Wie kommt WM-TV aufs Handy?

Matthias Knoppik

Die Fußball-Weltmeisterschaft in der Bundesrepublik wird die erste WM sein, bei der sich Handynutzer Spielszenen auf ihrem Mobilfunkgerät anschauen können. Das sogenannte Handy-TV steht vor der Einführung, und eine Vielzahl neuer (und noch ziemlich verwirrender) Technologien drängt auf den Markt. Welcher Mobilfunkprovider hat was zu bieten? Und wie kommen die mobilen Bewegtbilder auf mein Handy? Matthias hilft bei der Orientierung.



In Asien ist das mobile Fernsehen längst - erfolgreich - im Einsatz. In Deutschland haben hingegen die wenigsten Kunden Handy-TV kennen gelernt. Die WM soll uns mit neuen Angeboten an diesen Dienst heranführen. Zielgruppe sind insbesondere Fans, die unterwegs sind und weder im Stadion noch vor dem Fernseher mitfiebern können. Für sie haben die Provider Pakete geschnürt, die die Benutzer mit Toren, Ergebnissen und Spielständen versorgen. Wie die Bewegtbilder aus dem Stadion aufs Handy wandern, ist von Provider zu Provider unterschiedlich.


Live-Übertragung über UMTS bietet nur T-Mobile



Live-Streaming über UMTS, wird es nur bei der Telekom-Tochter T-Mobile geben.T-Mobile hat die Live-Übertragung von 20 WM-Spielen via UMTS-Streaming angekündigt - und zwar zu einem Pauschalpreis von 7,50 Euro. Alle Spiele der deutschen Natinalmannschaft, beide Halbfinalbegegnungen, das Spiel um Platz drei sowie das Endspiel sind vorgesehen. Zusammen mit Premiere entsteht zudem täglich eine 15-minütige Tageszusammenfassung. Voraussetzung natürlich: Du hast ein UMTS-fähiges Handy. Die überwiegende Mehrheit der deutschen Mobilfunkkunden hat dies noch nicht.

Vodafone "Freistoß" per UMTS-Stream



Tore via UMTS gibt es auch bei Vodafone, allerdings nicht live aus dem Stadion. Vodafones Enternainment-Portal Vodafone live! liefert täglich 20 Minuten Interviews und Hintergrundberichte rund um die WM. Zumindest kurzfristig verlockend: Bis zum WM-Ende ist das Fußball-Paket kostenlos. Anschließenden werden 5 Euro pro Monat fällig, dafür erhält der Kunde dann Infos von der Bundesliga und der Champions League.

O2 hat Prominez im Angebot


O2 bietet eine für Mobile-TV konzipierte und von dem ehemaligen Fußball-Profi Thomas Helmer moderierte TV-Show via UMTS-Stream mit Interviews und Stimmungsberichten aus den Stadien. Ein weiteres WM-Angebot (ohne Bewegtbilder) ist das "Turnier-Paket", das dich zum Pauschalpreis von 9,95 Euro täglich per MMS auf den neusten Stand bringt. Machen die "Klinsmänner" ein Tor, landet eine MMS mit Foto auf deinem Handy, nach der Vorrunde sogar bei Spielen ohne deutsche Beteiligung. Du kannst auch erst nach der Vorrunde einen MMS-Dienst beantragen. Kostenpunkt: 4,95 Euro.

E-Plus ist bei Handy-TV zurückhaltend



E-Plus arbeitet eng mit Kicker.de, dem ADAC und Universal Music zusammen und ermöglicht dadurch seinen Kunden, aktuelle Nachrichten und Live-Bilder per WAP, SMS und MMS zu empfangen. Mobiles Fernsehen hingegen ist nicht im Angebot enthalten. Stattdessen kannst du Live-Bilder und Klingeltöne haben. Der mobile Zugang ins Internet hat Priorität, Handy-TV ist bei E-Plus sekundär.

