Was macht für dich guten Sex aus? Fünf Antworten von Aufklärungs-Bloggerin Ella

Manuel Lorenz

Ihr Lover kriegt keinen hoch, der Ex ihrer Freundin schaut Pornos, statt mit ihr zu schlafen und zuletzt fühlte sie sich einfach nur allein: Ella, die Bloggerin des Freiburger Informationszentrums für Sexualität und Gesundheit. Wir haben sie gefragt: Was macht für dich guten Sex aus?



Ella, seit Juli letzten Jahres führst du für das Informationszentrum für Sexualität und Gesundheit ein Aufklärungs-Blog. Müssen wir mehr über Sex reden?


Ella: Mehr? Eigentlich nicht – aber anders! Wenn ich den Fernseher anmache oder die Zeitung aufschlage, werde ich mit dem Thema ja förmlich bombardiert. Nur: Der Sex, der da beschrieben wird, lässt mich gähnen. Überall diese perfekten Körper, die perfekt funktionieren. Im echten Leben ist das alles komplizierter – aber auch spannender! Ich will über Sex reden, wie er wirklich ist und manchmal sein kann: nicht immer perfekt eben, wahnsinnig aufregend, manchmal aber auch ganz schön schwierig.

Und du? Warum bloggst du über so etwas äußerst Privates?

Nun, wer meine Einträge liest, weiß ja wohl, dass ich alles andere als verklemmt bin. Und im Netz über Erotisches zu plaudern, hat doch seinen Reiz. Aber mir ist es auch wichtig, in meinem Blog offen zu meinen Problemen und Sorgen zu stehen. Ich kenne eine Menge Frauen, die im Leben ähnlich stürmische Phasen wie ich durchlebt haben – so manches ändert sich, und man weiß nicht, wie man damit umgehen soll. Ich will meine Geschichte öffentlich machen, um andere zu ermutigen, ebenfalls offener zu sein. Ich kann meine große Klappe sowieso nicht halten.

Fallbeispiel 1: Er und sie, beide Anfang 30, seit fünf Jahren ein harmonisches Paar, aber seit einiger Zeit schlafen sie kaum noch miteinander. Der Grund: Sie will (unbedingt), aber er hat nach der Arbeit oft Migräne. Was kann sie machen?

Migräne kann eine Menge Ursachen haben. Wenn der Mann viel Stress auf der Arbeit hat und abends häufig kaputt ist, dann ist das doch normal! Auch ich behaupte nicht, dass man dreimal in der Woche Sex haben muss. Vielleicht sollten die beiden einfach mal versuchen, sich besondere Gelegenheiten am Wochenende zu schaffen. Man kann ja ganz entspannend beginnen, vielleicht mit einer gegenseitigen Massage.

Zum Arzt zu gehen, wäre bestimmt auch nicht falsch, aber dabei kommt ja nicht immer was heraus. Wahrscheinlich wäre es das Beste, das Paar nimmt sich mal richtig Zeit, darüber zu reden, was der andere sich im Bett eigentlich wirklich wünscht – mit ganz viel Zeit und Neugier und Respekt. Wenn das nicht hilft, würde ich zu einem Paar- oder Sexualtherapeuten gehen. Sex ist viel zu großartig, um einfach aufzugeben!

Fallbeispiel 2: Er und sie, beide Anfang 30, seit fünf Jahren ein harmonisches Paar, aber seit einiger Zeit schlafen sie kaum noch miteinander. Eines Tages entdeckt er in der Browser-History, dass sie regelmäßig Schwulenpornos auf YouPorn schaut. Was kann er machen?

Na ja, erst mal muss er zugeben, dass er ein wenig spioniert hat. Auf jeden Fall sollte er sie darauf ansprechen – aber dabei unbedingt die Kirche im Dorf lassen. Schließlich guckt sie ja nur.  Dass seine Frau sich gerne andere Männer – ob schwul oder nicht – ansieht, ist es für einen Mann im ersten Moment sicher ganz schön verwirrend. Aber das eigentliche Problem ist doch, dass dieses Paar sich nicht mehr im Bett begegnet.

Die beiden müssen unbedingt miteinander reden – und zwar Klartext! – was ihnen beim Sex mit dem anderen fehlt. Vielleicht wünscht sich die Frau nur ein bisschen mehr Abwechslung und Aufregung. Vielleicht können die beiden sich ja auch mal einen passenden Film gemeinsam anschauen – und genießen. Dann ist vielleicht auch gar nicht mehr so sehr wichtig, wenn das ein oder andere Gay-Video in der Browser-History auftaucht.

Was macht guten Sex aus?

Spaß. Lust. Rücksicht. Harmonie. Zuwendung. Gegensätze. Spontaneität. Spiel. Spannung. Neugier. Nähe. Entspannung. Einfachheit. Kreativität. Humor. Verständnis. Interesse. Vielfalt. Mit dieser Liste könnte ich noch weiter machen! Mir ist vieles davon begegnet, so gut wie nie alles gleichzeitig. Aber immer war es eine Erfahrung, auf die ich nicht verzichten möchte. Denn Sex ist einfach ein – besonders schöner – Teil des Lebens!

Informationszentrum für Sexualität und Gesundheit e.V.

Ella blogt für das Informationszentrum für Sexualität und Gesundheit e.V. (ISG). Der gemeinnützige Verein hat seinen Sitz in Freiburg; erklärtes Ziel ist es, einen Dialog über Sexualität in die Gesellschaft zu tragen, der dem Thema wirklich gerecht wird: unter Berücksichtigung aller individuellen Vorlieben, Besonderheiten und Behinderungen.

Das ISG bietet Betroffenen von sexuellen Funktionsstörungen aller Art bundesweit eine erste Anlaufstelle, vermitteln die richtigen Ärzte und Therapeuten und informieren über Wege zu einer gesunden Sexualität. Ärzte aus der Urologie, Psychiatrie und Frauenheilkunde haben es zu diesem Zweck gegründet; der Verein kann auf eine breite Basis an Experten aus den verschiedensten Fachbereichen zurückgreifen.

Mehr dazu:

[Bild 1: © andreusK - Fotolia.com; Bild 2: Privat]