Wie ist es, in Freiburg Konzerte zu spielen?

Melanie Volk & Carolin Buchheim

Die Freiburger Konzert- und Partyszene wird zur Zeit heißer diskutiert denn je. Wie ist es, in Freiburg Konzerte zu spielen, Konzerte zu veranstalten oder Partys zu organisieren? Wir möchten in den kommenden Wochen Bands, DJs und Veranstalter aus Freiburg und Region zu Wort kommen lassen, um der hiesigen Szene auf den Zahn zu fühlen.

Zuerst haben wir dazu vier Bands folgende Fragen gestellt: Stimmt es, dass man als Freiburger Band in Freiburg nirgends live spielen kann? Will tatsächlich keiner Eintritt bezahlen und lässt sich mit Konzerten in Freiburg wirklich nichts verdienen? Wie organisiert man hier überhaupt ein Konzert? Wo hat's super geklappt und wo ging's total daneben?


Doc Crisis von Infight


"Es war früher für Bands allgemein sicher einfacher Konzerte zu geben als heute, weil es ein paar Veranstalter mehr gab. Mittlerweile sind einige Locations als Veranstaltungsorte weggefallen und dadurch gibt es eben auch weniger Slots. Aber wenn man sich ordentlich reinhängt, funktioniert das immer noch ganz gut.

Um ein Konzert zu organisieren, muss man sich zunächst eine Location aussuchen, sich dann mit dem Veranstalter in Verbindung setzen und ihm die Musik schmackhaft machen. Wenn der deine Musik gut findet, bekommst du auch ein Konzert, und wenn nicht, musst du halt den nächsten fragen. Wir selber machen keine Veranstaltungen, deshalb muss sich der Club, in dem wir auftreten, um Sicherheitsleute und ähnliches kümmern. Wir sind nur für die Musik zuständig.

Ich fände es besser, wenn es mehr Möglichkeiten gäbe, größere Bands zu supporten. Leider gibt es in Freiburg nicht so viele Auftritte größerer Bands. Für größere Booking-Agenturen und Veranstalter scheint Freiburg nicht so attraktiv zu sein, und deshalb passiert hier auch nicht so viel im Vergleich zu anderen Städten.

Als gute Location in Freiburg lohnt sich das White Rabbit eigentlich immer. Am Donnerstag, 7. April 2011, erst hatten wir eine Release-Party dort und da war's gut voll. So richtig daneben gegangen ist bisher keines unserer Konzerte. Wenn man als Band irgendwo spielen will und es geht was daneben, muss man's halt trotzdem irgendwie gut hinbekommen. Das ist schließlich unser Job. Das gibt's immer mal, dass mit der Technik was nicht passt. Da muss man dann durch."
 

RoQit von Qult

 
"Wie schwierig es ist, ein Konzert zu organisieren, kommt immer auf den Deal und die Location an. In eine Siffhütte bekommt man die Leute natürlich schwieriger als in eine angesagte Location wie den Harmonie-Keller.

Um eine Veranstaltung zu organisieren, muss man einfach nur anfragen, ob man die Räumlichkeiten mieten kann. Was man dann dort macht, ist denen eigentlich egal. Anschließend muss man Flyer drucken. Die Promo ist ziemlich aufwendig. Man sollte mindestens 5000 Flyer drucken, wir haben meistens 10.000 gedruckt. Man sollte mindestens zwei bis vier Wochen vorher anfangen, die Flyer zu verteilen. Wenn's zu kurzfristig ist, kommen zu wenig Leute.

Internet-Promo
ist verdammt wichtig und über Netzwerke wie Facebook ist das ja auch kein Aufwand. Außerdem sollte man sich bemühen, legale Plakatflächen zu bekommen, zum Beispiel an Bahnhaltestellen. Natürlich ist das auch mit Kosten verbunden. Der Schlüssel dazu ist, dass man sich Sponsoren sucht. Denen kann man dann zum Beispiel anbieten, ihr Logo auf den Flyern zu drucken, wenn sie als Gegenleistung einen bestimmten Geldbetrag zahlen. Das klappt dann auch in der Regel, wenn man sich da Mühe gibt und einen seriösen Eindruck macht.

