I.L.A.-Kollektiv

Wie sich eine Freiburgerin für die solidarische Lebensweise engagiert

Stefan Mertlik

Wie gelangen wir von einem Leben auf Kosten anderer zum guten Leben für alle? Das ist eine Frage, die das I.L.A.-Kollektiv beantworten möchte. Soeben ist ein Buch erschienen, auch die Freiburgerin Julia Kolbinger ist an dem Projekt beteiligt.

Rechtsruck, Klimawandel, unfaire Verteilung des Reichtums – unsere Gesellschaft sieht sich mit zahlreichen Problemen konfrontiert, die unlösbar scheinen. Das I.L.A.-Kollektiv möchte Wege aus der Abwärtsspirale aufzeigen. Hierfür veröffentlichte die 17-köpfige Gruppe bestehend aus jungen Wissenschaftlern und Aktivisten das Buch "Das Gute Leben für Alle – Wege in die solidarische Lebensweise". Mit Julia Kolbinger beteiligte sich auch eine Freiburgerin an dem Projekt.


"Das Buch zeigt, wie viele gelebte Alternativen es bereits gibt und das macht mir Mut", hebt die 29-Jährige die Stärke der Veröffentlichung hervor. An insgesamt acht Wochenenden traf sich das in Deutschland und Österreich verteilte Kollektiv, um an den Texten zu arbeiten. Dabei wurden Inhalte diskutiert und Entscheidungen innerhalb der Gruppe demokratisch getroffen. Mithilfe von Online-Tools fand während des einjährigen Entstehungsprozesses auch außerhalb der Workshops ein Austausch statt.

Eine Welt ohne Ausbeutung anderer

Das 128-seitige Buch besteht aus zwei Teilen. Im ersten beschreibt das Kollektiv, wie eine Welt ohne Ausbeutung anderer aussehen könnte. Der zweite Abschnitt beschäftigt sich mit konkreten Möglichkeiten, dieses Leben zu verwirklichen. So setzen sich die Autorinnen und Autoren beispielsweise mit bezahlbarem Wohnraum auseinander und fordern in diesem Zuge mehr öffentlichen Raum für alle, statt privaten Luxus für wenige. Auch die Veränderung der Landwirtschaft von Mono- zu Permakulturen und Möglichkeiten zur umweltverträglicheren Mobilität werden thematisiert.

"Wir haben versucht die Texte so einfach wie möglich zu formulieren, was aber eine große Herausforderung war, da wir alle in diesem akademischen Sprech verhaftet waren", beschreibt Julia eine der größten Schwierigkeiten während des Schreibens. Das Buch richtet sich zwar an Leserinnen und Leser, die bereits Berührungspunkte mit dem Thema haben, ist Dank einfacher Formulierungen und übersichtlicher Grafiken aber sehr einsteigerfreundlich. Oder wie sie es selbst beschreibt: "Auch unsere Eltern sollen verstehen, was wir meinen."

Mit der Hilfe von Staat und Kirche

Julia besitzt einen Bachelor in Soziologie und einen Master in Gesellschaftstheorie. Nach dem Studium zog sie mit einem Umweg über Berlin nach Freiburg, wo sie seit zwei Jahren für das Eine Welt Forum arbeitet. Schon zu Studienzeiten beschäftigte sie sich mit alternativen Gesellschaftsformen. Ihre Abschlussarbeit schrieb sie über das indigene Konzept des "Guten Lebens" in Bolivien und leistete damit unbewusst Vorarbeit für das Buchprojekt.

Das sah der I.L.A.-Initiator Common Future e.V. ähnlich. Der gemeinnützige Verein mit Sitz in Göttingen wählte die Teilnehmenden aus und sammelte Gelder für die Umsetzung. Dass das Projekt von staatlichen und kirchlichen Organisationen unterstützt wird, die die solidarische Lebensweise nicht in der Gänze verinnerlicht haben, sieht auch Julia kritisch: "Diese Institutionen sind nicht für die Solidarität, die im Buch beschrieben wird, bekannt, aber ohne diese Unterstützung ist es kaum möglich, ein zivilgesellschaftliches Projekt wie unseres umzusetzen."



Ein weiterer Kritikpunkt ist die Diversität innerhalb des Kollektivs, das sich ausschließlich aus weißen, mitteleuropäischen Akademikern zusammensetzt. Auch wenn die Gruppe keinen Einfluss auf den Auswahlprozess der Bewerber hatte, thematisiert sie dieses Problem im Buch. Auf einer ganzen Seite gesteht sie ihre eingeschränkte Sichtweise ein und fordert daher zum kritischen Dialog auf.

"Unser Anspruch war es nicht, universelle Wahrheiten niederzuschreiben, sondern eine Diskussionseinladung auszusprechen", fasst Julia ihre Ambitionen zusammen. Wer die Einladung annehmen möchte, hat auf landesweiten Vorträgen und Diskussionsrunden die Möglichkeit dazu. Auch in Freiburg findet am 4. März 2019 ein Workshop zum Buch statt. Anmeldungen sind noch bis zum 24. Februar 2019 möglich.
"Das Gute Leben für Alle – Wege in die solidarische Lebensweise". oekom verlag München. 20 Euro.


  • Was: Workshop zum Thema
  • Wann: Montag, 4. März, 18 bis 21 Uhr
  • Wo: Haus 037, Alfred-Döblin-Platz 1, Freiburg-Vauban