Was steckt wirklich hinter dem gescheiterten Waldfuchs-Open-Air?

Laura Wolfert & Daniel Laufer

Beim Waldfuchs-Open-Air wird es jetzt doch keinen Wald geben, auch keinen Fuchs, höchstens ein Haustier: Das Kurzfestival zieht um - in den Stadtclub Schmitz Katze. Und das, obwohl der Veranstalter bereits etliche Tickets verkauft hat:



Das Waldfuchs-Open-Air am 4. Juni wird nicht stattfinden - jedenfalls nicht in der Form, wie es der Veranstalter im März angekündigt hatte. Auf der Waldfuchs-Facebook-Seite versprach er ein Elektro-Festival in einer "historischen Waldschlucht in den Bergen hinter Freiburg".


Am Montag berichtete er am selben Ort dann von einer Planänderung: Das Waldfuchs-Open-Air wird verlegt und zwar in Schmitz Katze, also in einen Club am Rand des Stühlingers.

Wie kam es dazu?

Eigentlich hätte das Waldfuchs-Open-Air in der Nähe des Waldheiligtums St. Ottilien stattfinden sollen. Im Januar hatte der Veranstalter beim Amt für öffentliche Ordnung eine Genehmigung beantragt. "Das Forstamt bat daher beispielsweise um Vorlage eines Park- und Anfahrtskonzepts sowie um Darstellung, wie die Vermüllung des Waldes vermieden werden kann", so Rathaus-Sprecherin Edith Lamersdorf. Offen blieben wohl auch Fragen zur Sicherheit. Am 18. April habe der Veranstalter seinen Antrag schließlich zurückgezogen.

Die ursprüngliche Ort sei einfach nicht besonders groß, außerdem eben mitten im Wald gewesen. "Dort gibt es sensible Tiere und Pflanzen sowie einiges anderes, auf das wir unbedingt Rücksicht nehmen wollten", schreibt der Veranstalter. "Wir mussten anerkennen, dass keine sichere und vertretbare Veranstaltung bei solch einem Überinteresse verwirklicht werden kann. So haben wir uns nach Absprache mit der Stadt gezwungen gesehen, den Veranstaltungsort zu wechseln."

Ohne je eine Genehmigung erhalten zu haben, hatte der Veranstalter da längst Tickets verkauft - nach fudder-Informationen mehrere hundert, in insgesamt drei Etappen. Auch eine vierte war vorgesehen. Und nun heißt es auf einmal, das Event habe zu viel "Zuspruch erhalten".

Hunderte Tickets sollen bereits verkauft worden sein

Die Festivalgänger reagieren enttäuscht - und verärgert. "So sieht's aus, wenn man den Hals nicht vollkriegen kann", schimpft etwa eine junge Frau in den Kommentaren auf der Facebook-Seite. Eine andere fragt: "Warum verkauft ihr dann noch Tickets?"

In einer Nachricht, die er an fudder geschrieben hat, beklagt sich zudem ein Leser: "Sowohl ich, als auch Bekannte, die sich auf der Facebook-Seite des Waldfuchs' in aller Sachlichkeit beschwert haben, wurden gesperrt, die Kommentare gelöscht."

Gegenüber fudder will sich der Veranstalter nicht äußern. "Unser Konzept sieht vor, dass wir nur über den Waldfuchsfunk und die Facebook-Seite kommunizieren", teilte er schon im März mit. Der Waldfuchsfunk ist ein Email-Newsletter, den man auf der Homepage abonnieren soll. Fudder hat das bei der Recherche schon vor Wochen probiert - mit zwei unterschiedlichen Email-Adressen. Keine einzige Nachricht kam an.

Wer ist der Veranstalter?

Wer er nun eigentlich ist - auch das ist eine Frage, die der Veranstalter nicht beantworten will. Die Domain waldfuchsopenair.de gehört Deniz Binay, der in Freiburg seit Jahren Partys veranstaltet - in der Vergangenheit meistens unter dem Namen Sinnestäuschung Events. Er beteuert aber, mit dem Waldfuchs-Open-Air nichts zu tun und lediglich die Homepage erstellt zu haben.

In deren Impressum stehen wiederum Klaus Miess und Michael Abbey. Die beiden betreiben das Waldrestaurant St. Ottilien. Als das Ticketportal Reservix die Kartenkäufer in einer Email über den Umzug in Schmitz Katze informierte, nannte es als Veranstalter allerdings Klangraum Events - die Agentur des Ex-Klangraum-Betreibers Vincenzo Esposito.

Was passiert jetzt mit den schon verkauften Tickets?

Zwischen 8 Euro und 19 Euro haben die bereits verkauften Tickets gekostet. "Wer nun nicht mehr kommen möchte, kann selbstverständlich seine Tickets über Reservix zurückgeben", verspricht der Veranstalter auf der Facebook-Seite. Bis zum 12. Mai soll das laut dem Ticketportal möglich sein.

Andernfalls gelten sie für die Veranstaltung in Schmitz Katze. Für das Open-Air, das keines mehr ist, wollen die Waldfuchs-Dratzieher bald noch weitere Karten verkaufen. Auch das haben sie am Montag angekündigt. Der Preis soll weiter bei 19 Euro das Stück liegen - "plus Gebühren".

"Wir sind natürlich dran, aus der Verlegung etwas zu machen, was keinem Standard-Club-Abend bei uns entspricht", sagt Schmitz-Katze-Betreiber Gerrit Kossmann. Er bittet um Geduld. Viele, die jetzt auf der Waldfuchs-Seite bei Facebook kommentieren, scheinen die nicht mehr zu haben.

"Wow cool, im Schmitz Katze! Das ist ja auch mit viel Holz und so 'nem putzigen Tierchen", spottet eine verärgerte Ticket-Bestellerin dort. "Vogelgezwitscher gibt es wohl auch auf CD oder eventuell bei Spotify."

Mehr dazu:

[Symbolfoto: John Smith/Fotolia.com]