"Was wir erleben, verarbeiten wir zu Musik": Interview mit der Electronica-Band Kafka Tamura

Bernhard Amelung

Zarte Gitarren- und Klavierakkorde treffen auf verhuschte Synthesizer: Die Musik des deutsch-britischen Trios Kafka Tamura ist irgendwo zwischen The XX und Caribou angesiedelt. Am Freitag spielen sie im Jazzhaus in Freiburg. Bernhard Amelung hat mit ihnen über Weltliteratur und das Leben als Künstler gesprochen. Außerdem verlost fudder drei Mal einen Gästelistenplatz für das Konzert.



Patrick, Gabriel, Emma, ihr seid noch keine 30 Jahre alt. Eure aktuelle Single heißt jedoch „No Hope“. Ist das Leben so dunkel und hoffnungslos?

Patrick: „No Hope“ handelt nicht von absoluter Hoffnungslosigkeit. In diesem Song suchen wir nach Antworten auf die Frage, wie wir mit verschiedenen Alltagsrealitäten umgehen müssen.

Gabriel: In „No Hope“ geht es uns darum, dass wir lernen müssen, die Dinge nicht so zu akzeptieren, wie sie sind. Man kann Dinge überwinden und mit der Zeit eine Gelassenheit entwickeln.

„Es gibt unendlich viel Hoffnung. Nur nicht für uns“, soll Kafka zu seinem Freund Max Brod gesagt haben. Wie seht ihr das?

Patrick: Das ist sehr schwarz. Wenn wir an einem Tiefpunkt angekommen sind, haben wir immer noch unsere Familie und Freunde, auf die wir zugehen können.

Emma: Familie und Freunde sind sehr wichtig für uns.

Woher stammt euer Bandname?

Patrick: Kafka Tamura heißt die Hauptperson in „Kafka am Strand“, einem Roman des japanischen Autors Haruki Murakami. Diesen haben wir gelesen und konnten uns sofort mit diesem Kafka Tamura identifizieren. Sowieso sind wir große Fans von Murakamis Erzählungen und seiner Sprache. Er erzählt seine Geschichten sehr kunstvoll.

Gabriel: „Kafka am Strand“ haben wir auch Emma zum Lesen gegeben. Sie war sofort begeistert, auch mit dem Bandnamen.

Welche Parallelen seht ihr zwischen dem Roman und euch?

Patrick: Kafka Tamura ist ein junger Japaner. Zu Beginn des Buches ist er 15 Jahre alt, genauso alt wie Emma, als wir sie kennen gelernt hatten. Kafka Tamura reißt von zuhause aus und erlebt ziemlich wirres Zeug. Vieles passiert dabei in seiner Phantasie. Über die Dauer des Buches findet er zu sich selbst und stellt ein eigenes Leben auf die Beine. Genauso geht es uns auch als Band. Wir finden jeden Tag ein Stück mehr zu uns.

Emma: Als junger Mensch hat man sehr viele Träume und Wünsche. Die sind manchmal total verrückt. Irgendwie absurd. Ich finde es interessant, so etwas in der Literatur zu lesen.

Wie beeinflusst der Roman, allgemein Literatur, euer Songwriting?

Gabriel: Eher weniger.

Emma: Es sind ja so viele Dinge, die uns beeinflussen.  

Welche?

 
Emma: Alles, was mich umgibt, beeinflusst mich. Alles, was ich sehe, höre, fühle. Sicher passiert das auch, ohne dass ich es bewusst wahrnehme. Das arbeitet dann in mir weiter und fließt dann irgendwie in meine Songs rein.

Patrick: Bei Gabriel und mir ist das ähnlich. Alles, was wir erleben, verarbeiten wir zu Musik.  

Ihr tourt gerade durch ganz Deutschland. Wie beginnt ihr euren Tag?

