fudder-Interview

Was man bei einem Studienfachwechsel unbedingt beachten sollte

Gina Kutkat

Wer sein Studienfach innerhalb der Uni Freiburg wechseln will, wendet sich im besten Fall an die Zentrale Studienberatung. Gina Kutkat hat mit Leiter Friedrich Arndt darüber gesprochen, was bei einem Wechsel zu beachten ist.

Ich studiere im ersten Semester und bin mir unsicher, ob mein Fach das Richtige ist. Soll ich gleich wechseln?

Friedrich Arndt: Nein. Ich würde Ihnen vermitteln, dass dieses Gefühl normal ist und zum Orientierungsprozess am Anfang des Studiums dazugehört. Das ist bei vielen der Fall und muss nicht direkt bedeuten, dass man das Fach wechseln sollte. Viele, die im ersten Semester zu uns kommen, sind erst 18, 19 Jahre alt. Es wäre kein Beinbruch, das Studienfach zu wechseln, denn es spielt keine entscheidende Rolle, ob man mit 23 oder mit 27 auf den Arbeitsmarkt kommt.

Wenn die Unzufriedenheit anhält: Woran merkt man, dass man das Falsche studiert?

Für die Studienzufriedenheit gibt es viele verschiedene Faktoren. Das eine ist das Fachliche: Laufen die Prüfungen schlecht, obwohl man sich gut vorbereitet hat? Das andere ist das Ankommen im Studienfach: Fühlt man sich wohl, kommt man mit den Kommilitonen klar? Und zuletzt das Ankommen in der neuen Lebensphase: Viele Studierende sind vielleicht das erste Mal ausgezogen und wohnen in einer neuen Stadt. Das sind normale Anpassungsprozesse, die manchen leicht fallen und anderen nicht. Ein Teil unserer Beratung zielt darauf zu sortieren, wo der- oder diejenige gerade steht. Wir versuchen zu klären, ob die Unzufriedenheit am Fach oder der Lebensumstellung liegt. Je nachdem, wie die Antwort ausfällt, können wir den Studierenden bei der Suche nach dem ganz eigenen Weg unterschiedlich unterstützen – in ihrem oder seinem aktuellen Studienfach oder auch beim Finden einer für sie oder ihn passenden Alternative.

"Wir versuchen zu klären, ob die Unzufriedenheit am Fach oder der Lebensumstellung liegt."

Muss man schnell handeln, wenn man sich für einen Fachwechsel entschieden hat?

Es kommt immer drauf an, welche Optionen in Frage kommen und welche Fristen dafür gelten. Möchte man statt des Studiums eine Ausbildung machen, kommt es darauf an, wie schnell man einen Ausbildungsplatz in dem gewünschten Gebiet bekommt. Wer ein Gapyear nachholen möchte, beispielsweise weil er es nach der Schule nicht gemacht hat, muss das gut planen. Der häufigste Fall: Jemand möchte sein Fach innerhalb der Uni Freiburg wechseln. Das ist in den allermeisten Fällen gut möglich, da die Uni Freiburg als Volluni ein sehr breites Fächerspektrum anbietet. Da man die meisten Fächer bei uns allerdings nur zum Wintersemester beginnen kann, sollte man überlegen, wie man die Zeit bis dahin sinnvoll gestaltet.

Und was gibt es da für Möglichkeiten?

Wenn man das Fach, das man gerade studiert, eigentlich interessant findet, kann man erst einmal bis zum Wechsel in das neue Fach weiterstudieren. Eine andere Möglichkeit wäre, sich für ein Praktikum zu bewerben und dieses im Rahmen eines Urlaubssemesters zu absolvieren. Man kann auch eingeschrieben bleiben und die Zeit nutzen, um sich auf die kommende Studienzeit und ein neues Fach vorzubereiten. Quasi probestudieren.

Wie studiert man denn gut "probe"?

In dem man Vorlesungen der infrage kommenden Fächer besucht, mit anderen Studierenden spricht und soviel wie möglich über das Studienfach liest. Wer zum Beispiel Biologie studiert und zu Sozialpädagogik wechseln möchte, muss sich von Grund auf neu informieren und recherchieren. Welche Hochschule kommt für mich in Frage? Möchte ich das hier in Freiburg machen oder lieber eine andere Stadt und eine andere Hochschule kennelernen? Die meisten, die zu uns kommen, wechseln allerdings innerhalb der Uni Freiburg.
"Man kann die Erfahrung, ein Studienfach selbst regulär zu studieren, nicht ersetzen."

Weil sie sich zu früh für ein Fach entschieden haben?

