Wie eine Stadt einen schlechten Ruf bekommt

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, wer Jan Hus war? Der ehemalige Rektor der Karlsuniversität Prag war nicht nur ein kluger Gelehrter, er dachte auch zu viel über die Kirche nach - jedenfalls für den Geschmack der damaligen Kirchenherren. Als die ihn in Konstanz zur Rede stellten, weigerte er sich zu widerrufen. Dies hatte nicht nur für ihn schwerwiegende (weil tödliche) Konsequenzen, sondern auch für Konstanz: Der Ruf ist bis heute ruiniert, jedenfalls im tschechischen Sprachraum.

In den Jahren 1414–1418 trafen sich die europäischen Bischöfe, Kardinäle und Päpste in Konstanz, um auf einem Konzil diverse aktuelle Themen zu besprechen und sich auf einen neuen Papst zu einigen. Auch der Tscheche Jan Hus war eingeladen, da er in extrem ketzerischen Schriften gefordert hatte, dass nicht ein sich für unfehlbar haltender Papst die Kirche führen solle, sondern der ganze Verein sich doch mehr nach Jesus Christus richten möge.


Dieses sollte der gestandene Prediger, Piester und Theologieprofessor vor den versammelten Popen in Konstanz widerrufen, wozu ihm der römisch-deutsche König (und spätere Kaiser) Sigismund freies Geleit von Prag nach Konstanz und zurück zugesichert hatte. Doch kaum in Konstanz angekommen warf man Hus in den Kerker – an ein Versprechen einem Ketzer gegenüber muss sich schließlich keiner halten.

Die Versuche, ihn mittels Zwangshaft oder wahlweise Luxusgefängnis zu einem öffentlichen Widerruf zu bewegen, schlugen jedoch fehl. Wer sich aber gegenüber der katholischen Kirche so stur verhält, muss mit dem Ende auf einem Scheiterhaufen rechnen. Und genau dort landete er auch am 6. Juli 1415 mitsamt seinen Schriften, die Gesamtasche wurde hinterher in den Rhein gestreut.

Dieser erste Reformator war aber bei seinem ketzerischen Landsmännern und -frauen in Böhmen doch recht angesehen (und ist dies als Nationalheld heute noch), weshalb Konstanz dort immernoch eher einen schlechten Ruf hat: Das tschechische Wort "Kostnice" bedeutet nicht nur Konstanz, sondern ebenso Scheiterhaufen. Wahrlich kein einladend-touristischer Name.