Wenn Mumien zum Leben erwecken

Lorenz Bockisch

Die über Jahrtausende erhaltenen Mumien ägyptischer Herkunft faszinieren die Menschen schon seit Jahrhunderten. Und da nicht in jede Gruft Goldschätze hergab, versuchte man auch aus den Mumien selbst Geld zu machen. Das naheliegendste war, daraus Medizin herzustellen, die gegen jegliches Zipperlein helfen sollte.

Im Mittelalter waren die sich zu einer bitumenartigen Masse verfestigten Einbalsamierungsöle, -harze und sonstigen Substanzen bei Quacksalbern in Arabien und Europa sehr begehrt, da sie anscheinend die Mumien in einem so guten Zustand erhalten hatten – also mussten sie auch lebenden Menschen helfen.


Doch auch die Mumien selbst wurden zu Pulver gemahlen, mit unterschiedlichsten Stoffen gemischt und zu Salben und Tinkturen verarbeitet. Diese wurden dann – je nach Bedarf äußerlich oder innerlich anzuwenden – gegen so unterschiedliche Beschwerden wie Husten, Herzweh, Gicht, Zittern oder Kopfschmerzen angewendet.

Und bis ins vergangene Jahrhundert hinein waren Mumien – natürlich nur die echten ägyptischen – ein sehr teuer gehandelter Medikamentengrundstoff. Die heute noch im vergleichbaren Märkten aktive Firma Merck verkaufte "Mumia vera Aegyptica" in den Zwanziger Jahren für zwölf Goldmark pro Kilo. Hauptanwendungsgebiet: Potenzschwierigkeiten.