Wer macht den besten Handyfilm?

Nikolai Worms

1.000 Euro für einen Handyfilm! Das winkt dem Gewinner des Mobile Film Festivals in Berlin. Bedingung: Eine Minute echte Kunst, keine Pornos, keine Schlägereien. Wie das gehen soll, hat Nikolai herausgefunden und dabei festgestellt: Die Chancen, mit einem eigenen Film zu gewinnen, stehen gar nicht mal schlecht.



Jeder kennt sie, fast jeder hat sie, kaum einer braucht sie: Die Videokamera ist wohl eine der am wenigsten benutzten Funktionen an unseren Handys. Ihr bisheriger Verwendungsbereich liegt vor allem in der Aufnahme von Schulhofprügeleien und der anschließenden Weitergabe der Clips, oder im Erstellen völlig unbrauchbarer Konzertmitschnitte und deren Upload bei Youtube.


Von den meisten Handynutzern mit Nichtbeachtung gestraft, liefert sie tagsüber miese und nachts gar keine Bildqualität, dazu gleichbleibend schlechten Sound. Kaum vorstellbar, dass tatsächlich Menschen auf die Idee kommen, einen richtigen Kurzfilm unter diesen Voraussetzungen verwirklichen zu wollen.



Das Berliner Mobile Film Festival vergibt jetzt sogar schon zum zweiten Mal einen Award, der die herausragendsten Handy-Filmproduktionen mit bis zu 1000 € Preisgeld belohnt. Bis zum 20. März können eigene Produktionen von maximal einer Minute Länge eingereicht werden.

Die Regeln: Gedreht werden darf nur mit der Handykamera, es kann aber auf dem Computer geschnitten werden; die Teilnahme ist außerdem kostenlos und jeder kann mitmachen. Denn, und das ist wohl ein echter Vorteil dieser Kunstform, jeder hat schließlich heutzutage Zugang zu einer Filmkamera, wenn auch einer mittelmäßigen; und trägt diese auch noch meistens mit sich herum.



Der Gewinner des letzten Jahres in der Kategorie Beste Regie trägt den Titel Rauchen kann tödlich sein, in diesem Film allerdings anders, als man zunächst vermuten würde.

Der Preis für die originellste Idee ging an den Schwarz-Weiß-Streifen The Day My Shower Broke, der irgendwie an eine High-Speed Variante von Und täglich grüßt das Murmeltier erinnert:

Dass es nicht nur immer ein Film sein muss, sondern man auch mit (ziemlich vielen) Fotos und ziemlich wenig Zubehör nette Sachen machen kann, zeigen die Produzenten FreakyFlo und TobyWan in ihrem Kurzfilm Kleidung lebt.



Unter den bisherigen diesjährigen Einsendungen ist das stressige Werk Énfasis erwähnenswert, das durch eine beeindruckende Postproduktion und einen Soundtrack aus aufgenommenen Geräuschen auffällt.

Auf der Webseite des Mobile Film Festivals sind alle letzt- und diesjährigen Beiträge veröffentlicht. Ein Großteil der Filme besticht nicht gerade durch eine gute Idee oder eine gute Umsetzung; die Chancen mit einem eigenen Beitrag erfolgreich zu sein sind also gegeben.

Nikolais Fazit

Am Ende bleibt trotzdem eine Frage offen: Warum? Jede billige Digitalkamera hat eine bessere Auflösung, jegliche künstlerische Ambition verschwindet in der Ungenauigkeit der Darstellung, kreative Ideen lösen sich in verschwommenen Pixelfragmenten auf.

Der Bewertung von Schnitt und vor allem der Idee kommt somit wohl eine weit höhere Bedeutung als den eigentlichen Aufnahmen zu. Als Experiment sicherlich ganz nett, ein Heraustreten aus dem Nischendasein ist aber erstmal nicht zu erwarten.