Am Anfang war das natürlich schwieriger, weil wir noch keinen Namen hatten. Mittlerweile kennen viele den Namen Qult in Freiburg, vor allem in der Veranstalterszene. Gut ist auch immer ein großer Freundeskreis, der einem hilft, wenn ein Konzert ansteht. Wenn also zum Beispiel jemand am Abend die Kasse macht oder beim Aufbauen hilft, falls das Personal nicht von der Location gestellt wird.

Was die Konzertlandschaft in Freiburg angeht, können wir uns nicht beklagen. Mann muss sich eben drum kümmern und sich nicht immer nur beschweren. Als wir keinen Probenraum hatten, sind wir halt einfach zum Jugendzentrum und haben dort nach einem freien Raum gefragt, den wir dann sogar kostenlos nutzen durften.

Unsere beste Veranstaltung war die Release the Beats Party im Harmonie-Keller am 26. März 2011. Die war ausverkauft und es hat alles perfekt funktioniert. Damit hatten wir nicht gerechnet, da zu dieser Zeit auch die ganzen Abi-Partys und die Zeitumstellung waren. Wir haben aber auch schon fünf Monate vorher mit der Planung begonnen.

Wir hatten aber auch mal einen Auftritt im Jugendzentrum Haslach. Der war relativ schlecht besucht. Es war mitten im Winter und an jenem Abend wehte ein Wahnsinns-Schneesturm. Die Party an sich war gut, aber es waren nur so 50 Leute da - das hat es sich veranstaltungstechnisch natürlich nicht so gelohnt. Als Band geht es aber vor allem darum, aufzutreten, egal, ob man jetzt vor 50 oder 2000 Leuten spielt."

 

Martin von Crime Killing Joker Man



"Für mich ist es mittlerweile relativ einfach, Konzerte in Freiburg zu organisieren. Ich kenne fast alle Programm-Chefs der Freiburger Locations. Es hat sich ein Vertrauensverhältnis aufgebaut. Sie wissen, dass ich meinen Teil der Abmachung einhalte, also zum Beispiel Plakate erstelle, und sie ein schönes Konzert bekommen, wo auch ein paar Leute kommen. Umgekehrt weiß ich, dass ich eine schöne Location mit gutem Sound habe, problemlos mein Geld bekomme und sie selber alles tun, um ein schönes Konzert zu haben. Natürlich kann man von diesen Konzerten nicht leben.

Auf dem Weg dahin gibt es einige Chancen, die man warnehmen sollte: Bei Studenten- und Fachschaftspartys, privaten Partys oder wenn mal eine Band ausfällt. Da sollte man pünktlich und zuverlässig sein, die finanziellen Ansprüche runterschrauben, freundlich bleiben und vor allem ein möglichst amtliches Konzert hinlegen. Das steigert den Bekanntheitsgrad bei Publikum und möglichen Veranstaltern und schafft einen guten Ruf.

Bei der Organisation gehe ich wie folgt vor: Zuerst lege ich Terminmöglichkeiten mit den Beteiligten fest. Dann frage ich die Locations mit konkreten Terminen und Material an, um anschließend die Termine mit anderen Veranstaltern abzuklären. Das wird leider häufig vergessen, manchmal auch von mir. Falls nötig, buche ich zusätzliche Technik und Mischer. Dann schicke ich eine Presseinfo an Veranstaltungskalender - immer bis zum 15. des Vormonats -  sowie an Onlinemedien. Das sollte man etwa ein bis zwei Wochen vorher tun. Außerdem muss man Plakate und Flyer drucken und verteilen.

Generell gilt: Persönliche Kontakte mit den Menschen hinter dem Computer oder dem Telefon bringen mehr als "anonyme" Mails oder Anrufe. Mir helfen vor allem meine Bandkollegen und Freunde, die unsere Musik gut finden.

