reisen, doch das hat letzten Sommer in Italien schon nicht so wirklich hingehauen. Daher bleiben wir jetzt lieber bei “Vorsicht ist besser als Nachsicht”.


Wir haben uns entschieden unsere Reise im September ? also im australischen Frühling ? in Brisbane zu beginnen. Für alle die gerade keinen Atlas zu Hand haben: Brisbane ist die Hauptstadt des Bundesstaates Queensland und liegt an der Ostküste oberhalb von Sydney. Queensland gilt als der Urlaubsstaat der Australier schlechtweg, das Great Barrier Reef und Küstenstädte mit so bezaubernden Namen wie “Surfers Paradies” sind dort zu Hause. Die untere Hälfte von Queensland ist tropisch, die obere subtropisch.

Für Queensland haben wir Zeit bis Dezember, denn an Weihnachten treffen wir uns mit einem Freund in Sydney ? zur Weihnachtsparty am Bondi Beach. In den folgenden heißen Monaten wollen wir die Südküste in Angriff nehmen, wo es nicht so unerträglich heiß wie im Norden ist.



Doch steht die Reiseroute erst, geht der ganz Stress erst richtig los: Die richtige Airline mit den günstigsten Angeboten und dem besten Stopover muss ausgesucht werden, die Wohnung gekündigt, eine Reiseversicherung gesucht, ein Rucksack gekauft und im Schlafsack probe geschlafen werden. Wohl dem, der genug Zeit hat!

Ich habe plötzlich festgestellt, dass ich meinen Impfpass schon lange nicht mehr gesehen habe und als er sich tatsächlich als verschollen erwies, wurde ich sicherheitshalber noch einmal mit allem gepiekt. Richtig erleichtert war ich dann, als mein Hamster wegen Altersschwäche den Löffel abgab, doch richtig schwer wird der Abschied von unserem Hund. Als ich zehn war haben wir sie bekommen und jetzt ist es eine Hundeoma von zwölf Jahren, das wird also eventuell ein Abschied für immer werden.

Doch trotz der kleinen Wehmutstropfen bleibt es ein spannendes Unterfangen, denn wenn erst einmal die wichtigsten Dinge geklärt sind, ist Zeit für Hintergrundrecherche. Dass die Jahreszeiten in Australien den unseren entgegengesetzt sind und es im Norden wärmer als im Süden ist, ist allgemein bekannt. Doch dass auch der Mond auf dem Kopf steht und das Wasser im Abfluss andersrum laufen soll, ist weniger geläufig. Habe ich mich darauf gefreut, Pfeffer ins Waschbecken zu streuen und den Lauf des Strudels zu beobachten, doch leider liegen solche Spielereien bei uns in der Familie und als mein Vater vor einigen Wochen in Neuseeland war, kam er mit der stolzen Erkenntnis zurück: alles Humbug.

Er meinte, er habe es in der Badewanne und in verschieden geformten Waschbecken probiert ? das vielversprechenste in einem Edelrestaurant war kreisrund und mit Entzücken lies er es bis obenhin vollaufen. Als er hoffnungsfroh am Stöpsel zog, schwappte ihm die Hälfte auf die Hose (dort wo es nach was anderem aussieht) und daraufhin sprach meine Mutter, die das Thema Wasserstrudel nicht halb so spannend findet wie wir, den restlichen Abend kein Wort mehr mit ihm. Ich habe ihm versprochen die Feldforschung fortzusetzen und er sammelt schon mal Pfeffertütchen.