"Welcher OB-Kandidat passt zu Dir": Unfairer Wahlkampf auf Facebook?

Carolin Buchheim

"Welcher OB-Kandidat passt zu Dir" heißt das Facebook-App-Quiz. "Es geht um die Frage, welcher OB-Kandidat am besten zu Dir passt, und wem Du am 25. April womöglich Deine Stimme geben solltest." Ein Wahl-O-Mat für Freiburg? Nein. Denn die Ergebnisse des kleinen Tests entpuppen sich als deutlich parteiisch. Welcher Kandidat dahinter steckt:



Mitte der Woche tauchte das Facebook-Quiz "Welcher OB-Kandidat passt zu Dir" zuerst und dann gehäuft in der fudder-Timeline auf. Etwa ein Wahl-O-Mat für die OB-Wahl? Das wird ausprobiert, klar!

Sechs Fragen gilt es zu beantworten: zur Grünen Alternativen, einem möglichen zweiten Wahlgang, zum Platz der alten Synagoge, dem größten Problem der Stadt, zu der bei der Bundestagswahl gewählten Partei und dem Lieblingsstadtteil. Dann erwartet den Facebook-Nutzer eins dieser drei Ergebnisse (alle Rechtschreibfehler erhalten):

"Du willst einen bodenständigen Verwaltungsfachman an der Spitze der Stadt und keine Experimenten. Sozial ist wichtig, andere Dinge aber auch. Das von Kirchbach in den letzten Jahren immer der Handlanger von Salomon war, dass er sich nicht gegen den geplanten Verkauf der Wohnungen gewährt hat, stört dich nicht. Jetzt ist die Stunde der Abrechnung der Freiburger Sozialdemokratie mit den bürgerlichen der CDU und der Grünen gekommen! Besser spät als nie... erst wird UvK OB von Freiburg und dann Gernot Erler Kanzler! Post-Schröderianisus made im Breisgau!"

"Du bist Salomonist durch und durch. Dich schreckt weder seine herbe Art gegenüber der Linken Liste im Stadtrat und den streikenden ErzieherInnen, noch seine Absicht zur Sanierung der Stadtfinanzen den städtischen Wohnungsbestand an eine Heuschrecke zu verhörkern. Für dich ist ER gelebter grüner Pragmatismus: harte Zeiten, erfordern harte Mittel... wenn es sein muss auch ein Zusammengehen mit den dunkel-schwarzen Opas und geschniegelt-pomadigen JU-lern der CDU."

"Die hast echte Visionen, so wie der neue OB von Freiburg: Günter Rausch. Es macht dir nichts aus wenn nicht alles gleich perfekt ist, nur anders sein - als der bisherige Parteien-und-Verwaltungs-Mief - muss es. Du willst, dass die Menschen wieder zum itreden und mitdenken animiert werden, das Stadtpolitik wieder ein Sache von allen und für alle wird. Dein Pragmatismus heisst: Wenn sich jetzt nicht was ändert, werden am Ende nur noch die tausend Reichsten der Stadt wählen gehen und sagen wo es lang geht."


Kein Wunder, dass nur vom Facebook-Profil von Günter Rausch auf dieses Quiz hingewiesen wird.

Wer der Urheber des Quiz ist, will Harald Wohlfeil, Aktivist in der Online-Gruppe der Kampagne "Wechsel im Rathaus", für die Günter Rausch ins Rennen geht, nicht sagen. "Möglicherweise ist es aus der Kampagne", sagt er. "Ich habe das Quiz zum ersten Mal bei jemandem gesehen, der uns wohlgesonnen ist." Innerhalb von Facebook ist der Ersteller des Quiz nicht erkennbar.

Wohlfeil hatte das Quiz heute mittag noch nicht genau angesehen. "Ich habe es mir nicht angeschaut und kenne die Antworten nicht, deswegen kann ich dazu auch nichts sagen." Schlimm sei ein solches Quiz keinesfalls. "Jemand, der bei so einer App mitmacht und sich für das Thema interessiert, wird an den Antworten schon erkennen, wohin es gehen soll. Ich würde jemandem zutrauen, dass er so etwas einordnen und als Spaß erkennen kann. "

"Man sollte dem keine allzu große Bedeutung beimessen," sagt er. Und fügt an: "Sollte die App allerdings sehr tendenziös sein, wäre das wohl eher schlecht für uns."

Im Wahlkampfteam von Ulrich von Kirchbach sieht man das ähnlich. "Es ist natürlich nicht ganz fair, wenn als Wahlkampfteam solche Sachen vorgaukelt,", sagt Julien Bender, der im Wahlkampfteam für Facebook zuständig ist. Aufregung herrsche deswegen aber nicht. "Man sollte sowas nicht überbewerten, sondern im Kontext betrachten, in dem es stattfindet. Auf Facebook geht es bei fast allen Apps nur um Spaß, und kritische Nutzer werden schnell merken, was dahinter steckt." Ohnehin sei die App wohl eher ein Spaß unter den Mitgliedern des WiR-Wahlkampfteams als ein Wahlkampfmittel.

Walter Preker, Sprecher des Oberbürgermeisters, zeigte sich verstimmt. "Das Facebook-Quiz ist parteiisch und wenig originell. Das ist einer von vielen Versuchen, im letzten Augenblick noch Stimmung zu machen, und wer darauf reinfällt und das Quiz für eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Sachfragen hält, hat noch einiges dazu zu lernen. Mehr braucht man dazu nicht zu sagen."



Wer das zweifelhafte Quiz wenige Tage nach "Plakatgate" - Rausch-Aktivisten hatten Wahkampfplakate von Dieter Salomon beschädigt und waren von der Polizei dabei erwischt worden -  auf das offizielle Profil von Günter Rausch gepostet hat, kann laut Harald Wohlfeil nicht nachvollzogen werden. "Es gibt eine Gruppe von Leuten, die Homepage, Twitter und Facebook von Günter Rausch versorgen", sagt er.

Heute mittag, nach unserem Nachfragen bei der Kampagne, wurde der Einleitungstext für das Quiz immerhin verändert.  "Es geht um die Frage welcher Freiburger OB-Kandidat am besten zu dir passt und wem du am 25. April deswegen womöglich deine Stimme geben solltest... Dieses Quiz ist parteiisch und nicht mit dem "Wahl-o-Mat" zu vergleichen... Ein gutes Bild von allen Kandidaten bekommt man auch auf www.ob-wahl-freiburg.de" steht da nun.

Ein schaler Nachgeschmack bleibt.

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