Wie Freiburger Modeläden Trends aufspüren

Amelie Herberg

Zwischen Magazinen, Streetstyle-Blogs und Modemessen: Die Besitzer und Mitarbeiter von fünf Freiburger Mode-Läden erzählen, wie sie sich im Mode-Dschungel zurecht finden und wie sie neue Trends aufspüren.

  Plötzlich war sie da. Zuerst sah man sie nur vereinzelt, dann immer öfter und auf einmal trug jedes zweite Mädchen im vergangenen  Sommer in Deutschland eine Haremshose. Um die Hüfte aufgeplustert, an der Fessel eng zusammenlaufend bahnte sie sich ihren Weg vom Trendteil zum Mainstream.

Dabei fing alles ganz harmlos an. Katie Holmes und Jessica Alba tauchten in der Klatschpresse damit auf, Magazine druckten sie in ihren Modestrecken ab. Quasi über Nacht hingen auf einmal alle Läden voll mit den aufgeplusterten Hosen in Khaki-, Caramel- und Brauntönen. Zufall oder Kalkül? Die Inhaber von fünf Freiburger Modeläden haben uns verraten, wie sie gerade zu den Teilen kommen, die sie anbieten. Und warum es manchmal ein bisschen länger braucht, bis die Haremshose ihren Weg nach Südbaden findet.




Layback

Auf der Suche nach neuen Labels blättert Fee Bücheler, Inhaberin des Skate- und Longboardladens Layback, keine Hochglanzmagazine durch. Tipps über neue Marken erhält sie oft von ähnlichen kleinen Läden aus anderen Städten. „Wir laufen bei Layback keinen großen Trends, keiner Modebewegung hinterher. Wir wachsen stattdessen mit unserem Sport, orientieren uns, was es dabei Neues gibt," sagt sie.  Ab und zu besuche sie mal eine Modemesse, das sei aber eher selten.

Zweimal im Jahr ordert Fee für ihre Kunden neue Ware und muss daher immer schon ein halbes Jahr vorher wissen, was sechs Monate später im Laden hängen soll. Dabei verlässt sie sich vor allem auf den eigenen Geschmack. Dass da mal ein Fehlkauf dabei ist, hat sie einkalkuliert: „Es ist durchaus schon  passiert, dass ich dachte: Das Teil ist der Hammer.  Und dann hat es nachher niemand gekauft.“

Mittlerweile kann sie ihre Kunden aber ganz gut einschätzen. Wer zu Layback kommt, wolle keine langweiligen, schlichten Teile. „Wir arbeiten viel mit Farben, unsere Kunden sind es gewöhnt, dass bei uns viele bunte Sachen hängen.“ Dementsprechend ist  ihre Wahl für diesen Winter ausgefallen: Viele  Hoodies, T-Shirts und Jacken in Blau, Grün und Lila.

Layback
Grünwälderstraße 22
layback-freiburg.de
0761/2855659



Yum Yum

Matthias Oberle, Geschäftsführer von Yum Yum, ordert sogar viermal jährlich neue Ware für seinen Laden. Welche Teile auf den Kleiderbügeln im Yum Yum landen, wählt er in den Showrooms der Designer und Labels aus. Gerade kommt er von einer Kollektionsbesichtigung bei Adidas Originals.

Die Freiburger Klamottenkäufer brauchen aber manchmal etwas länger, um sich an das  zu gewöhnen, was für Designer und Einkäufer wie Oberle der neueste Trend ist. „Oft passiert es, dass wir Teile zu früh einkaufen, die sich erst langsam entwickeln und dann zwei, drei Jahre nach dem ersten Aufkommen auf einmal zum Megatrend werden. Wie bei den Röhrenjeans, anfangs haben alle den Kopf geschüttelt, jetzt trägt sie jeder.“

Wenn der Trend zum Massenprodukt werde, nehme er manche Teile auch schon mal aus dem Sortiment.  Fleecejacken von Bench gibt es aus diesem Grund im Yum Yum nicht mehr. Stattdessen seien im Moment klassische Schnitte gefragt, skandinavische Labels wie Cheap Monday oder Fuit im Aufwind. In Berlin oder Köln gehören die schon längst zum Standard.

Noch ziehe Freiburg modemäßig ein bisschen hinterher, sagt Oberle. „Aber das ändert sich langsam, immer mehr Frauen kaufen unabhängiger ein – mal hier was, mal da was – und entwickeln so ihren ganz eigenen Stil.“

Yum Yum
Universitätsstraße 15
yumyum-freiburg.de
0761/3809272

Deutsche Designer

Für Shengli Becher sind Pullover, Hosen und Mäntel nicht einfach nur Kleidungsstücke, sie sind angewandte Kunst mit einem eigenen Charakter. Kein Wunder, ist Becher doch studierte Modedesignerin und mit ihrem eigenen Laden „Deutsche Designer“ von der Nähmaschine hinter den Verkaufstresen gewechselt.

