Wie geht's weiter mit der Eishalle? Antworten der OB-Kandidaten

David Weigend & Markus Hofmann

Wie soll es weitergehen mit dem Eishockey-Standort Freiburg? Wie lange hält das Dach der Franz-Siegel-Halle? Wie realistisch ist ein Neubau, wieviel würde er kosten? Wir haben die drei OB-Kandidaten Salomon, Von Kirchbach und Rausch um Antworten gebeten.



Im Jahr 2009 ist das Dach der Eissporthalle für mehr als zwei Millionen Euro saniert worden. Bis wann kann die Franz-Siegel-Halle nach Ihrem Kenntnisstand maximal a) für den Breitensport (Publikumslauf) und b) für den Profisport (Wölfe Freiburg) genutzt werden?

Salomon: Die Eishalle ist statisch gesichert worden – Fachleute nennen es eine „Ertüchtigung“. Eine Sanierung wäre sehr viel umfänglicher und teurer geworden. Nach heutigem Stand können wir auf der Basis dieser Ertüchtigung weiter von einigen Jahren Nutzungsdauer ausgehen, sowohl für Profi- als auch für Breitensport.

Kirchbach: Nach der Ertüchtigung des Daches/Statik kann die Eishalle noch 5 Jahre weiter für den Eishockeysport genutzt werden. Soweit mir bekannt ist, müssten im Anschluss unverhältnismäßig hohe Investitionen für Brandschutz, energetische Sanierung und Schallschutz und nach den Vorschriften des Baurechtsamtes getätigt werden, um sie weiter betriebsfähig zu halten. Allenfalls der Publikumslauf kann unter bestimmten Auflagen zulässig sein. Aus meiner Sicht machen weitere massive Investitionen in die Halle an diesem Stadtort ökonomisch und sportpolitisch keinen Sinn.

Rausch: Als Bürger, der, wie Sie, weder Teil der Verwaltung noch des Eishockeyvereines ist, kann ich diese Frage unmöglich beantworten. Dafür bietet das Rathaus nicht genügend Transparenz. Dafür müssten sie mir bitte die Unterlagen zur Verfügung stellen. Ich gehe davon aus, dass eine solch aufwändige Instandsetzung jedoch viele Jahre halten muss, sonst wäre es herausgeschmissenes Geld!

Liegen Ihnen bereits Finanzierungskonzepte für a) den Bau und b) den Betrieb einer neuen Halle vor? Falls ja: In welcher Größenordnung bewegen sich die Kosten für den Bau einer neuen Halle beziehungsweise für ihren Betrieb?

Salomon: Dazu ist es noch viel zu früh. Der Auftrag des Gemeinderats lautet, Vorschläge für einen möglichen Standort vorzulegen, dann das mögliche Investitionsvolumen zu rechnen und Vorschläge für die Finanzierung zu erarbeiten. Das eine setzt das andere voraus.

Kirchbach: Finanzierungskonzepte für Bau und Betrieb einer möglichen neuen Eissporthalle sind mir nicht bekannt. Soweit ich informiert bin, wollen sich Mitglieder des Gemeinderates zusammen mit dem Sportbürgermeister in den nächsten Monaten Eishallen in verschiedenen vergleichbaren Städten anschauen. Bekannt ist, dass Neubauten mit Kosten von um die 15 Mio € veranschlagt werden können. Denkbar wäre aus meiner Sicht eine Vermarktung der Fläche der alten Franz-Siegel-Halle und Teilen des sie umgebenden Geländes bei einem Abriss. Die Einnahmen hieraus könnten den Grundstock für die Finanzierung einer neuen Halle bilden. Als Standort für einen Neubau käme ggf. ein freies Teilstück an der Neuen Messe in Frage.

Rausch: Nein, mir hat niemand diese Konzepte vorgelegt. Und ich habe es auch nicht in der Zeitung gelesen. Daran sieht jeder Bürger und jede Bürgerin, dass es dringend notwendig ist, dass wir endlich Transparenz ins Rathaus kriegen. Wir BürgerInnen werden nicht gut informiert. Wie soll ein Bürger, der zum Bürgermeister kandidiert, eine solche Frage beantworten können, wenn er nicht schon in der Rathausspitze arbeitet?



Die Wölfe Freiburg sind vor wenigen Tagen in die Eishockey-Oberliga abgestiegen. Welche Rolle spielt es für sie bei der Hallendiskussion, ob in Freiburg Profi-Eishockey in der 2. Bundesliga oder DEL gespielt wird?

