Wenn Google beim Poppen zuschaut

Christoph Müller-Stoffels

Neues Feature bei Google Maps. Neben der Karten- und Satellitenperspektive bietet das Programm mit Google Street View jetzt auch reales Bildmaterial vom Boden der Tatsache. Für ausgewählte Bereiche kann man Photomaterial von Straßenzügen einsehen. Die Bilder sind so gut, dass man teilweise auch die Schlafzimmer der Anwohner in Augenschein nehmen kann.

Google Street View, auf der diesjährigen Where-2.0-Konferenz in San Jose von Google vorgestellt, funktioniert ganz einfach. Schaut man sich unter Google Maps eine Gegend an, informiert das Programm mit einem Icon, ob für den Bereich Bildmaterial verfügbar ist. Ist das der Fall, kann man sich in einem Pop-up-Fenster ein 360-Grad-Bild der Gegend anschauen und via Maus einen virtuellen Spaziergang machen, um sich einen Eindruck von der Gegend zu verschaffen.


Das ist auch der Gedanke dahinter. Man soll die Möglichkeit haben, sich virtuell mit einem Gebiet vertraut zu machen, um sich real besser zurecht zu finden. Allerdings birgt das Programm so seine Tücken, denn die Bilder sind von hoher Qualität, so dass man sehr nah an alles heranzoomen kann. Das ermöglicht etwa, Nummernschilder zu lesen oder auch in Zimmer hineinzuschauen. So stellt eine Userin bei BoingBoing entsetzt fest, dass die Bilder ihr Wohnzimmer inklusive ihrer Katze zeigen. "Ich habe das Gefühl, ich muss jetzt alle Vorhänge schließen."

Ist es über Google jetzt also möglich, den Nachbarn in deren Schlafzimmer einen virtuellen Besuch abzustatten? Müssen wir uns Sorgen machen, dass kein Handgriff, den wir in den eigenen vier Wänden tun, unbemerkt bleibt? Ist Google der Big Brother, der uns nicht mehr aus den Augen lässt? Dass man auf den Bildern Personen problemlos identifizieren kann, zeigen diese Aufnahmen. Innenminister Wolfgang Schäuble wird sich schon die Hände reiben.

Die Bilder stammen zum größten Teil von Immersive Media, einem Unternehmen, dass sich auf 360-Grad-Aufnahmen spezialisiert hat. Die Frage nach der Privatsphäre ist allem Anschein nach dabei noch nicht geklärt. Kann man beispielsweise verlangen, dass das eigene Heim von Street View entfernt wird? Und wie sieht das dann aus? "404: site not found" als Meldung aus der echten Welt?

Wer jetzt schon in freudige Erregung versetzt worden ist, weil er glaubt, mit dem Nachbarn dessen Intimsphäre teilen zu können, wird enttäuscht sein. Vorerst ist Google Street View nur für manche Gegenden in den USA verfügbar. Aber wahrscheinlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis es auch nach Europa kommt. Wahrscheinlich wird es dann, mit Verweis auf die sicherheitspolitische Notwendigkeit, direkt vom Innenministerium gesteuert.

Dass es auch ganz unterhaltsame Nutzungsmöglichkeiten für Street View gibt, zeigt dieses Video: eine Tour durch New York City.

[via BoingBoing]