Was ist dein Stil, Vicky?

Dorothea Winter

"Was ist dein Stil?" - diese Frage stellen wir regelmäßig jungen Menschen in Südbaden. Heute: Die 22-jährige Vicky, die Soziologie studiert. Wenn sie neue Kleidung kauft, achtet sie darauf, dass diese auch ihrem Freund passt.

Vicky, wie würdest Du Deinen Stil beschreiben?

Nachhaltig, praktisch, zeitlos, kombinierbar. Das sind für mich die wichtigsten Komponenten. Vor allem praktisch und kombinierbar ist mir sehr wichtig. Ich finde, im Prinzip kann jeder alles tragen. Es kommt nur auf die Kombination an. Deswegen achte ich auch darauf, dass alle Kleidungsstücke, die ich kaufe, auch meinem Freund passen. Wir teilen nämlich fast alle unserer Kleider miteinander.

Wer oder was inspiriert Dich in Sachen Mode?

Ich habe definitiv keine Person, die mich an sich sehr inspiriert oder die ich mir zum Vorbild genommen habe. Ich schaue schon mal auf Instagram, was da so getragen wird, oder eben auch auf der Straße – dort bekomme ich oft Ideen. Aber das geschieht einfach so. Ich setze mich nicht vor den Laptop und suche bewusst nach den neusten Trends der kommenden Saison.

Was mich ungemein inspiriert ist, mit meinen Freunden shoppen zu gehen. Da bekomme ich immer neue Ideen und auch mal einen Blick von außen auf meinen eigenen Style. Meine Freunde und ich tauschen auch sehr häufig unsere Kleidungsstücke untereinander. Meine Socken habe ich von meiner Mitbewohnerin ausgeliehen. Und das ist eben auch das, was ich mit "Jeder kann alles tragen" meine. Bei jedem sehen die gleichen Teile anders aus. Jeder macht einen anderen Look daraus.

Wie gehst Du mit Trends um?

Ich gehe auf keinen Fall allen Trends nach. Deswegen gehe ich auch fast nie zu den großen Modeketten, wie H&M oder Zara. Mich nervt es nämlich tierisch, wenn ich meine Kleidung nur eine Saison über tragen kann. Aber manchmal finde ich schon Trends, die mir gefallen. Und dann gehe ich auch mit dem Trend mit. Wie zum Beispiel die Mom-Jeans, die finde ich super praktisch und total bequem. Und nur weil sie gerade "in" sind, verbiete ich sie mir nicht.

Hat Mode für Dich einen Sinn außer Ästhetik?

Ja, auf jeden Fall. Mode ist für mich definitiv eine Art, mich auszudrücken. Und Schönheit ist da eigentlich überhaupt kein Kriterium für mich. Deswegen schminke ich mich auch fast nie. Mein Style muss vor allem praktisch sein. Daher habe ich mir auch meine Haare abgeschnitten. Es ist einfach viel schneller und leichter so.

Handtaschen trage ich zum Beispiel überhaupt nicht. Das ist mir viel zu stressig. Rucksäcke und Bauchtaschen sind viel eher mein Ding.

Ist Nachhaltigkeit ein Faktor bei Deinem Konsum?

Nachhaltigkeit ist mir sehr wichtig. Wenn es möglich ist, kaufe ich nur Secondhand. Und das auf Flohmärkten, von Freunden, in Secondhand-Läden und auf der Straße. Leder zum Beispiel würde ich mir niemals neu kaufen, Secondhand ist es schon in Ordnung. Nur Pelz geht meiner Meinung nach überhaupt nicht. Egal ob gebraucht oder neu.

Was ist Dein Fashion No-Go?

Der schlimmste Trend zur Zeit sind diese cut-outs direkt unterm Hintern, das verstehe ich einfach nicht. Und mein absolutes Hass-Objekt sind Pastellfarben – Rosa, Mintgrün und Babyblau haben meiner Meinung nach überhaupt keine Daseinsberechtigung in einem Kleiderschrank. Auch nicht bei Kindern.

Was für mich auch ein No-Go ist, sind Spruch-Shirts. Am besten solche tiefsinnigen Weisheiten wie "Live Love Laugh" oder witzige Sprüche wie "Niveau ist keine Creme"! Das finde ich ganz schrecklich und würde ich niemals tragen.

Was ist Dein Fashion Must-Have?

Definitiv eine gute Jeansjacke. Jacken insgesamt sind meine totalen Lieblingskleidungsstücke. Ich besitze insgesamt bestimmt über 30. Fast alle sind Secondhand. Mein Lieblingsteil ist eine Lederjacke, die ich in Berlin auf einem Flohmarkt gefunden habe.

Wie wichtig sind die Accessoires?

Accessoires sind das einzige, wofür ich Geld in die Hand nehme. Aber dafür nur selten. Ich trage keinen Modeschmuck oder billiges Zeug, weil das alles viel zu schnell kaputt geht. Alle Ringe, Ketten, Ohrringe und Armbänder, die ich gerade anhabe, trage ich auch beim Duschen und Putzen. Und Echtschmuck geht einfach nicht kaputt.

Eine Besonderheit bei mir ist definitiv, dass ich Gold- und Silberschmuck mixe. Sehr viele Leute finden das ja schrecklich. Ich finde dagegen, das macht einen ganz anderen Look und außerdem ist mir Schmuck wechseln auch viel zu viel Arbeit. Ich trage alles was ich habe immer. Und das ist nun eben Gold und Silber. Zu meinen Armbändern und Ketten kommen noch sieben Piercings und Ohrlöcher dazu.

Wie viel Geld gibst du etwa im Monat für dein Styling aus?

Überhaupt nicht viel. Ich bin ein richtiger Schnäppchenjäger. Im Durchschnitt maximal 50 Euro. Ich kaufe keine teueren Teile neu, sondern alles gebraucht und preiswert. Meine Schuhe haben zum Beispiel nur drei Euro gekostet. Und die Jacke habe ich aus einem Secondhand-Shop aus Warschau, die habe ich für vier Euro bekommen.

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