Was ich mir wünschen würde, sind bessere Absprachen unter den Veranstaltern und mehr Informationen für das Publikum: Was kostet die Durchführung eines Konzertes, was ist ein wirklich fairer Preis? Gut wäre auch ein größeres Qualitätsbewusstsein beim Publikum: Wenn man eine wirklich schöne Veranstaltung mit gutem Sound in angenehmen Ambiente besuchen möchte, sollte das einem auch ein bischen was wert sein. Generell bin ich aber ziemlich zufrieden.

Richtig gut geklappt hat unser Auftritt auf dem Omaha Records Festival 1-3: Gut gelaufen sind auch die Dub Tub Konzerte der letzten Jahre. Schlecht gelaufen ist es dagegen im April 2010 in der MensaBar. Da hatte ich mit den Freiburger Reggae-Veranstaltern alles geklärt. Dann kam aber die legendäre Radio Dreyeckland-Party mit Reggae-Floor dazwischen, ohne vorher die Veranstaltung terminlich abzuklären. Der Eintritt war dort um die Hälfte billiger, was kein Wunder war, da sie lokale DJs statt zwei Live-Bands und ein lokales Soundsystem hatten. Bei denen war's ausverkauft und in der MensaBar waren ca 20 zahlende Gäste."

   

Mario von Ten Volt Shock



"Ehrlich gesagt hatten wir nie wirklich Probleme in Freiburg zu spielen. Seit 2002/2003 haben wir fast regelmäßig in Freiburg Konzerte gespielt - anfangs viel in der KTS, danach einmal im Kamikaze und in den letzten Jahren häufiger im White Rabbit. Es waren eigentlich immer Shows mit anderen Bands aus Deutschland, Frankreich oder den USA. Oft waren wir Gäste, manchmal auch Gastgeber. Sicherlich ist es heute für uns etwas einfacher als früher, in diesen Läden zu spielen, aber wirklich schwer war das nie.

Häufig werden wir von den Konzertveranstaltern in Freiburg direkt angefragt, ob wir mit anderen Bands, die gerade auf Tour sind und zu uns passen, spielen möchten. Bei den Releasepartys zu unseren LPs und unserer Tour DVD waren wir etwas initiativer und haben in den Läden angefragt und interessante Bands als Gäste eingeladen.

Viele dieser Veranstalter sind gute Freunde und treue Wegbegleiter unserer Musik. Mit unseren Konzerten kann man allerdings kein Geld verdienen. Am Ende sind alle froh, einen tollen Abend gehabt zu haben und bei null rauszukommen. Daran hat sich bisher auch noch nichts geändert.    

Mit den Auftrittsmöglichkeiten in und um Freiburg sind wir eigentlich ganz zufrieden. Sehr problematisch ist allerdings die Proberaumsituation in Freiburg. Es gibt einfach zu wenig nutzbare Räume. Letztes Jahr standen wir kurz mal auf der Straße, als der Bahnweg dicht gemacht wurde. Mittlerweile haben wir aber etwas Neues gefunden.

Unser bisher bestes Konzert war am Rosenmontag 2008 im White Rabbit. Es war unsere Tour DVD Release Party, zu der wir Electric Electric aus Straßburg eingeladen hatten. Es war voll, laut und wild. Schief ging es bisher noch nie. Etwas „gewöhnungsbedürftig“ war eine Show im Kamikaze, bei der wir bereits anfangen sollten, als noch sehr viele Gäste in der Schlange vor der Tür standen. Zudem sollten wir pünktlich um 23 Uhr aus Rücksicht auf die Anwohnerschaft und dem sich anschliessenden DJ-Programm aufhören, was uns nicht ganz gelungen ist.

Außerdem mussten wir uns selbst um eine geeignete Gesangsanlage inklusive Transport kümmern. Es war kein schlechtes Konzert, nur die äußeren Umstände waren etwas 'ungeeignet' für eine Ten Volt Shock Show. Zur Verteidigung des Kamikaze muss aber noch ergänzt werden, dass die Jungs damals noch am Anfang ihres Clubbetriebs mit Konzerten standen. Mittlerweils ist es dort bestimmt viel besser."

 

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