Wie kaue ich Kaugummi mit Niveau?

Betül Yaman

Tom aus Freiburg schreibt: "Neulich hat mich im Supermarkt in der Schlange an der Kasse eine Frau gerügt: ,Das ist wirklich eklig, wie Sie Kaugummi kauen.' Nun frage ich mich: Was muss ich beim Kaugummikauen beachten, um die Etikette zu wahren?"



Lieber Tom,

Gleich vorneweg: Mir ist bisher noch kein Mensch begegnet, der über längere Zeit hinweg ästhetisch Kaugummi kauen konnte.


Auch wenn anfänglich die meisten bestrebt sind, den Mund geschlossen zu halten, um keine Schmatzgeräusche zu verursachen und den Unterkiefer so wenig wie möglich bewegen, um nicht an eine grasende Kuh zu erinnern, entgleist das Gesicht früher oder später doch irgendwie.

Hinzu kommen die Blasen, die wir gerne mal machen, wenn Langeweile hinzukommt. Viele finden das eher abstoßend.

Die Kaugummifans sollten bedenken, dass sie zu wichtigen Terminen oder im Kontakt mit Kollegen oder Kunden besser auf den Kaugummi verzichten sollten. Für den frischen Atem zwischendurch ist ein Kaugummi sehr sinnvoll, wenn gerade kein Menthol-Bonbon zur Hand ist. Kurz darauf kauen und bald wieder ausspucken (spätestens vor dem bevorstehenden Termin). Und wenn wir schon dabei sind: Bitte den Kaugummi nicht einfach auf den Boden spucken. Vorbildlich ist es, das Kaugummipapier aufzuheben und später den Kaugummi darin eingewickelt in den Müll zu entsorgen.



Du handelst richtig, wenn du rücksichtsvoll, höflich und respektvoll bleibst. Rücksichtsvoll ist es zum Beispiel, wenn du nicht Kaugummi kaust während eines Theaterstücks, Konzerts oder Kinobesuchs, um deine Nachbarn nicht mit den Schmatzgeräuschen zu belästigen. Höflich ist es zum Beispiel, während einer Vorlesung, auch wenn du nur Zuhörer bist, auf den Kaugummi zu verzichten, um dem Dozenten Wertschätzung zu zeigen. Respektvoll ist es zum Beispiel, wenn du beim Telefonat mit einem Freund den Kaugummi rausnimmst, um ihn vor den Schmatzgeräuschen zu schonen.

Dass bei einem Bewerbungsgespräch der Kaugummi fehl am Platz ist, und erst Recht bei einer Beerdigung, versteht sich von selbst.

Wenn du gerade in der Prüfung sitzt und gehört hast, dass das Kaugummikauen für die Konzentration förderlich sei – warum nicht? Solange du nicht deinen Nachbarn damit störst. Falls du das Schmatzen nicht lassen kannst und auch nicht auf ein Kaugummi verzichten willst, hast du vielleicht Erfolg, wenn du allen Anwesenden auch eines anbietest und sie alle irgendwann auch anfangen zu schmatzen. Du siehst also, nicht das Kaugummikauen ist unhöflich, sondern das wo und wie ist ausschlaggebend.



Eine Alternative sind übrigens Mentholblättchen, die ganz dünn sind und einfach am Gaumen kleben bleiben. Sie sind somit unsichtbar, stören nicht beim Reden und verleihen den gewünschten frischen Atem.

Apropos – falls du Raucher bist und denkst, du könntest noch vor dem Küssen schnell mit einem Kaugummi deinen Atem aufbessern, hast du dich getäuscht. Das ist für mich nach Fenchel der zweitekligste Geschmack, den man im Mund haben kann.

Liebe Grüße

Deine Betül