Salomon: Der Profisport ist nur ein Teil der Nutzung. Vor allem soll eine Eissporthalle für den Breitensport und den Publikumslauf zur Verfügung stehen. Deshalb spielt der Tabellenstand des EHC zunächst keine Rolle – im Laufe der Freiburger Eishockeygeschichte sind die Profis mehrfach ab- und auch wieder aufgestiegen. Ohne eine funktionierende Halle hätte der EHC allerdings gar keine Chance mehr. Das will niemand.

Kirchbach: Leider, leider haben die Wölfe die Klasse nicht erhalten können und müssen jetzt aus der Oberliga den Wiederaufstieg angehen. Ich weiß, wie enttäuscht alle Fans und Vereinsverantwortlichen jetzt sind. Auch ich habe den Wölfen bis zuletzt die Daumen gedrückt! Aber ich bin Optimist und hoffe, dass sich die Wölfe wieder nach vorne arbeiten werden – meine Unterstützung haben sie uneingeschränkt.

Rausch: Die Wölfe sind leider abgestiegen. Die Hallendiskussion beeinflusst das überhaupt nicht. Es ist wichtig, dass Kinder, Jugendliche und Erwachsene eine Eishalle haben, wo sie aus Spaß und zur sportlichen Ertüchtigung sowie zur Pflege ihres Wohlbefindens Eislaufen können. Dafür will ich mich gerne einsetzen. Ich sehe es aber nicht als kommunalpolitische Aufgabe an, Profivereinen, die als Wirtschaftsunternehmen geführt werden, eine Eishalle auf Kosten aller städtischen BürgerInnen zu finanzieren.



Laut einer Umfrage der Badischen Zeitung sind 82 Prozent der Freiburger gegen den Bau eines neuen SC-Stadions. Lässt sich dieses Stimmungsbild auch auf den Bau einer neuen Eishalle applizieren?

Salomon: Nein. Hier sprechen wir nicht nur über unterschiedliche Sportarten, sondern auch über unterschiedliche Investitionssummen und unterschiedliche Anforderungen. Der SC hat auf Dauer eine Heimstätte, der EHC nur auf absehbare Zeit.

Kirchbach: Das glaube ich nicht. Der SC hat ein voll funktionsfähiges Stadion mit einer, wenn auch kleinen, Ausbaureserve und ist wirtschaftlich gesund. Den Wölfen fällt buchstäblich die Halle über dem Kopf zusammen, eine Sanierung ist unwirtschaftlich und der Verein kann alleine keinen Neubau stemmen.

Rausch: Keine Umfrage lässt sich mit einer anderen einfach vergleichen. Das geht nicht. Aber die Tendenz ist doch klar: Wieso sollen alle BürgerInnen ausgerechnet den Profisport bezahlen? Doch die Frage ist eben eine andere: Im SC-Stadion dürfen nur hochbezahlte Profifußballer auf den Rasen. In einem Eisstadion dürfen das manchmal auch normale Leute. Das ist schon ein wesentlicher Unterschied. Deshalb müssen solche Fragen immer ganz konkret gestellt werden. Und dann müssen die Bürgerinnen selber entscheiden, was ihnen wichtig ist und was sie eher nicht finanzieren wollen.



Welchen Stellenwert hat der Neubau einer Eishalle auf Ihrer persönlichen Agenda? Braucht Freiburg eine Eissporthalle?

Salomon: In einer Stadt unserer Größenordnung, vor allem mit unserer Eishockey-Geschichte, gehört eine Eissporthalle zur sportlichen Infrastruktur.

Kirchbach: Freiburg braucht auf mittlere Sicht durch die Baufälligkeit der Franz-Siegel-Halle eine neue Eissporthalle. Für mich ist natürlich ein Neubau auch abhängig von den wirtschaftlichen Möglichkeiten der Stadt und den Finanzierungsmöglichkeiten. Eislauf hat nicht nur mit Profisport zu tun – es ist ein Volkssport und die Kinder- und Jugendarbeit der Wölfe ist vorbildlich.

Rausch: Ich will, dass wir BürgerInnen zu allen Haushaltsfragen differenziert informiert werden, miteinander diskutieren können und dann uns für die jeweils besseren Argumente entscheiden können. Also die Prioritätenliste müssen die BürgerInnen selber im Rahmen des Bürgerhaushaltes festlegen. Dann entscheidet letztlich der Gemeinderat. Ich selber werde mich sehr bemühen, den unterschiedlichen Argumenten zu lauschen und abzuwägen, was nun letztlich die besseren Argumente sind. Dann werde ich – nach langen Gesprächen – mit Ihnen allen auch persönlich gerne festlegen. Jedenfalls werde ich die Bürgervoten sehr ernstnehmen.

[Fotos: Dominic Rock, Ingo Schneider]

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