Wie der vermutlich einzige Leicester-Fan Freiburgs die Meisterschaft feiert

Christoph Ries

Ganz Freiburg feiert den SC – einer ist mit den Gedanken aber woanders. Andy Roberts freut sich in Freiburg über DIE Sensation des Sportjahres - den Premier-League-Triumph seiner Helden aus Leicester in England:



Andy Roberts, ihr Verein Leicester City hat am Wochenende die vielleicht größte Sensation der englischen Fußballgeschichte geschafft und ist Meister geworden. Können Sie schon glauben, was da passiert ist?

Roberts: Leicester City ist in meinem Blut. Ich war Fan, bevor ich wusste, was Fußball überhaupt ist.
Andy Roberts: Nein. Das kann man einfach nicht glauben. Ich habe Leicester schon in der dritten Liga spielen sehen. Und jetzt haben wir die Meisterschaft gewonnen. Es ist einfach unglaublich. Ein Team aus bei anderen Vereinen aussortierten Spielern entwickelt einen derartigen Teamspirit und gewinnt den Titel. Niemals im Leben hätte ich das gedacht.

Wir glauben, Sie sind der einzige Leicester-Fan in Freiburg.

Das kann sein. Ich habe jedenfalls noch keinen anderen getroffen.

Sie haben das Meisterschaftsfinale in den Pubs in Freiburg verfolgt und an jedem Spieltag ein T-Shirt getragen, auf dem steht: "Ich lebe in Deutschland, aber an Spieltagen gehören mein Herz und meine Seele Leicester City".

(lacht) Ja, das hab ich im Internet gefunden.

Wie fühlt es sich an, im Moment des größten Triumphs der Stadtgeschichte im 800 Kilometer entfernten Freiburg zu sein? Sie verpassen doch gerade die Party ihres Lebens.

Ach, ich habe mir die Bilder im Internet angesehen. Stimmt, es ist hart. Leicester City ist in meinem Blut. Ich war Fan, bevor ich wusste, was Fußball überhaupt ist. Ein Bekannter meiner Familie hat früher für den Verein gespielt, ich hatte immer eine Dauerkarte. Aber glücklicherweise haben sich die Freiburger mit mir gefreut. Überall wo ich hinkomme, wird mir gratuliert. Zur Meisterschaft hab ich ein großes Bier spendiert bekommen. Die Freiburger spüren halt, was für ein großer Leicester-Fan ich bin. Aber ich habe mich natürlich auch mit den SC-Fans über den Aufstieg gefreut.

Was hat Sie denn nach Freiburg verschlagen?

Die Arbeit. Ich habe als Computer-Freelancer für ein Software-Unternehmen in England gearbeitet und irgendwann eine neue Herausforderung gesucht. Dann habe ich mich hier beworben. Seitdem arbeite als Computer-Freelancer bei einem Unternehmen auf der Haid.

Und wie gefällt es Ihnen hier?

Sehr gut. Freiburg und Leicester sind sich sehr ähnlich. Leicester ist die multikulturellste, bunteste Stadt Englands und wie Freiburg sehr jung und lebendig. Alle Hautfarben kommen da zusammen, Schwarze, Weiße, Asiaten. Deshalb fühle ich mich hier auch so wohl. Wissen Sie, ich bin überzeugter Europäer, der Brexit und der Austritt Großbritannien wären das Schlimmste, was mir passieren könnten. Dann müsste ich nämlich zurück.

Na, dann könnten Sie wenigstens ihre Dauerkarte für Leicester zurück haben.

Ich glaube, es wird schwer wieder eine zu kriegen. Die Warteliste ist jetzt schon riesig.

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[Foto: Christoph Ries]