Selbstversuch

Wie es ist, beim Aerial Hoop eine Stunde in der Luft zu schweben

Simona Eftimova

Aerial Hoop ist eine andere Art von Poledance, bei der man sich nicht an der Stange, sondern in einem Ring bewegt. Fudder-Autorin Simona Eftimova hat den Hoop-Kurs im Polearts-Center Freiburg in einem Selbstversuch ausprobiert.

"Machst du viel Sport?" Das ist die erste Frage, die mir Simone, die Inhaberin des Pole-Arts-Studios in Freiburg, stellt, bevor sie mich für den Anfängerkurs Aerial-Hoop einträgt. Obwohl es sehr einfach aussieht, wird mir bald klar, warum ich keine Chance hätte, in der fortgeschrittenen Gruppe mitzumachen: Es ist schwierig, 75 Minuten lang das eigene Körpergewicht hochzuheben.


Das Poledance-Center im Erdgeschoss in der Rathausgasse ist eine Attraktion für Fußgänger. Durch die großen Fenster beobachten viele Leute, wie an den Ringen geturnt wird. Ein Stockwerk höher befindet sich der Raum mit Stangen für die Pole-Trainings und eine Chillout-Terrasse, auf der man sich nicht nur entspannen, sondern auch die Außen-Stange benutzen kann. Heute bleiben wir aber unten, wo vier Metallreifen auf acht junge Frauen warten. Die meisten Teilnehmerinnen machen schon Pole-Dance, deshalb ist Aerial-Hoop für sie keine große Sache. Bei mir sieht es anders aus.

"Ich fühle mich schwach und klein neben dem großen Ring."

Auf der zweiten Etage ziehe ich mich hinter einem großen schweren Vorhang um und bin bereit für die nächste Stunde. Aufgeregt bin ich auch, weil ich mich ziemlich schwach und klein neben dem großen Ring fühle, der mir auf Augenhöhe hängt. Unsere Lehrerin Zoe stellt sich kurz vor und gibt mit einem Lächeln Anweisungen, wie wir vorgehen werden: "Habt keine Angst, der Ring hängt sehr fest und kann viele Kilos halten."

Seit sechs Jahren ist Zoe das kreative Gesicht des PoleArts-Studios - außer Pole und Aerial-Hoop beschäftigt sie sich mit verschiedenen Yoga- und Power-Workouts. In ihrer Heimat, den USA, hat Zoe angefangen Poledance zu erlernen, heute ist sie ein Teil des PoleArts-Teams. Genauso wie die anderen Trainerinnen hat auch Zoe viel Geduld und flößt Sicherheit und Vertrauen ein, was ein wichtiger Aspekt bei dieser Arbeit ist.

Verlangt: Kraft und Körperbeherrschung

"Wir fangen immer mit einem langen Warm-Up an." Vor dem Workout muss man zuerst alle Muskeln aufwärmen, um den Körper optimal gut darauf vorzubereiten. Aerial-Hoop, auch als Lyra bekannt, ist eine Art von Poledance, die viel Kraft und Körperbeherrschung verlangt. Der Unterschied zum klassischen Tanz an der Stange macht der große Metallring, der von der Decke festhängt. An einem Training nehmen maximal acht Leute teil, man übt immer zu zweit an einem Hoop mit Durchmesser von etwa einem Meter. Man hält sich am Ring fest und macht die akrobatischen Übungen nach, die vorgezeigt werden.

Nach einer knapp halben Stunde Kraft- und Dehnungsübungen zum Aufwärmen, bei denen man sich nicht nur stark, sondern auch flexibel und sexy fühlt, kommt man zum eigentlichen Teil. Mit Grazie zeigt Zoe den allerersten Schritt, der immer ein Ausgangspunkt anderer Übungen ist: Man hält mit beiden Händen den Ring fest, lässt sich hängen und hebt dann die beiden Beine so hoch, dass sie ganz nach vorne kommen und zu den Seiten geöffnet werden.

"Hier sind keine Männer, ihr könnt ruhig viel ausprobieren!" Zoe, Aerial-Hoop-Trainerin

Von dieser Position aus klettert man hoch und setzt sich auf den Reifen. Das soll eine einfache Bewegung sein, die ich ein paar Mal versuche, aber jedes Mal erfolglos. Mir gelingt es einfach nicht, meinen Armen so gut zu vertrauen, dass ich mit dem Kopf nach unten frei hängen kann. "Wenn es so nicht klappt, gibt es auch einen anderen Weg", ermutigt mich Zoe. Der andere Weg ist, einfach mit einem Bein reinzuklettern – so funktioniert es viel besser.

"Fühlt euch sexy!", sagt unsere Trainerin und klettert immer weiter hoch und schwebt und balanciert in der Luft. "Hier sind keine Männer, ihr könnt ruhig viel ausprobieren!". Aerial-Hoop ist ein typischer Frauensport, der das Selbstbewusstsein maximal stärken soll. Nach dem schweren Anfang hat man sich mit dem Reifen vertraut gemacht und jede weitere Bewegung fällt viel leichter.

"Auf eine komplett neue Art und Weise erlebt man den eigenen Körper."

Sexy fühlt man sich dabei auch – wie eine freie Fee, die graziös durch die Luft schwebt oder wie eine Meerjungfrau, die ruhig und träumerisch auf ihrem Fels mitten im Meer sitzt. Auf eine komplett neue Art und Weise erlebt man den eigenen Körper und spürt bei jeder Übung, wie jeder einzelne Muskel belastet wird. Ein perfektes Workout sowohl für den ganzen Körper als auch für die koordinativen Fähigkeiten und die Balance. Nach nur 75 Minuten versteht man, wie viele Arbeit und Kraft hinter diesem Sport stecken.

Man merkt es vor allem am nächsten Morgen, wenn die Handflächen rot und schmerzhaft sind und der ganze Körper so wehtut, dass man sich wie ein Roboter bewegt. Trotzdem ist man zufrieden mit sich selbst und mit dem eigenen Mut dank deren mit dem man für eine Stunde in die Welt der Akrobatik eingetaucht ist.
Das Polearts-Center bietet sowohl klassische Pole- und Hoop-Trainings, als auch Aerial Dance und Kurse für Schwangeren und Mamas. Am 5. Mai 2018 ist Tag der offenen Tür inklusive Sommerfest ein.

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