Zentrum für Populäre Kultur und Musik

Wie die Uni Freiburg an die Sammlung eines Pink-Floyd-Fans aus NRW kam

Anika Maldacker

27 Ordner mit Artikeln, 500 Videokassetten, 300 Bücher: Das und mehr umfasst die Pink-Floyd-Sammlung, die an das Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Uni Freiburg ging. fudder hat sie angeschaut und versucht, mehr über den Sammler herauszufinden.

In einem Kellerraum im Kollegiengebäude 1 lagert ein Teil eines Menschenlebens. 27 Aktenordner voller ausgeschnittener Zeitungsartikel, Poster, Fanzeitschriften und Fotos. Es geht nur um ein Thema: Die britische Rockband Pink Floyd. "14.2.81" ist einer der Artikel in einem der Ordner handschriftlich markiert. So geht es chronologisch weiter. Scheinbar unscheinbar, was auf den vergilbten Zeitungsseiten in englisch, deutsch, französisch oder holländisch steht. Aber so feinsäuberlich geordnet und sortiert, dass einem schnell klar wird: Der Mensch, der das zusammengestellt hat, war leidenschaftlicher Fan und Sammler. Diese Fankollektion ist sein Lebenswerk. Nun gehört sie dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik, kurz ZPKM, das zur Uni Freiburg gehört.


Sie lagert in einem Kellerraum des KG I und in der Bibliothek des Zentrums für Populäre Kultur und Musik an der Rosastraße 17. Auf der Website des ZPKM firmiert sie nun unter dem Namen "Pink Floyd-Sammlung Rolf Ossenberg". Rolf Ossenberg aus Nordrhein-Westfalen war ihr Erschaffer. 2012 starb er an Krebs. Er wurde 53 Jahre alt, war vermutlich kinderlos. Ausgebildeter Diplom-Ingenieur der Hüttenkunde. Wir wissen nicht viel über diesen Menschen, dessen Pink Floyd-Sammlung in mehr als 40 Umzugskartons Ende 2018 ans ZPKM kam.

Ende 2018 kam die Pink-Floyd-Sammlung nach Freiburg

Nur soviel: "Er hat äußerst akribisch gesammelt", sagt Privatdozent Christofer Jost vom Zentrum für Populäre Kultur und Musik. Beispielsweise so fanatisch, dass er vom Pink Floyd-Debütalbum "The Piper At The Gates Of Dawn" von 1967 beim Fotografen Vic Singh einen Originalabzug bestellte – die Rechnung ist Teil der Sammlung. "Der Bruder des verstorbenen Sammlers, Peter Ossenberg, nahm 2017 Kontakt mit dem ZPKM auf, nachdem er in einer Lokalzeitung im Sauerland einen Bericht über eine Schenkung an unser Institut las", sagt Jost. Bis die Sammlung Freiburg erreichte, war es Ende 2018. "Die Erbengemeinschaft und das ZPKM mussten sich darüber einigen, welche Sammlungsbereiche überhaupt Teil der Schenkung sein sollen und wie der rechtliche Status der Schenkung ist", erklärt Jost, "so etwas kann sich ganz schön in die Länge ziehen".

Die 40 Umzugskartons voller Pink Floyd-Fanmaterial waren genug, um das ZPKM vor eine logistische Herausforderung zu stellen. Denn so viel Platz hat die Einrichtung nicht. Eine Hälfte der Sammlung lagert im Keller des KG I, der Rest in der Bibliothek des ZPKM. An letzterem Ort stehen die etwa 300 Bücher zur britischen Rockband – in verschiedensten Sprachen: englisch, deutsch, französisch, sogar auf japanisch. Und dort stehen auch die mehr als 500 Videokassetten, auf den Mitschnitte von Konzerten oder Fernsehauftritten der Band zu sehen sind. Sogar zu den Videokassetten gibt es mehrere Ordner, in denen Rolf Ossenberg säuberlich aufgelistet hat, was auf welcher Kassette zu sehen ist, teils sogar mit Timecode.

Ossenberg war in der Fanszene kein Unbekannter

Ganz unbekannt war Rolf Ossenberg nicht. "In der Pink Floyd-Fanszene ist der Name schon ein Begriff", sagt Christofer Jost. In einem Pink Floyd-Forum wird er als "ehemaliger Superfan" bezeichnet. Dort wurde auch ein WDR-Beitrag von 2006 zu den Pink Floyd-Konzerten 1981 in der Westfalenhalle in Dortmund gepostet, wo auch Rolf Ossenberg spricht. Natürlich war der Fan damals bei allen acht Konzerten, die Pink Floyd gab, dabei. Im Beitrag erzählt er, wie er nach dem letzten Konzert die Schlagzeugstöcke von Drummer Nick Mason ergatterte.

Was die Sammlung jedoch nicht bietet: Schallplatten oder CDs. "Den Grund dafür, wissen wir nicht", sagt Christofer Jost. Vielleicht wollte Rolf Ossenbergs Erbengemeinschaft die Sammlung behalten oder verkaufen.

Im ZPKM stehen alle Nr.-1-Alben Deutschlands von 1962 bis 2013

Für das ZPKM sind solche Sammlungen wie die von Rolf Ossenberg essentiell. Die Pink-Floyd-Sammlung ist die zweite große Fankollektion einer britischen Rockband, die an die Rosastraße ging. 2017 erhielt es die Reinhold Karpp Rolling Stones Collection mit rund 15.000 Tonträgern sowie Büchern, Zeitungsausschnitten, Fankorrespondenz und Merchandise-Produkten als Dauerleihgabe. Oder die Sammlung Jörn Stubbmann, die aus mehreren Regalen voller bunten Vinyl-Singles-Einbänden besteht. Dort sind rund 20.000 Vinyl-Singles von circa 1950 bis 1990 gesammelt.

"In der Fan-Sammlung können Forscher nun nach Anmeldung forschen", erklärt Christofer Jost. Nicht nur Akademiker sind willkommen, sondern auch Hobbyautorinnen oder -Autoren, die beispielsweise an Bandbiographien arbeiten. Das ZPKM, das erst im April 2014 gegründet wurde, wächst und wächst. Durch die geschenkten oder geliehenen Fansammlungen erhofft die Forschungseinrichtung mehr Bekanntheit und mehr Sammlungen populärer Musik. Im Archiv gibt es neben den erwähnten Sammlungen auch ein Archiv aller Nr.-1-Alben in Deutschland von 1962 bis 2013 – 678 Alben sind das, die gut zeigen, wie bunt und breit der Musikgeschmack der Deutschen sich über die Jahrzehnte hinweg entwickelt hat. Auch ein Redaktionsarchiv der Zeitschrift Musikmarkt steht in der Rosastraße 17 sowie das Deutsche Volksliedarchiv und das Deutsche Musicalarchiv. Außerdem bewahrt die Einrichtung verschiedene Wiedergabegeräte auf – von alten Musikboxen bis Plattenspieler.
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