Wie der Stuhl elektrisch wurde

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, dass der legendäre Erfinder Thomas Edison nicht nur die Glühbirne zum Leuchten brachte? In seiner Firma wurde auch ein Gerät erfunden, das zu tödlichen Zwecken gebraucht wurde: Der Elektrische Stuhl. Mit dieser Neuerung im Exekutionsgewerbe versuchte Edison sogar, seinen ärgsten Widersacher zu denunzieren.

Erfunden hat den Elektrischen Stuhl in den 1880er Jahren allerdings nicht Edison selbst, sondern sein Mitarbeiter Harold Brown. Aber die Idee, Wechselstrom zum töten zu benutzen, hatte Edison schon zuvor. Denn seine Firma propagierte die Benutzung von Gleichstrom, während der schärfste Konkurrent auf dem neu entstandenen Energiemarkt, die Firma Westinghouse, mit Wechselstrom arbeitete.


Und so versuchte Edison die eigentlich überlegene, weil besser über längere Strecken übertragbare, Wechselstromtechnologie schlecht zu machen: Er hielt öffentliche Aufführungen ab, bei denen verschiedene Tiere wie Hunde oder Katzen – aber auch die Zirkuselefantin Topsy – auf Metallplatten gestellt und mit Wechselstrom getötet wurden.

Von da war es nicht mehr weit, das Ganze auch an Menschen auszuprobieren, zumal der Staat New York seit 1887 nach einer neuen Hinrichtungsmethode suchte, die "humaner" als das bis dahin übliche Erhängen sein sollte.

Der erste, an dem das ausprobiert wurde, war der Axtmörder William Kemmler. Und der hatte sehr unter der neuen Methode zu leiden, denn die zunächst durch ihn gejagten 1000 Volt verursachten nur höllische Schmerzen und ein paar Verbrennungen. Mit der doppelten Spannung dauerte es nochmal über eine Minute, bis er von seinen Qualen erlöst war. Edison schlug zur Benennung dieser Methode – neben "Electrocution" – auch "to westinghouse" vor.

Bis auf einige Bundesstaaten der USA war diese Hinrichtungsmethode seitdem nur noch auf den Philippinen gebräuchlich. Doch auch aus einem anderen Land gab es gleich nach der Präsentation 1890 reges Interesse an der neuen Technologie: Der Kaiser von Äthiopien, Melenik II., ließ sich sofort einen solchen Stuhl liefern.

Doch eines hatte man im nordostafrikanischen Land nicht bedacht: Für den Betrieb braucht man Elektrizität. Und weil diese damals noch nicht vorhanden war, hatte der Kaiser eben einen schicken neuen Thron.