Wie der Veranstalter Deniz Binay versucht, das Freiburger Nachtleben zu retten

Valentin Heneka

Vor einem Monat postet der Freiburger Veranstalter Deniz Binay in den sozialen Medien einen Entwurf für einen Freiburger Booking Fonds zur Förderung des Nachtlebens. Dann geht es schnell: Er soll den Entwurf ausarbeiten – bereits im Frühjahr soll der Gemeinderat darüber abstimmen.

Mit seinen Veranstaltungen prägt Deniz Binay das Freiburger Nachtleben seit rund zehn Jahren. Mit dem Veranstaltungskollektiv Sinnestäuschung organisierte er kleine und große Partys mit namhaften DJs, war im Alten Stinnes Areal sowie dem Nachfolge-Club Hans Bunte involviert. Aktuell ist er Mitglied des Vereins Irrlicht Konzepte.


"Bei einer Diskussion über das Freiburger Nachtleben in den sozialen Medien ist mir aufgefallen, dass niemand eine Idee hat, die allen hilft", sagt Binay und meint damit Konzertgruppen und Partykollektive, Clubs und Musikkneipen sowie das Publikum gleichermaßen. "Von den bisherigen städtischen Fördermaßnahmen profitieren nur einzelne Einrichtungen oder Projekte, nicht die Gesamtheit." Dem 29-Jährigen kam die Idee für den Booking-Fonds, die er zwischen Tür und Angel niederschrieb und als Konzeptentwurf auf Facebook veröffentlichte.

Der Freiburger Booking Fonds

Die Idee hinter dem Fonds ist schnell erklärt: Aus öffentlichen Mitteln sowie Zuwendungen der freien Wirtschaft und Privatpersonen wird ein Topf errichtet. Veranstaltende stellen einen Antrag auf Förderung der von ihnen gebuchten Bands oder DJs, über den eine Jury entscheidet. Urteilt sie positiv, werden die Reise- und Unterbringungskosten oder die Gagen bezuschusst.

Dabei soll egal sein, ob es um Acts für Indie-Konzerte, Techno-Partys oder sonstige musikalische Performances geht. Gefördert werden soll die Buchung innovativer Bands, DJs und Live-Acts, in Binays Entwurf mit bis zu 1000 Euro. Die Vergabe soll niedrigschwellig, schnell und unbürokratisch erfolgen.

Die Ausgangslage

Wer auswärtige Bands und DJs bucht, geht ein finanzielles Risiko ein. Kommen zu wenig zahlende Gäste, bleiben die Veranstaltenden auf den Kosten von An- und Abreise, Unterbringung und Gage für ihre Künstlerinnen und Künstler sitzen.

In einer Situation, in der das Nachtleben ohnehin unter Druck steht, führt das laut Binay zu einem Teufelskreis: Werden keine innovativen Acts gebucht, bleibt das Publikum aus, wodurch wiederum das Geld zum Buchen innovativer Acts fehlt. Dadurch veröde das Nachtleben auf Dauer.

Die Reaktionen

Szene-Kreise begrüßen das Vorhaben überwiegend einstimmig, auch aus der Lokalpolitik kommen bisher überwiegend positive Rückmeldungen. Gemeinderat Simon Waldenspuhl (JPG) kündigte an, das Vorhaben in die bevorstehenden Haushaltsberatungen einzubringen. Er begrüßt die Idee, Stadt und privatwirtschaftliche Sponsoren in die Pflicht zu nehmen. Auch sie würden durch ein lebendiges Nachtleben und eine florierende Nachtökonomie profitieren. "Mit dem Booking-Fonds kann die Stadt mit relativ wenig Geld viel bewirken", sagt Waldenspuhl.

Timothy Sims (Die Grünen) bezeichnet die Idee auf Facebook als gut und die Probleme als lösbar, Sascha Fiek (FPD) verlangt an selber Stelle zunächst nach einem schlüssigen Konzept. Der städtische Pop-Beauftragte Tilo Buchholz traf sich mit Binay zu einem ersten Gespräch.

Wie es weiter geht

Dass es bis hierhin so schnell geht und seine Idee bereits in wenigen Monaten auf der Agenda des Gemeinderats steht, hätte Binay nicht erwartet. Er wird in den kommenden Wochen an seinem Konzeptentwurf feilen, wobei er etwa von Simon Waldenspuhl, Tilo Buchholz und Matthias Boksch vom Magazin Subculture unterstützt wird.

Wie die Chancen für das Vorhaben im Gemeinderat stehen, ist nicht absehbar. Gewissheit gibt es erst, wenn der Rat im Frühjahr 2019 – der Beschlusstermin ist für den 9. April vorgesehen - über den Haushalt für die kommenden beiden Jahre abgestimmt hat.

Gibt es Erfahrungen damit?

Eine ähnliche Förderung, wie sie der Freiburger Booking Fonds vorsieht, gibt es in Wien. Ein fünfköpfiger Beirat aus Fachleuten aus Musik, Musikwissenschaft, Musikjournalismus und Kulturmanagement entscheidet dort seit September 2018 über die Anträge von großen Musikinstitutionen sowie Einzelprojekten wie Konzerten oder Festivals.

Gefördert wird in Wien innovatives, zeitgenössisches und urbanes Musikschaffen, künstlerische Vorhaben außerhalb des Mainstream gelten als besonders förderungswürdig. Ein Manko hat das Wiener Modell: Clubs werden bisher nicht berücksichtigt, für sie sind jedoch ein zusätzlicher Topf und ein weiterer Beirat in Planung.

Ähnliche Gremien gibt es in Freiburg bereits für die Förderung von Chören oder Tanzprojekten, diese treffen ihre Entscheidungen aber über Monate im Voraus und entscheiden über eine geringe Anzahl an Anträgen.
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