fudder-Interview

Wie der Freiburger Rapper Gordi zum politischen Musiker wurde

Anna Castro Kösel

Als Neunjähriger flog er von der Schule, mit 17 fing er an zu rappen. Nun ist der Freiburger Gordi 21 Jahre alt, studiert Politik und Philosophie in Frankfurt und will mit politischen Texten junge Leute inspirieren. fudder hat mit ihm gesprochen.

Wie kamst Du dazu zu rappen?

Rap war schon immer meine Lieblingsmusik. Ich habe schon früh angefangen, Texte zu schreiben, weil es für mich eine Art Rückzugsort war, wo ich Dinge verarbeiten konnte. In meiner Teenagerzeit, mit 17 Jahren, habe ich angefangen, mich mehr mit politischen Themen auseinanderzusetzen. Darüber konnte ich mich aber nicht mit meinen Freunden austauschen, weil die das klassische Teenagerleben – trinken, rauchen und kiffen – geführt haben. Das Rappen und Texteschreiben, war für mich eine Möglichkeit, mich selbst und die Welt zu reflektieren und kritisieren. Es war ein längerer Prozess, bis ich so rappen konnte und einigermaßen zufrieden war. Am Anfang hat es sich so angehört, als würde ich etwas vorlesen.
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Wie bist Du in deinen Texten politischer geworden?

Ich wusste schon davor, wie die Welt "außerhalb" von Konsum und Mainstream war, ansonsten habe ich aber zur klassischen Internetgeneration gehört. Dann habe ich angefangen mich mehr zu informieren und habe mich selbst politisiert. Ein Schlüsselmoment war, als ich mit meinen Freunden in Hamburg war. Da haben wir auch viel Rap gehört und dann lief ein cooles Lied mit politischem Inhalt. Da habe ich gemerkt: Eigentlich kann man mit seiner Musik viel Sinnvolles machen und tolle Dinge bewegen.
Gordi, heißt eigentlich Gordian, ist im Freiburger Stadtteil Haslach aufgewachsen und hatte eine bewegte Schulzeit. Er besuchte zuerst die Freie Waldorfschule Dachsberg, wechselte aber auf die Freie Schule Elztal, wo er als Neunjähriger von der Schule flog, weil er sich, so berichtet er, gegen alles "quergestellt" habe. Dann besuchte er die Vigelius-Grundschule und schließlich die Staudinger Gesamtschule in Freiburg. Der 21-Jährige studiert seit zwei Jahren in Frankfurt an der Goethe-Universität Politikwissenschaften und Philosophie. Auf Youtube hat sein erfolgreichstes Video, das Lied "Anthropozän" mehr als 4700 Klicks.

Deinen Song "Anthropozän" spielst Du oft auf Klimademos. Darin gehst Du auf die Klimakrise und die Verantwortung der Menschen ein. Wie entstand die Idee zu dem Song?

Die entstand aus einem tiefen Weltschmerz heraus. Ich hatte einen ziemlich deprimierenden Artikel gelesen, in dem es um die Ressourcenausbeutung ging und darum, dass die Menschen es gar nicht anders verdient hätten, als an der Klimakrise zugrunde zu gehen. Daraufhin habe ich Anthropozän aus meiner Sicht als kleiner Mensch und als Selbstkritik geschrieben. Es gibt eine Zeile in dem Song: "Wir sind Parasiten und die Erde unser Wirt". Damit wollte ich zeigen, wie wir unsere Erde zerstören, ohne es zu hinterfragen. Man kann vor dieser Wahrheit wegrennen oder sich fragen: Was kann ich tun? Du musst durch die Wahrheit durchgehen, um stark und handlungsfähig zu sein. Wenn du die Wahrheit nicht an dich ran lässt, bist du verblendet.

Du spielst oft auf Klimastreiks. Warum machst Du das und wie fühlst Du dich dabei?

Ich rappe über alle Themen, die mich emotional beschäftigen oder zu denen ich einen Bezug habe und die Klimakrise ist eins davon. Ich hatte immer mega Angst vor Leuten zu rappen, selbst vor meinen engsten Freunden – vor allem mit den politischen Songs, da ich damit sehr starke negative Emotionen ausdrücke. Diese Angst musste und muss ich immer noch überwinden. Live-Performances sind eine sehr gute Übung. Anfangs war das natürlich sehr belastend, aber durch die tollen Reaktionen speichert man viele positive Erfahrungen ab. Das gibt Kraft.



Deine Freunde sind anders drauf als Du. Wie gehst Du damit um?

Meiner Meinung nach bringt kritisieren nichts. Wenn ich als Moralapostel daher komme, kriege ich oft ein "Alter, halt dein Maul" zu hören. Was okay ist, schließlich besteht da einfach ein Desinteresse, da helfen keine guten Ratschläge. Ich möchte deswegen lieber meinen eigenen Weg gehen, zeigen, dass es Spaß macht und ein positives Vorbild sein. Dadurch kann man, denke ich, viele inspirieren und sie zum Umdenken bewegen.

Was hast Du nach deinem Politik- und Philosophiestudium vor?

Ich möchte als Rapper erfolgreich sein und andere inspirieren. Ein eigenes Label, MVPeace, habe ich schon gegründet. Am Schreibtisch sitzen und Papierkram bearbeiten, mit dem ich nichts zu tun habe, ist nichts für mich. Im Studium möchte ich die Tools und das Wissen mitnehmen, die ich später für meinen Weg brauchen werde.

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