Albert-Ludwigs-Universität

Wie Freiburger Studierende bei Unicross crossmedialen Journalismus machen

Tamara Keller

Filme drehen, Artikel schreiben oder ins Radio-Mikrofon sprechen: Alle Facetten des modernen Journalismus können Freiburger Studierende bei Unicross ausprobieren. Wir haben die Redaktion von UniFM, UniTV und UniOnline in der UB besucht.

William Phelps schließt kurz die Augen. Er bedient den Knopf am Mischpult. Das rote Lämpchen am Mikrofon leuchtet. "Hallo ihr da draußen. Ihr sitzt doch sicherlich schon den ganzen Vormittag vor eurem Bildschirm," sagt der 25-Jährige. "Deshalb machen wir jetzt was für eure Konzentration: Eine kleine Yogaübung." Er tritt einen Schritt vom Mikrofon zurück, streckt die Hände in die Luft und erklärt seinen Hörerinnen und Hörern, was sie für die Übung tun müssen.


"Uns geht es darum, den Studierenden Medienkompetenz und Journalismus beizubringen." Wolfgang Krause
Jeden Mittwoch moderiert William von 11 bis 13 Uhr die "The International Show" bei UniFM. Hier bespricht er Nachrichten aus aller Welt in englischer Sprache. Sein Interesse an der Sprache hat nicht nur mit seinem Bachelorstudium in English and American Studies zu tun: William ist US-Amerikaner und vor fünf Jahren nach Freiburg gezogen, wo er an der Albert-Ludwigs-Universität studiert. "Für mich war es immer ein Traum, auf Englisch zu moderieren."

Diesen Traum hat er bei UniFM verwirklichen können: Seit Mai 2015 ist William hier aktiv; alleine moderiert er seit fünf Monaten. Auf eine Sendung bereitet sich William unterschiedlich vor. Manche Inhalte plant er sorgfältig im voraus, andere Sachen, wie die Yoga-Übung, integriert er spontan in die Sendung. "Ich mache das immer nach Drang und Kreativität. Gezwungen funktioniert das nicht", sagt er. Das Ungezwungene und die Chance sich auszuprobieren stehen im Mittelpunkt bei Unicross. "Wir haben hier nicht den journalistischen Druck den anderen Medienhäuser haben. Uns geht es darum, den Studierenden Medienkompetenz und Journalismus beizubringen", sagt Wolfgang Krause, Koordinator des Programms. Er sitzt mit zwölf Studierenden der drei Redaktionen in einem Besprechungsraum, zwei Türen vom Radiostudio entfernt und plant das nächste crossmediale Projekt.

Bei der Konferenz sitzen alle an einem Tisch

Das Thema: Big Data. "Ich würde gerne ein Radio-Interview mit einem Datenschutz-Experten machen. Ich kenne mich aber nicht aus", sagt eine Studierende aus der TV-Redaktion. Sofort bietet ihr ein Radio-Redakteur seine Hilfe an. "Stopp", mischt sich Krause ein. "Findet ihr wirklich, das ist die richtige Form und das passende Medium?"

Aber "crossmedial", was heißt das eigentlich? "Bei Multimedia werden verschiedene Medien verwendet, um über das gleiche Thema zu berichten. Das Besondere an Crossmedia ist, dass unterschiedliche Zugangswege gewählt werden," erklärt Wolfgang Krause. "Mit verschiedenen Medien werden Inhalte miteinander verschränkt, ohne dass es eine Doppelung gibt." Das crossmediale Arbeiten wird beim studentischen Radio, Onlineportal und Fernsehen schon seit April 2014 umgesetzt. Die Eröffnung der neuen Uni-Bibliothek brachte nur Vorteile: Zuvor waren die drei Redaktionen an unterschiedlichen Orten. "Seit wir hier zusammen in einem Raum sind, hat sich ein neuer Geist etabliert," sagt Krause.

Um kurz nach 13 Uhr, seine Sendung ist vorbei, tritt William hinter die Glaswand im Medienzentrum in die Redaktion. Rund um zwei Computerbildschirme haben sich mehrere Redaktionsmitglieder versammelt. Auf einem schauen sie Katzenvideos, auf einem anderen läuft der Jubel des isländischen EM-Fußballkommentators. Um halb vier ist die Lockerheit weg: Vereinzeltes Klackern der Tastaturen, sonst Stille: Alle acht Arbeitsplätze der Radio-Redaktion sind belegt. In einer halben Stunde geht "UniFM am Nachmittag" los, bis dahin müssen alle Sprechtexte fertig sein. Da die Sendung immer von Dienstag bis Freitag gesendet wird, ist die Radio-Redaktion täglich besetzt.

