Wie geht es nach dem Abstieg bei den Wölfen Freiburg weiter?

Arne Bicker

Mit dem Eishockey in Deutschland ist das so eine Sache: Selten weiß man, woran man ist. Ständig gibt es Clubkonkurse, ständig wird am Modus gewerkelt, ständig verändern sich Ligen, Spielpläne, Zugehörigkeiten und Zuständigkeiten. Kein Wunder, dass am Eishockeystandort Freiburg derzeit vor allem Eines vorherrscht: Das große Nichtwissen.



Sportlich sind die Wölfe aus der zweiten Eishockey-Bundesliga abgestiegen. Doch was heißt das? Müssen sie nun wirklich in der Oberliga antreten oder tut sich ein durchaus branchenübliches Hintertürchen zum Verbleib in der zweiten Liga auf? Oder droht durch die finanziellen Verluste der zurückliegenden, sportlich katastrophalen Spielzeit womöglich ein ebenso branchenüblicher Konkurs?


„Das glaube ich nicht“ sagt Ronald Danner, einer von zwei sportlichen Leitern der Wölfe GmbH. „Einen finanziellen Zusammenbruch kann ich mir nicht vorstellen. Dass es mit dem Freiburger Eishockey weitergeht, steht für mich nicht in Frage.“ Danner ist nach 22 Jahren in diversen Funktionen für das Freiburger Eishockey (Nachwuchsleiter, Schatzmeister, zweiter Vorsitzender, Berater, sportlicher Leiter) offiziell zurücktreten, um sich im Hauptberuf des Kaufmanns voll und ganz auf seinen Einzelhandel unweit des Eisstadions zu konzentrieren.

Mit einem neuen Einkaufszentrum in Steinwurfweite zum Stadion erwächst dem Lebensmittelhändler Ronald Danner eine bedrohliche Konkurrenz. Und mit dem vormaligen Trainer Peter Salmik gibt es bereits einen zweiten sportlichen Leiter, der das Amt weiter ausfüllen könnte. Aber wie geht es weiter? Danner: „Das weiß im Moment kein Mensch. Wer da jetzt spekuliert, dem kann ich nur sagen: Lotto spielen ist einfacher.“

„Das hängt Alles in den Seilen“ erklärt auch Peter Salmik und meint damit sowohl die eigene Zukunft als auch die der Freiburger Wölfe. Offen bleibt vorerst die Frage, wie groß die zweite Liga in der kommenden Spielzeit sein wird, ob Plätze frei werden, weil der SC Riessersee wirtschaftlich das Zeitliche segnet oder die DEL einen Zweitligisten wie Schwenningen oder Ravensburg aufnehmen wird - Klarheit sieht anders aus.

Fest steht, von den Wölfe-Profis haben nur vier Spieler Folgeverträge: Dennis Meyer, Christoph Matthis, Barry Noe und Mirko Sacher. Die restlichen Akteure würden gern bleiben, so ist zu hören, aber nur in der zweiten Liga, aus der sie gerade mit Vehemenz abgestiegen sind. Doch das wollen die schwer enttäuschten Fans nicht, und die Wölfe GmbH kann es nicht wollen. So oder so wird die Mannschaft einen umfassenden Umbruch erfahren.

Nur die jungen Eigengewächse wie Tobi Kunz oder Chris Billich sollen gehalten werden. „Wenn alle so gespielt hätten wie unsere jungen Spieler, hätten wir keine Probleme gehabt“, glaubt Wölfe-Geschäftsführer Jürgen Schaal. „Mit den Jungs sind wir hochzufrieden, die haben ihren Job super gemacht.“ Was man vom Rest der Truppe, speziell den sogenannten Leistungsträgern, nicht im Ansatz behaupten kann.

In der Oberliga dürfen nur zwei Kontingentspieler eingesetzt werden, was das Unterfangen aufgrund der hohen Gehälter für die wenigen guten deutschen Spieler finanziell ähnlich teuer macht wie das Geschäft in der zweiten Liga. Lediglich die Fahrtkosten dürften sinken, weil die bislang eingleisige Oberliga in der kommenden Spielzeit, eventuell mit den Nachrückern Selb und Miesbach an Bord, dreigeteilt starten soll: Die Gruppe Süd wird unter der Leitung des Deutschen Eishockey-Bundes DEB, die Gruppen Nordwest und Ost unter der Leitung der jeweiligen Landesverbände antreten, wie immer frei nach dem Motto: Öfter mal was Neues.

Und Freiburgs Trainer? Markus Berwanger hat einen gültigen Vertrag für die kommende Saison, jedoch nur für die zweite Liga. „Er würde auch mit uns in die Oberliga gehen“, so der hauptberufliche Wölfe-Geschäftsführer Jürgen Schaal, der in Personalunion Berwangers Co-Trainer ist. „Nur ob das auch finanzierbar ist, das weiß ich nicht.“ Aufschluss soll die Gesellschafterversammlung der Wölfe GmbH am kommenden Montag Abend geben. Nach dem Rücktritt von Bernhard Stiegler (2008) und Thomas Wolf (2009) nehmen an dieser noch drei Personen teil: Der Speditionsunternehmer Holger Döpke, Kellereibedarfhändler Willi Zimber und Leasingbetriebswirt Oliver Volk.

Döpke, bisher Sprecher der GmbH, erklärte bereits, sich nach drei Jahren aus vorderster Front zurückziehen zu wollen, der Gesundheit zuliebe. Wer also wird der neue starke Mann bei den Wölfen sein? Jemand, der frisches Geld in den Club bringt wie seinerzeit Döpke oder ein altgedienter Funktionär wie Schaal oder Salmik? Fast würde man erwarten, dass aus der Gesellschafterversammlung am Montag farbiger Rauch aufsteigt.

Hinter den Kulissen werkelt mit Claudius Zajac bereits ein externer Marketingmann („Projekt Z“) an neuen Strukturen. Viele Sponsoren seien bereit für einen Neuanfang, ist zu hören, nur wo und wie findet der statt? „Es wird eine Neuordnung im Club geben“, erklärt Jürgen Schaal. „Und Stand heute sind wir in der Oberliga. Es ist aber so gut wie sicher, dass es Verschiebungen innerhalb der Ligen geben wird. Nur welche, und wann sich das herausstellt, ob in zwei Wochen oder zwei Monaten, das wissen wir nicht. Aufgeben sollten wir die Möglichkeit des Erhalts der zweiten Liga jedoch nicht.“

Ein Eindruck drängt sich auf: Das Freiburger Eishockey durchwabert gerade ziellos ein Vakuum. Doch Niemand regt sich ernstlich darüber auf - man kennt es schließlich nicht anders. Im Sommer wird gegrillt und auf die letzte Saison geschimpft und auf die armen Fußballfans: Die können nur spekulieren, wer auf- und absteigt. Das Ratespektrum im deutschen Eishockey bietet da ein Vielfaches an Potenzial.

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[Bild: Patrick Seeger]