WM 2018

Wie in Freiburger Betrieben heute das Deutschland-Spiel geschaut wird

Christian Engel

Die Begegnung Deutschland gegen Südkorea wird heute um 16 Uhr angepfiffen – nicht gerade arbeitnehmerfreundlich. Etliche Freiburger Betriebe ermöglichen ihren Mitarbeitern aber das Spiel zu schauen.

Der Veranstalter der Fußball-WM, die Fifa, nimmt keine Rücksicht auf Öffnungszeiten und Stundenpläne: Die Partie zwischen Deutschland und Südkorea am heutigen Mittwoch wird um 16 Uhr angepfiffen – und da hat manch ein Angestellter und manch ein Schüler jene Karte gezogen, die der Schiri aus der Hosentasche am Gesäß holt. Etliche Betriebe versuchen aber ihren Mitarbeitern zu ermöglichen, das Spiel zu schauen: Sie verlegen Schichten oder bieten Public-Viewing an.


Leinwand bei der Haufe Group

Wenn Toni Kroos und seine Mannen ab 16 Uhr den Lederball ins Rollen bringen, um ins Achtelfinale zu stolpern, sind Mitarbeiter vom Softwareunternehmen Haufe Group mit dabei – zumindest vor dem Bildschirm. Im Auditorium hat die Firma eine Leinwand aufgestellt, zudem sind paar Grillmeister am Start, die rote Würstchen braten. An dem Gaumenschmaus (und hoffentlich auch Augenschmaus) können allerdings nicht alle 1200 Freiburger Mitarbeiter teilnehmen: Der Raum ist aus Sicherheitsgründen auf 120 Gäste begrenzt. Mitarbeiter konnten sich in den vergangenen Tagen anmelden. Wer sich keinen Platz ergattern konnte, kann laut Unternehmenssprecherin Nicole Packhaeuser auch auswärts gucken.



Daheim oder anderswo dürfen auch die Haarkünstler von Friseur Francek die Spiele verfolgen. Als Portugal neulich versuchte, Fußball zu spielen, bekam die Portugiesin frei, die Kroaten durften die Scheren weglegen, um ihrem Land beim Siegen zuzusehen. Nun darf die deutsche Belegschaft mal weg. Am Mittwoch zieht sie um 15 Uhr in die Stadt, um einen Tisch für alle zu finden. In der Zwischenzeit werden schon ein paar Haargeplagte den Friseur aufsuchen, "aber viele sagen den Termin auch noch kurzfristig ab, wenn sie erfahren, dass Deutschland spielt", sagt Salonmanagerin Nicole Jonderko. "Für alle, die kommen, sind dann die anderen da: die Portugiesen, die Kroaten – und vor allem die Italiener, die haben während der WM ja immer Zeit."



Schichtbeginn um 6 Uhr früh

In einem Autohaus, das seinen Namen nicht nennen will, beginnen die Kfz-Mechaniker ihre Schicht extra um 6 Uhr, damit sie pünktlich zum Spiel rauskommen. Das Ärztezentrum Wiehre hat ganz normal geöffnet und stellt auch keinen Fernseher auf. Die Patienten müssten eben Prioritäten setzen, sagt die Sprechstundenhilfe. Am Droste-Hülshoff-Gymnasium müssen die Elfklässler mittags ganz normal zur Mittagsschule, die letzte Einheit geht von 16.15 bis 18 Uhr. Dem stellvertretenden Schulleiter Christian Weiß ist kein geplanter Entfall bekannt.

Im Modehaus Breuninger steht im vierten Stock ein Fernseher für Kunden – und auch Mitarbeiter dürfen laut Tina Kohler zwischendurch und vor allem in den Pausen mal reinspickeln. "Aber über den Flurfunk erfährt sicher jeder, wie es steht", sagt die Assistentin der Geschäftsführung. Bei Sport Bohny ist es ähnlich. In der Filiale in der Klarastraße läuft auf einem großen Fernseher das Spiel. "Da können Mitarbeiter gerne nebenher gucken", sagt Kirsten Ruf von der Verwaltung. "Wenn ein Kunde uns braucht, müssen es die deutschen Kicker allerdings ohne unseren Support hinkriegen."
Ein anonymer Uni-Professor, der zwischen 16 und 18 Uhr eine Vorlesung gibt, zeigt sich optimistisch: "Es werden alle zur Vorlesung kommen. Die Wissenschaft ist wichtiger als ein Fußballspiel."

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