 
Patrick Bongers: In den vergangenen Wochen haben wir im Schnitt jeden zweiten Tag ein Konzert gespielt. Wir sind viel unterwegs, müssen morgens früh aufstehen, uns fertig machen, und dann geht’s schon weiter in die nächste Stadt. Dort warten dann Interview- und andere Promotermine auf uns.

Gabriel Häuser: Unser Tag beginnt deshalb mit dem Weckruf unserer Smartphones. Danach gibt’s Kaffee, Emma trinkt Tee.

Wie wirkt sich dieses Künstlerleben auf euer Privatleben aus?

Patrick: Gar nicht. Wir unterscheiden nicht zwischen einem Leben als Künstler und einem Privatleben. Das können wir auch gar nicht mehr, denn dazu machen wir schon viel zu lange Musik und geben Konzerte.

Emma: Für mich ist das noch ganz neu. Ich war noch nie so lange am Stück weg von zuhause. Ich lebe ja eigentlich noch bei meinen Eltern. Aber das loslassen gehört zum Leben dazu. Man muss sich von zuhause ablösen, flügge werden und auf eigenen Beinen stehen. Jedenfalls sollte man das, denke ich.  

Patrick, Gabriel, ihr kommt beide aus Leipzig, Emma kommt aus Southampton. Wie habt ihr euch kennen gelernt?

 
Emma: Wir haben uns über die Onlineplattform Soundcloud kennen gelernt. Seit ich für mich selber Musik mache und Songs schreibe, habe ich diese auf Soundcloud veröffentlicht. Songskizzen und fertige Stücke habe ich dort in verschiedenen Gruppen mit anderen Nutzern geteilt. Eines Tages haben mich Patrick und Gabriel angeschrieben. Danach ging alles sehr schnell.

Patrick: Gabriel und ich haben Soundcloud nach einer Sängerin durchforstet, deren Stimme zu unserer Musik passte. Wir haben uns unzählige Songs angehört. Bei Emmas Stücken blieben wir schließlich hängen. Ihre Stimme hatte genau das, was wir uns für unsere Lieder vorgestellt hatten.

Was war das?

Gabriel: Emma hat eine kräftige, aber nicht aufdringliche Stimme. Sie klingt transparent, hat aber trotzdem einen leicht verrauchten Charakter. Sie kann langsam, melancholisch hauchen, aber auch ganz schön schnell singen. Diese Vielseitigkeit hat uns fasziniert.

Wann habt ihr euch zum ersten Mal persönlich getroffen?

Patrick: Das hat ein paar Monate gedauert. 2012 sind wir auf Emma im Internet aufmerksam geworden, im Frühjahr 2013 haben wir sie zum ersten Mal in Southampton besucht.

Emma: Ich war total schüchtern. Ich war so ein typisch 16 Jahre altes Mädchen, das noch bei seinen Eltern lebt und gegenüber Jungs keinen Ton rausbringt. Patrick und Gabriel sind ja viel älter als ich. Beim Abendessen habe ich mich in meinen Pullover eingekuschelt und keinen Ton gesagt.

Patrick: Beim Musik machen war dann alles ganz anders. Das Eis ist schnell gebrochen, jeder von uns ging aus sich heraus.

Was steht für dieses Jahr noch an?

Patrick: Im Mai erscheint unser Album "Nothing To Everyone",

Verlosung

fudder verlost drei Mal einen Gästelistenplatz für das Konzert mit Kafka Tamura im Jazzhaus. Wer gewinnen möchte, schickt eine E-Mail mit seinem Namen und Vornamen und dem Betreff "Kafkas Jazzhaus" an gewinnen@fudder.de. Einsendeschluss ist Freitag, 27. März 2015, 12 Uhr. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werden am selben Tag per E-Mail benachrichtigt.

Mehr dazu:

Was: Kafka Tamura.
Wann: Freitag, 27. März 2015, 20 Uhr.
Wo: Jazzhaus.
[Foto: Kafka Tamura / Promo]