Beste Bedingungen im dritten Stock der UB

Samantha Happ von UniOnline gefallen die neuen Räume in der UB: "Ich mag die Atmosphäre. Ich bekomme zwangsläufig mit was in den anderen Redaktionen passiert." Die Studentin, die im Master Medienkulturwissenschaften studiert, hat gerade den neuen Newsletter fertig geschrieben. Samantha ist eine von vier Tutorinnen, die sich um die 20 Uni-Online-Redakteure kümmern und neue Inhalte auf der Webseite veröffentlichen. "Wir haben einen Schichtplan und einer von uns ist immer im Büro, falls Fragen auftauchen."

Nur die zwei Arbeitsplätze von UniTV sind leer. Da "Alma", die von UniTV produzierte Sendung, nur alle vier Wochen erscheint, können die Studierenden von Zuhause aus arbeiten. "Trotzdem versuchen wir natürlich, einen redaktionsnahen Alltag abzubilden", sagt UniTV-Redaktionsleiter Andreas Nagel.

Der größte Schatz von UniTV ist seit dem Umzug ein voll funktionsfähiges Videostudio mit Greenscreen, Videoregie und einer Sprecherkabine. Den Studierenden bieten sich dadurch unendliche Möglichkeiten – es liegt an ihnen aus den Gegebenheiten etwas zu machen und Experimentierfreude zu zeigen.
Was ist Unicross?

Studierende der Albert-Ludwigs-Universität können sich seit vielen Jahren im Studium journalistisch ausprobieren. Die TV-Sendung "Alma" startete schon 2005. Das Uniradio UniFM sendet seit 2006 und ist im Raum Freiburg auf UKW 88,4 oder überall via Webradio zu empfangen. Die Online-Plattform "Unicross" gibt es seit 2011. Die Inhalte aller drei Redaktionen werden seitdem koordiniert und gemeinsam veröffentlicht.

Warum Studierende bei Unicross mitmachen

Patrick Seibert, 23, UniTV- und Radio-Redaktion studiert Politik und Europäische Ethnologie
"Mit meinem Studienbeginn in Freiburg bin ich zum Uni-Radio und bis heute dort geblieben. Wenn man in dem Bereich beruflich etwas machen will, hat man so bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Durch die neuen Redaktionsräume in der Bibliothek ist vieles einfacher geworden. Alles ist zentral. Wenn ich dort zum Lernen bin, kann ich zwischendurch herkommen, um etwas zu erledigen. Wir sind als Redaktion präsenter als früher auf dem Flugplatz. Dort ist niemand hingefahren, um sich das Studio anzugucken, jetzt kann jeder im Vorbeilaufen reingucken."

Sabina Kist, 24, Online-Redaktion, hat ihren Bachelor im Hauptfach Ethnologie mit Nebenfach VWL abgeschlossen

"Ich wollte das journalistische Schreiben in der Online-Redaktion ausprobieren und habe im zweiten Semester bei Unicross angefangen. Damals waren die Redaktionen noch nicht so verbunden wie heute, das intensive gemeinsame Arbeiten hat erst vergangenes Jahr angefangen. Dadurch, dass jetzt alle örtlich zusammen sind, gibt es eine viel bessere Themenabsprache. Neu ist seit den vergangenen Monaten auch, dass die Initiative zum crossmedialen Arbeiten nicht nur von den Redaktionsleitern kommt, sondern auch von uns, den Redakteuren. Zwar schreibe ich trotzdem noch am liebsten, aber es ist schon so, dass ich angefangen habe über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Ich achte jetzt mehr darauf, wie Projekte noch besser mit den anderen Medien verbinden kann."

Julia Nestlen, 22, Radio-Redaktion, studiert im Master
Medienkulturforschung

"2012 saß ich als Ersti das erste Mal in einer Redaktionssitzung bei uniTV. Später habe ich auch angefangen, für die Online-Redaktion zu schreiben. In meinem Bachelor gab es das Modul "Crossmedia" – dort haben wir mit allen drei Kanälen zusammen gearbeitet: Wir haben einen Online-Text geschrieben, einen Fernseh- und einen Radiobeitrag gemacht. Danach bin ich beim Radio gelandet und geblieben. Die anderen Medien habe ich aber nicht ganz aufgegeben – wir sind ja jetzt eine Redaktion. Ich finde die Truppe klasse und uns bieten sich viele Möglichkeiten: Das TV-Studio für Studiosessions oder andere Filme die wir umsetzen, die Radio-Studios und das ganze Equipment. Ich lerne unglaublich viel – von der journalistischen Praxis über die ganze Technik bis hin zur Koordination der crossmedialen Arbeit. Es macht mir Spaß, das, was ich hier lernen kann, als Tutorin an neue Redaktionsmitglieder weiterzugeben.