Was VWLer in der Vorlesung machen? Vor allem fehlen! Der Studiengangcheck bei fudder

Simon Voss

Jeder Jurist ist ein Schnösel, jede Psychologie-Studentin hat einen Knacks: Vorurteile über Studierende gibt es viele. fudder erklärt, womit sich Freiburger Studiengänge wirklich beschäftigen und was an Klischees dran ist. Heute: Volkswirtschaftslehre (VWL).

Worum geht’s?

Volkswirtschaftslehre ist eine empirische Sozialwissenschaft. Untersucht werden vor allem die Produktion und Verteilung von Gütern sowie das Handeln von Individuen unter ökonomischen Bedingungen. Die VWL versucht außerdem, der Wirtschaftspolitik fundierte Empfehlungen zu geben. Das Themenfeld ist also sehr groß und hat Berührungspunkte mit zahlreichen anderen Fachgebieten wie Politik, Psychologie, Geschichte und Soziologie.

Gender-Check

Im Wintersemester 2017/18 betrug der Anteil weiblicher Studierender etwa 34 Prozent.Die Volkswirtschaftslehre ist damit männlicher geprägt als die benachbarte BWL, wo weibliche Studierende im selben Semester in der Mehrheit waren.

Ein Vorurteil, das völlig erfunden ist

"VWL-Studierende wollen nur schnell in die Wirtschaft und Geld verdienen." Vielleicht nicht völlig erfunden. Sicher sind nicht wenige dabei, die sich auch aus Sicherheitserwägungen gegen Vorderasiatische Altertumskunde entschieden haben. Aber zum einen sehen die Aussichten auf schnelles Geld wohl bei BWLern oder Wirtschaftsingenieuren deutlich besser aus, während VWL eher forschungsorientiert ist. Und zum anderen gibt es sie durchaus: VWL-Studierende, die ernsthaft an ihrem Gegenstand interessiert sind und auch mal kritisch über wirtschaftliche (Fehl-)Entwicklungen nachdenken.

Ein Vorurteil, an dem was dran ist

"VWL ist vollkommen unkritisch! Mit ein paar alten Weisheiten soll die ganze Welt erklärt werden." Nein, ganz so stimmt das zum Glück nicht. Doch es ist schon erstaunlich, wie klar manche Dozenten den Studierenden bestimmte Standpunkte vermitteln wollen und wie unwillig sie teilweise sind, sich auf Argumente der Gegenseite einzulassen. Auch Sätze wie "Man muss doch nur mal XY lesen, um zu verstehen, dass Staatsverschuldung immer XYZ..." hört man hin und wieder auch von Dozenten. VWL-Studierende tun gut daran, neben dem Studium von Modellen und Theorien auch die Realität im Auge zu behalten, die man im Hörsaal leicht vergessen kann. Wie der Guardian es ausgedrückt hat:"Good economists know that the correct answer to any question in economics is: it depends."

Der beliebteste Spruch

"Ist das klausurrelevant?" Ist die Antwort ja, werden die Ohren gespitzt, lautet sie nein, kann man sich weiter mit dem Banknachbarn über die gestrige Party unterhalten.

Warum man VWL studieren sollte

Weil es einen betrifft, auch wenn man nicht will. Die Wirtschaft – das sind wir alle. Und auch wer nicht das Geringste mit zockenden Bankern oder tricksenden Managern zu tun haben will, sollte versuchen, ihr Handeln zu verstehen. Sei es, um ihnen das Handwerk zu legen oder um am Ende selbst einer zu werden. Gerade alle, denen das VWL-Studium zu einseitig vorkommen mag, sollten überlegen, es vielleicht selbst zu studieren und mit ihren eigenen Ideen voranzubringen.

Das nervt

Zumindest in Freiburg: die didaktische Gestaltung des Studiums. Ein Großteil ist sehr frontal organisiert und darauf ausgelegt, den Studierenden möglichst das gesamte Lehrbuchwissen beizubringen. Interaktive Diskussionen sind oftmals nicht vorgesehen und etwa Tutoren sind oft überhaupt nicht darauf vorbereitet, Fragen zu beantworten. Beides täte dem Fach aber ganz gut.

Außerdem muss man sich durch manche sperrigen Veranstaltungen "durchbeißen", bevor man später etwas freier wählen kann. Wer VWL studieren will, sollte sich also darauf einstellen, dass es vielleicht nicht immer Spaß macht.

Was VWL-Studierende in der Vorlesung machen

In der Regel: Fehlen. Bei kaum Vorlesungen gibt es Anwesenheitspflicht und viele nehmen sich diese Tatsache zu Herzen. Von denen, die da sind, sind die einen mehr und die anderen weniger konzentriert. Oft ist es etwas lauter als in anderen Fächern, außer natürlich, wenn der Dozent gerade das Wort "klausurrelevant" erwähnt hat.

Wo VWL-Studierende anzutreffen sind

Überall um das KG II rum ist ihr natürlicher Lebensraum. Ansonsten munkelt man, dass viele von ihnen im Karma und im Schneerot zu finden sind.

Work-Life-Balance

Der "Workload" ist relativ ungleichmäßig verteilt. Das kann schon mal zu Unterforderung in der Vorlesungs- und zu umso größerer Überforderung in der Prüfungszeit führen, in der die Klausuren eng aufeinander folgen. Natürlich kann man vorarbeiten und sich dadurch etwas Stress für die Klausurenphase ersparen, das klappt jedoch nicht für alle Veranstaltungen gleichermaßen gut. Ein Vorteil der kurzen Prüfungszeit sind die langen Semesterferien, denn: Essays oder Hausarbeiten gibt es in der Regel nicht.

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