Wie du im Hanflabyrinth in Opfingen deine innere Mitte finden kannst

Valentin Heneka

Zwischen meterhohen Cannabis-Pflanzen umherirren und Flora und Fauna am Tuniberg mit allen Sinnen erleben: Das geht im Hanflabyrinth des Opfinger Landwirts Erwin Wagner. fudder-Autor Valentin Heneka hat sich hinein gewagt.

Es raschelt und summt im dichten Hanf. Bienen, Libellen und Zitronenfalter schwirren über die Pflanzen. Am Himmel ziehen Vögel ihre Bahnen. Der Irrgarten zwischen Tuniberg und Opfinger See ist für die Tierwelt keine Herausforderung. Auch Maulwürfe, deren Hügel an verschiedenen Stellen aus den Wegen ragen, graben sich einfach darunter hindurch. Alleine scheint man jedenfalls nie zu sein im Hanflabyrinth.


Bereits zum zweiten Mal lande ich in einer Sackgasse. Eine dichte Wand aus Cannabispflanzen versperrt mir den Weg. Entspannt laufe ich zurück. Dass im Irrgarten der Weg das Ziel ist, habe ich bereits gelernt. Die Hektik des Alltags und der Stadttrubel sind darin schon nach wenigen Metern nur noch so gedämpft zu vernehmen, wie die Kinderstimmen am Eingang des Irrgartens.

Nutzhanf enthält nur Bruchteile des Wirkstoffs THC

Froh darüber, den Tipp der Webseite des Labyrinths befolgt zu haben, und barfuß im Hanf unterwegs zu sein, irre ich weiter. Die Wege des Irrgartens sind mit Stroh ausgelegt, ein Material, das sich überraschend vielfältig unter den Füßen anfühlen kann: warm und weich, hart und kalt – in einer Sackgasse auch mal verdächtig nass. Insgesamt erweitert der Verzicht auf Schuhe das Bewusstsein aber mehr als der Nutzhanf, der nur Bruchteile des psychoaktiven Wirkstoffs THC enthalten darf. Solange er wie jetzt noch nicht massenhaft blüht, verströmt er nicht einmal den berüchtigten Cannabis-Geruch.

Zwischen dem Grün blühen derzeit überwiegend Sonnenblumen, vielleicht Überbleibsel aus dem letzten Jahr. Aber auch Mohn, Margeriten sowie am Hanf empor kletternde Zaunwinden finden ihre Nischen. Eine besondere Überraschung bietet ein im Feld versteckter Garten, bei dessen Betreten ich unwillkürlich an eine Oase denken muss. Es ist eine der acht Stationen des Vereins Eine Welt Forum Freiburg, der im Irrgarten über Nachhaltigkeit-Themen informiert, in diesem Fall über das Konzept der Permakultur. Wer alle Fragen an den Station richtig beantwortet, erhält ein Lösungswort.

Während die Hanfpflanzen auf den ersten Metern des drei Fußballfelder großen Irrgartens schon jetzt bis zu drei Meter hoch in den Sommerhimmel wachsen, sind sie im hinteren Bereich zum Teil erst halb so groß. Der deutlich sichtbare Schwarzwald am östlichen Horizont verhindert bisher einen kompletten Orientierungsverlust. Angst, nicht mehr herauszufinden, muss niemand haben. Schwieriger ist es da schon, den richtigen Ausgang zu finden und das Wege-Gewirr nicht durch den Eingang oder einen der Notausgänge zu verlassen.

Betreiber Erwin Wagner legt seit über 20 Jahren Irrgärten an

Das schaffe ich zwar nicht, aber da der Weg mein Ziel war, gönne ich mir an der Welschkornhütte trotzdem ein Mango-Eis, bevor ich mich im Liegestuhl von der Baumdusche mit unzähligen kleinen Wassertropfen berieseln lasse. Wer noch überschüssige Energie hat, findet am Irrgarten mit einem Trettraktor-Parkour, einem Beachvolleyball-Feld und einer Kneippmöglichkeit Freizeitmöglichkeiten für jedes Alter. Dazwischen nimmt sich auch Betreiber Erwin Wagner eine kurze Pause. Seit über 20 Jahren legt er in Opfingen Irrgärten aus wechselnden Pflanzen an, das Zwischenspiel des Hanfs ist allerdings eine Premiere.

"Alle reden vom Klimawandel. Wir machen etwas dagegen." Erwin Wagner
"Alle reden vom Klimawandel. Wir machen etwas dagegen", sagt er und führt aus, dass der Hanf etwa viermal mehr klimaschädliches Kohlenstoffdioxid binde, als die selbe Fläche Wald. Gleichwohl bedauert der Landwirt, dass die Nachfrage nach Hanf als Rohstoff immer noch gering sei, obwohl sich Samen, Fasern und Blätter der Pflanze zu einer ganzen Bandbreite von Produkten verarbeiten lassen. Auch für seinen Hanf sucht er noch Abnehmer, welche die Pflanzen nach der Saison weiterverarbeiten – etwa zu Textilien, Öl oder Dämmstoff.

Wenn schon der Nutzhanf nicht berauscht: Im Opfinger Hanflabyrinth kommt man trotzdem so richtig schön runter. Vor allem, wenn man sich auf die zahlreichen Sinneseindrücke einlässt, die der Hanf-Dschungel bietet. Sie machen den Irrgarten derzeit wohl zu einem der schönsten Orte für einen Spaziergang in Freiburg.
Was: Hanflabyrinth Opfingen
Wann: täglich bis Sonntag, 22. September 2019, 11 Uhr bis Sonnenuntergang
Wo: Waldmösle 2, Freiburg-Opfingen
Web: Hanflabyrinth Opfingen