"Wenn ich die Spülmaschine ausräume, jongliere ich mit dem Geschirr"

Anselm Müller

Am kommenden Sonntag, 10. September, kommt zum fünften Mal das Open Air Varieté nach Freiburg in den Stadtgarten (bis Donnerstag, Beginn jeweils 19 Uhr, Eintritt frei). Zu bestaunen sein wird dort unter anderem der vierfache Jonglierweltmeister Thomas Dietz. Ein Interview.



Herr Dietz, Sie sind mehrfacher Weltmeister im Jonglieren, wie schafften sie es, 53 Minuten und 21 Sekunden lang fünf Keulen in der Luft zu halten?

Thomas Dietz: Das gelingt natürlich nicht von einem auf den anderen Tag, sondern erfordert ein langes Training. Jede Woche starte ich einen längeren Versuch und steigere mich dann sukzessive von acht, auf zehn, auf zwölf bis ich letztendlich fünfzig Minuten schaffe.

Wie viel Trainingsstunden absolvieren Sie am Tage?

Thomas Dietz: Derzeit trainiere ich pro Tag sechs bis sieben Stunden, sechs Tage die Woche. Sonntag ist Ruhetag. Man muss immer am Ball bleiben. Wenn ich einen Tag nicht trainiere, bemerke ich das sofort am nächsten. Vor jedem Auftritt übe ich drei Stunden. Wenn ich das nicht mache, geht die Vorstellung meist in die Hose.

Sie sind erst 24 Jahre alt und schon ein alter Hase im Jonglierzirkus, mit wie viel Jahren haben Sie mit dem Jonglieren begonnen?

Thomas Dietz: Mit drei Jahren und neuen Monaten hat mir mein Vater das Jonglieren mit drei Bällen beigebracht. Er selber musste immer meinem Großvater, der ein großer Zirkusfan war, an Geburtstagen vorjonglieren. Als er keine Lust mehr darauf hatte, hat er diese Pflicht an mich übertragen. Mit vier konnte ich dann schon ein bisschen mit drei Bällen hantieren. Ab fünf begann ich Tricks zu üben und erspielte mir so bei meinem Großvater Süßigkeiten oder eine Aufbesserung des Taschengeldes.



2004, 2005 und 2006 gewannen Sie den Titel Overall Champion bei der World Juggling Federation in Las Vegas. Welche Disziplinen mussten Sie bestehen?

Thomas Dietz: Insgesamt gibt es drei Hauptwettbewerbe und vierzehn Kategorien. Die drei Hauptbewerbe bestehen aus den Disziplinen Ringe, Bälle und Keulen. Jeder Jongleur hat drei Minuten pro Kategorie Zeit. Die Anzahl der Utensilien ist frei wählbar. Je größer die Zahl der Gegenstände und je ausgefallener die Tricks sind, um so höher ist die Bewertung. Ich habe mit fünf, sechs und sieben Ringen und Bällen sowie mit vier, fünf und sechs Keulen jongliert. Diese habe ich hinter dem Rücken und dem Kopf sowie mit gekreuzten Armen jongliert. Ein weitere Trick war eine 720 Grad-Drehung.

Nachdem Sie schon vierfacher Weltmeister geworden sind, gibt es überhaupt noch eine Steigerung? Was sind Ihre Ziele?

Thomas Dietz: Natürlich habe ich noch Ziele. Das erste Ziel ist es natürlich soviel Geld mit dem Jonglieren zu verdienen, damit ich davon gut leben kann. Bisher kann ich davon leben aber noch nicht gut. Ein näheres Ziel ist es sich im Bereich Varieté zu etablieren. Mein persönlich größtes Ziel ist natürlich einmal beim Zirkusfestival von Monte Carlo aufzutreten.

Mit was jonglieren Sie, wenn Sie keine Bälle, Ringe und Keulen zur Hand haben?

Thomas Dietz: Eigentlich mit allem. Wenn ich meine Spülmaschine ausräume, werden die Teller und Tassen jonglierend in den Schrank gestellt. Auch wenn ich bei Aldi an der Kasse stehe und es mir zu langsam geht, jongliere ich. Die erfassten Waren schmeiß ich mit einer Hand in den Einkaufswagen und halte mit der anderen meinen Geldbeutel bereit. Bei mir fliegt alles rum, was ich in die Hände nehme.

Was war die größte Anzahl an Jonglierutensilien mit denen Sie bisher jongliert haben?

Thomas Dietz: Jonglieren bedeutet nach der neusten Regelung: Gegenstände einmal in die Luft zu werfen und danach wieder aufzufangen. Nach dieser Richtlinie liegt mein “Rekord” bei elf Bällen.

Was für Formen und Abwandlungen gibt es außer der Einzelperformance noch beim Jonglieren?

Thomas Dietz: Neben der Einzelperformance. Gibt es noch das Passing. Also das Jonglieren mit einem oder mehreren Partnern.

Sie kommen mit dem Open Air Varieté vom 10. bis 14. September in den Stadtgarten Freiburg. Was werden Sie dem Publikum in ihrem Programm zeigen?

Thomas Dietz: Ich werde meine Public Show zeigen. Verpackt ist diese in einer Art Computerspiel. Das sich Jugging Race Game nennt. Am Anfang wählt das Publikum einen Jongleur und ein Jonglierutensil aus. Danach muss der Jongleur den ersten Level bestehen.

Mehr dazu:

  • Beim Open Air Varieté Freiburg sind der Comedian Herr Fröhlich, die Hand Akrobatik Gruppe Farellos, das Marionettentheater The Fith Wheel und Thomas Dietz zu sehen.