Was wir wollen: Ein Kommentar zur Lage des SC Freiburg

Veit-Lorenz Cornelis

Am Samstag hat der SC Freiburg 0:2 gegen den VfB Stuttgart verloren, und damit steht wieder jenes furchteinflößende Wort im Raum, das man eigentlich zu bannen gehofft hatte: Abstiegskampf. Warum ihm gerade das Spaß macht, hat uns Veit-Lorenz Cornelis in seinem Kommentar aufgeschrieben:



Unter der Dusche habe ich die besten Einfälle. Im „Vauban“ würde man mich deshalb vermutlich aus dem Stadtteil schmeißen – aber sollte ich jemals ein Start-up-Unternehmen gründen, dann sicher unter der Dusche.


Am heutigen Morgen habe ich mir unter der Dusche die genaue Lage des SC Freiburg überlegt, und man kann es einfach nur mit dem einen furchteinflößenden Wort beschreiben: Abstiegskampf. Und doch sehe ich die Situation des Vereins, der Spieler und der Fans positiv. Im Konkurrenzkampf der Bundesliga hat der SCF schon immer einen schlechten Stand. Es gibt bundesweite „Sympathisanten“ und dennoch sind Fans jenseits des Offenburger Bahnhofs lediglich in Form Breisgauer Exilanten anzutreffen.

Dagegen hat ja bei Spielen der Champions League plötzlich jeder einen FC-Bayern-Schal oder ein Borussia-Dortmund-Trikot im Schrank, das er oder sie bei Cup-Siegen dann gerne präsentiert - auch, wenn der Spielername auf dem Trikot bereits seit Jahren als zufriedener Sportinvalidenpensionär oder mittelmäßiger TV-Kommentator auf Ibiza lebt.

Doch auch in Freiburg lebt eine Fankultur - wenn sie vielleicht auch nur eine Subkultur ist. In einer großen Anzahl Freiburger Kneipen prangert mindestens ein schwarz-weißes Wappen mit dem Greifenkopf. Vergeblich versuchen jedes Jahr auf ein Neues viele Kinder, in den langweiligsten Mathe-Stunden der Stadt genau dieses Wappen auf ihr Federmäppchen zu malen. Ergebnis: ein neues Mäppchen muss her! Und an nicht wenigen Theken wird derzeit die Lage des SC Freiburg diskutiert.

Ich stelle in diesen Thekensitzungen immer wieder die Frage: Ist es denn nicht genau das, was wir wollen? In der Folge bekommt man zu hören, dass doch „oben spielen“ (tabellarisch-badisch) viel schöner sei. Und sollte man den Klassenerhalt schaffen, bekommt man ja gar nichts dafür. Wo sind die Pokale? Wo sind die Museen mit den Titeln aus den alten Zeiten? Doch eine Saison gegen den Abstieg zu spielen – ein wöchentliches Auf und Ab: Ist es nicht das, was wir wollen? Ist es nicht das, was wir in Freiburg unter „Fußballfieber“ verstehen?

Im Moment sind wir in der Tabelle der „Bundesliga unten“ auf Platz zwei: Hannover, nur aufgrund eines besseren Torverhältnisses vor uns, wird am letzten Spieltag unser Gegner sein – unser Finale! Bei zwei wichtigen direkten Konkurrenten (Hamburg, Stuttgart) wurden Punkte liegen gelassen. Am Samstag empfangen wir die gerade wieder erstarkte Mannschaft aus Braunschweig – ein weiteres Finale!

Schon am heutigen Dienstag mache ich mir Gedanken über den Samstag. Und die Vorfreude und die Nervosität in meinem Körper streiten über emotionale Vorherrschaft. Das Stadion wird ausverkauft sein. Das Wetter wahrscheinlich schön. Vor einem Jahr war eigentlich nichts anders, doch es ging um den Einzug in den internationalen Wettbewerb. Auch da hatten wir „Finalspiele“. Doch eine Niederlage gab es eigentlich nicht in der damaligen Situation. Wir konnten eigentlich nur gewinnen. Eine aus meiner Sicht völlig andere Wertung eines Spiels. Wir haben es am Ende geschafft und konnten in Freiburg drei Europapokalspiele sehen.

Danke dafür! Doch heute redet keiner mehr von diesen Spielen. Denn eigentlich hat doch „da oben“ (tabellarisch-badisch) Freiburg gar nichts verloren. Wir sind genau richtig. In den zwei kommenden Heimspielen (Braunschweig, Gladbach) stehen die Fans wieder voll hinter der Mannschaft. Und am Ende wird alles gut ausgehen ...?! Mir macht diese Saison Spaß! Das sage ich trotz aller Aufregung. Ist es nicht genau das, was wir wollen ...?

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[Foto: Meinrad Schön]