Massenware von der Stange sucht man bei ihr vergebens, stattdessen hängen vor allem die Arbeiten Berliner Designer  auf den Bügeln in ihrem Laden. „Wenn ich eine bestimmte Marke anbiete, muss ich hinter der Philosophie der Firma stehen, die Geschichte des Produkts muss mich überzeugen“, sagt Becher. Zu Modemessen gehe sie nur, um sich zu informieren, was demnächst zum Trend werden könnte, geordert wird dann bei den Designern direkt. „Natürlich gebe ich dann  später Feedback, was bei den Kunden besonders gut oder eben auch mal nicht ankommt. Das wollen die Designer ja durchaus wissen.“ Individualität und Tragbarkeit sind für Shengli Becher wichtige Kriterien; Bunte, flippige Teile wählt sie so gut wie nie aus. „Wir bieten überwiegend Mode in dunklen, gedeckten Farben.“ Das typische Kleidungsstück in Bechers Laden sieht daher auch so aus:  schwarz, aber mit aufwendig gearbeiteten Details als Eyecatcher.

Deutsche Designer
Konviktstraße 47
deutschedesigner.com
0761/2085355

Good True Beautiful

Hinter dem neuen Laden von Good True Beautiful (GTB) in der Innenstadt steckt ein deutschlandweiter Vertrieb von Fair-Trade-Mode. Dort arbeitet Kathrin Raible. Während normale Modeläden ein halbes Jahr im Voraus planen, ist sie damit noch früher dran. „Wir müssen uns um Trends kümmern, noch bevor die Läden entscheiden, was sie in der kommenden Saison verkaufen möchten.“

Gemeinsam mit den Designern werden Entwürfe begutachtet, Musterkollektionen beurteilt und gemeinsam an der neuen Kollektion gefeilt. Bereits jetzt steckt sie in den Planungen für den kommenden Winter und begutachtet Entwürfe für neue Stiefel aus Schaffell.

Ob  im kommenden Winter tatsächlich halb Deutschland Fellstiefel tragen wird, weiß sie nicht. „Das war zum Beispiel bei der High-Waist-Hose, der sogenannte Marlene-Hose, so. Alle haben gesagt, dass die kommt,  trotzdem tragen immer noch alle Röhrenjeans.“ Anregungen holt sich Kathrin Raible auf Messen wie Bread & Butter,  in Modemagazinen, auf Blogs und auf der Straße.

Ein Trend, der in den vergangenen Monaten bei den Freiburgern  besonders gut ankam, sind die Barfussschuhe bei GTB. Auf der drei Millimeter dünnen Sohle geht man quasi barfuß, durch die verbesserte Blutzirkulation werden die Füße trotzdem nicht kalt. Was kommenden Frühling bei GTB in den Schuhregalen steht, hat Kathrin Raible ebenfalls verraten. „Viele Schuhe mit Nappaleder und viele Ballerinas. Runde Formen bleiben bei Schuhen weiter im Trend.“

Good True Beautiful

Oberlinden 10
goodtruebeautiful.com
0761/4097871

Max Lui

Günther Ducke von Max Lui lässt seine Kunden selbst zum Designer werden. Aus einem großen Sortiment an Stoffen und Schnitten kann jeder auswählen, wie das maßgeschneiderte Kleidungsstück am Ende aussehen soll.

Damit dabei nichts schiefgeht, haben alle Mitarbeiter eine besondere Ausbildung absolviert. „Das ist eine Ausbildung, die noch über die klassische Farb-Stil-Beratung hinausgeht. Es geht darum, den Charakter der Kunden kennenzulernen und abzustimmen, welche Kleidung damit harmoniert.“ Denn die Auswahl fällt manchmal gar nicht so einfach: Welche Farbe soll der Rock haben? Glocken- oder A-förmig? Der Trend geht für Günther Duckeaber ganz klar  zurück zur Klassik, geflochtenen Zöpfen und der Mode der 30er Jahre. Bei den Schnittmustern setzt Günther Ducke auf regional statt international. „Mode muss nicht unbedingt aus Düsseldorf oder Berlin kommen. Auch in Freiburg gibt es gute Designer.“ Während sich Berliner Modemacher in hippen Cafés am Prenzlauer Berg treffen, tausche er sich eben mit Freiburger Modemachern bei einem Kaffee im „Sedan“ aus. Nur etwas experimentierfreudiger könnten die Freiburger manchmal sein, findet Ducke: „Es wird zu oft zu viel kopiert und zu wenig mit eigenem Mut gearbeitet.“

Max Lui
Belfortstraße 27
max-lui.com
0761/2170007

Mehr dazu:

 

Foto-Galerie: Janos Ruf & Ruben Fees

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