Wie Ceres alten Menschen Kultur nahebringt

Fabienne Hurst

Die 24-jährige Ceres Hülter-Hassler aus Endingen hat durch Engagement gezeigt, dass man sich auch selbst seine Traum-Ausbildungsstelle schaffen kann. Sie studierte Kunst- und Literaturwissenschaft auf Bachelor, hängt gerade einen zweiten Bachelor in Sozialmanagement dran und hat jetzt ihren Traumjob in Krozingen - obwohl es ihre BA-Stelle vorher noch gar nicht gegeben hatte.



Begeisterung glänzt in Ceres Augen, wenn sie von ihrem neuen Alltag erzählt. Und ein bisschen Stolz. Sie ist froh darüber, nicht aufgegeben zu haben. Als vor einem Jahr das Ende des Bachelorstudiums der Kunst- und Literaturwissenschaft nahte, war die Suche nach ihrem Traum-Master ziemlich ernüchternd: Nirgends konnte sie ihre Leidenschaft für Kultur und die Arbeit mit älteren Menschen verbinden.


Eigentlich fing alles mit einem Praktikum in einem Seniorenzentrum bei Lausanne an. Dort war sie in der Abteilung „animation“ zuständig für das Freizeitprogramm. „Zuerst ging es mir nur um die Sprache. Ich wollte in einem Urlaubssemester mein Französisch verbessern.“ Aber irgendwann wurden ihr die Leute im Seniorenstift immer wichtiger. „Das hat mein Leben verändert“, sagt sie, „auch, wenn das jetzt pathetisch klingt."

Ihre Begeisterung will Ceres weitergeben. Sie will, dass zum Beispiel die Leute im Betreuten Wohnen ihre Van Gogh-Bildbände wieder herausholen. „Gerade ältere Menschen interessieren sich sehr für Kultur“, glaubt Ceres. Mit dieser Haltung meint sie nicht, dass nun scharenweise Kulturreferenten in die Seniorenheime kommen sollen. Vielmehr geht es ihr um die richtige Mischung von Kultur und Alltag. „Oft ist es so, dass sozialpädagogisch ausgebildetem Personal der Hang zu kulturellen Themen fehlt. Bei Kulturwissenschaftlern hingegen das Sozialpädagogische. Ich will beides", sagt Ceres.



Nach der Erfahrung in der Schweiz war für die damals 22-Jährige klar, dass sie kulturelle Seniorenbildung machen will. Entmutigend war dann das Durchforsten der Studienführer. Ohne sozialpädagogische Grundlagen kein Master. Aber Ceres fand dann die Möglichkeit, an der dualen Hochschule in Heidenheim Sozialmanagement zu studieren. „Das wäre ein zweiter Bachelor, aber wieso eigentlich nicht?“, dachte sie sich. Die Mischung aus Praxis und Theorie schien ihr geeignet.

Jetzt musste nur noch ein Betrieb her, bei dem sie ihr Konzept vorstellen konnte. Sie begann, an Seniorenheime Initiativbewerbungen zu schreiben. Und hatte Glück: In Bad Krozingen war der junge Leiter des Seniorenzentrums am Kurpark offen für Neues. „Eigentlich wollte der Vorstand der evangelischen Stadtmission Freiburg, zu der das Seniorenzentrum gehört, Ceres’ Unterlagen schon zurückschicken. So eine Art von Beschäftigung hat es hier bisher noch nicht gegeben“, sagt Heimleiter Hartmut Cech. „Aber die Bewerbung war so interessant, dass ich mich dafür einsetzte, diese Ausbildungsstelle zu schaffen.“ Für die Bewohner ist Ceres "das liebe junge Menschenkind“, eine Hilfe im Alltag, jemand, der auch einmal Zeit für einen Rollstuhlspaziergang im Park hat.



„Viele finden die Arbeit mit Älteren unattraktiv und schütteln den Kopf über das, was ich mache“, erzählt die BA-Studentin. „Aber diejenigen, die wirklich mit älteren Menschen zu tun haben, finden, dass Kultur und Altwerden gut zusammenpassen.“ Ceres ärgert es, wenn sie fast schon zynisch gefragt wird, ob sie denn mit ihrem Abschluss keine passende Stelle gefunden habe oder ob ihr das erste Studium keinen Spaß gemacht habe. „Diese Leute haben eine Schranke im Kopf. Aber wenn ich ihnen meine Sicht erkläre, gehen die Schranken meistens ein bisschen hoch. Leider nicht immer ganz.“

Ceres hat viel vor. Sie will einen Literaturkreis einrichten, Diskussionsrunden über Kunst führen, einen Geschichtsnachmittag veranstalten. Vor allem aber will sie eines: Grenzen aufheben. „Im Seniorenheim lebt man wie in einer anderen Welt. Die Türen sind zu, man muss sie öffnen.“

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