Das kann man nicht pauschalisieren, es gibt unterschiedliche Gründe. Viele haben sich sehr gut über ihr Fach informiert, aber man kann die Erfahrung, ein Studienfach selbst regulär zu studieren, nicht ersetzen. Im Alter zwischen 17 und 22 verändern sich die Interessen und man lernt sich selber nochmal besser kennen. Der oder die eine fängt an, Jura zu studieren, weil er oder sie Menschen helfen möchte. Dann passt aber vielleicht das ursprüngliche Berufsbild, in einem Konzern in der Rechtsabteilung zu arbeiten, nicht mehr. Vielleicht sollte der- oder diejenige dann lieber Psychologie, Sozialpädagogik oder Lehramt studieren – je nach individuellem Interesse.

Was sollte man bei einem Wechsel beachten?

Wichtig ist, sich darüber zu informieren, welche Fristen es gibt und wie die Bewerbungsmodalitäten für den neuen Studiengang aussehen. Viele Fächer sind zulassungsbeschränkt, das heißt, man muss sich erst einmal bewerben und einen Studienplatz bekommen. Wer die Zulassung für einen bestimmten Studiengang erhalten hat, stellt einen Antrag auf Fachwechsel und füllt dafür das entsprechende Formular aus. Mit Zulassungsbescheid und diesem Formular geht man dann zum Studierendensekretariat und lässt sich umschreiben. In der Regel bleibt man also immatrikuliert, es sei denn, man möchte sich aus persönlichen Gründen vorher exmatrikulieren – in dem Fall müsste man sich neu einschreiben. Als Bafög-Empfänger/in sollte man sich auf jeden Fall beim Bafög-Amt informieren, wie die Regelungen sind und was zu beachten ist. Allgemein gilt: Je früher Bescheid gesagt wird, desto besser.

"Die Studierenden machen sich in der Tat viele Sorgen, in unseren Augen oft zuviel."

Gibt es einen guten Zeitpunkt für den Wechsel?

Der Fachwechsel ist im ersten Jahr deutlich einfacher als später. Wenn man nach dem dritten Semester das Fach wechselt, muss man sich vorher in der Studienfachberatung des neuen Fachs beraten lassen. Dort bekommt man dann eine Bescheinigung und erst mit dieser die Möglichkeit, sich umzuschreiben. Aber in einigen Fällen kann auch ein späterer Fachwechsel durchaus sinnvoll sein.

Ein Wechsel bedeutet einen kleinen Bruch im Lebenslauf. Machen sich die Studierenden Sorgen?

Ja, die Studierenden machen sich in der Tat viele Sorgen, in unseren Augen oft zuviel. Natürlich ist das aber eine ernstzunehmende Sorge. Viele haben schon in der Schule den Druck, dass alles klappen und man sich richtig entscheiden muss, in der Annahme, dass das Leben sonst in die falsche Richtung läuft. In der Beratung geht es darum, diese Perspektive zu relativieren. Personalverantwortlichen ist es nicht so wichtig, wie alt man ist, wenn man mit dem Studium fertig ist. Sondern, ob man die Zeit genutzt hat, herauszufinden, was man gut kann und womit man damit hin möchte. Es gibt beispielsweise Unternehmen, die mit sehr jungen Bachelor-Absolventen noch nicht so viel anfangen können. Aber auch das lässt sich nicht pauschalisieren. Wichtig ist, dass man seine Interessen und Ziele kennenlernt und diese entsprechend verfolgt.
"Personalverantwortlichen ist es nicht so wichtig, wie alt man ist, wenn man mit dem Studium fertig ist."

Aber wenn man sich zu lange treiben lässt, ist das auch nicht gut, oder?

Nein, das kann dann problematisch sein. Wer ohne nachzudenken ewig studiert – vielleicht sogar das Falsche – macht keinen guten Eindruck. Erfahrungsgemäß kommen die Fälle dann auch nicht oft in die Beratung, vielleicht, weil es ihnen nicht so wichtig ist und sie keinen Leidensdruck verspüren.

Woher weiß ich, was mir aus meinen vorherigen Semestern angerechnet wird?

Man geht in der Regel zur Studienfachberatung des Faches, in das man sich einschreiben will. Die Kollegen dort machen einen Vorschlag an den zuständigen Prüfungsausschuss. Viele Studierende haben da zu optimistische Vorstellungen. Deshalb ist es ganz wichtig, früh zur Beratung zu gehen. Und auch, wenn keinerlei bisherige Leistungen anerkannt werden, kann man sich überlegen, was einem das Studienjahr gebracht hat. An dieser Stelle steigen dann wieder wir als Berater ein und helfen den Studierenden dabei, das Studienjahr nicht als verlorene Zeit anzusehen. Man lernt immer etwas Wertvolles.
Friedrich Arndt, 36, promovierte in Politischer Theorie und war danach Dozent an der Uni Freiburg. Seit 2016 berät er in der Zentralen Studienberatung, seit November 2017 ist er deren Leiter.

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