Alternativen zu UMTS



UMTS ist nicht die einzigen Technologie, die mobiles TV aufs Handy bringen kann. Unterschiedliche Übertragungstechniken stellen sich pünktlich zur WM erstmals den Kunden vor. Eine davon ist Digital Multimedia Broadcasting (DMB), das debitel exklusiv für seine Kunden aus Südkorea nach Deutschland gebracht hat. Der Vorteil: Fallen bei UMTS zusätzlich zum Abo-Preis noch Entgelte für die Übertragungsdauer oder die Datenmenge an (je nach Tarif bis zu 10 Euro pro Megabyte!), so kannst man DMB zu einem monatlichen Festpreis von 9,90 Euro ordern, ohne zusätzliche Kosten pro Minute oder Megabyte. Nachteil: Speziell für DMB gerüstete Mobilfunkgeräte sind ein Muss.

Debitel setzt auf DMB

Vergangene Woche teilte debitel mit, dass Fußballbegeisterte in mindestens acht FIFA WM-Städten (Berlin, Frankfurt, Gelsenkirchen, Hamburg, Hannover, Köln, München, Stuttgart)" alle vom ZDF gezeigten Spiele erstmals via DMB als terrestrisches Handy-Fernsehen verfolgen können. Zu diesem Zweck hat das Stuttgarter Unternehmen in Kooperation mit dem Düsseldorfer Plattformbetreiber Mobiles Fernsehen Deutschland (MFD) heute den Sendebetrieb über eine eilig lizenzierte Handy-TV-Plattform via DMB gestartet. Das WM-Life-Paket des ZDF wird dadurch nicht nur zuhause, sondern auch unterwegs auf den kleinen Alleskönnern zu sehen sein. Die von debitel vertriebenen DMB-fähigen Handys werden voraussichtlich zwischen 100 - 150 Euro mit Vertrag kosten.

Noch eine UMTS-Alternative: DVB-H



Zur Vorbereitung auf das Jahr 2007, startete gestern in München, Hamburg, Hannover und das Pilotprojekt einer weiteren Übertragungstechnologie, die genau wie DMB zum Standard werden möchte: DVB-H. Ob das klappt, ist völlig offen, schließlich konkurriert auch der koreanische Konkurrent DMB um die Vormachtstellung. Nicht unwichtig: DVB-H wird gemeinsam von den vier großen Netzbetreibern (T-Mobile, Vodafone, O2 und E-Plus) voran getrieben. Zu Anfang wird allerdings lediglich eine vierstellige Zahl von Testhandys zur Verfügung stehen, die an Journalisten und ausgewählte Pilotkunden verteilt wird.

Fazit

DMB gibt es nur bei debitel, Live-Streams per UMTS gibt es nur bei T-Mobile und DVB-H gibt es nur als Pilotprojekt in ausgewählten Städten für ausgewählte Kunden. Nach einem Massengeschäft klingt das nicht. Verglichen mit Asien steckt das Handy-TV in Deutschland also noch in den Kinderschuhen, daran wird auch die Weltmeisterschaft nichts ändern. Sie ist ein Testlabor für mobiles TV, nicht mehr und nicht weniger. Nur wenige Handynutzer werden das Spektakel tatsächlich mit Bewegtbildern auf dem Handy verfolgen.

Glossar:

  • DMB:Rundfunksystem für mobile Audio/Video/Daten-Übertragung

  • DAB: digital terrestrischer Hörfunk-Übertragungsstandard

  • DXB: Konzept, DMB, DVB-H und UMTS miteinander zu verknüpfen

  • DVB-H: Übertragungsstandard, mit dem digitale Rundfunkprogramme über kleine und/oder mobile Geräte empfangen werden können

  • UMTS: Mobilfunkstandard der dritten Generation (3G)

  • GPRS: Erweiterung des GSM-Mobilfunk-Standards um paketorientierte Datenübertragung ("häppchenweise")

  • GSM: ist ein volldigitaler Mobilfunknetz-Standard, der hauptsächlich für Telefonie aber auch für Kurzmitteilungen (Short Messages = SMS) genutzt wird.

  • WAP: zaubert Internet aufs Handy, obgleich die langsameren Übertragungsraten und die längeren Antwortzeiten im Mobilfunk sowie die kleinen Displays der Mobiltelefone spezielle Technologien benötigen

  • MFD : Mobiles Fernsehen Deutschland
Weiterlesen: Die Handy-WM (Die Welt)