Was hat die rezeptfreie 'Pille danach' in den Freiburger Apotheken verändert?

Tanja Hofmann

Seit 2 Monaten ist die 'Pille danach' rezeptfrei zu kriegen - auch in Freiburg. Hat das die Sexualmoral der Freiburger verändert? Werden die Apotheken überrannt? fudder-Autorin Tanja Hofmann hat sich in Freiburger Apotheken umgehört:



Die rezeptfreie 'Pille danach' wird seit über 10 Jahren diskutiert: Die Verfechter sagen, jede Frau solle selbst entscheiden können, ob und wann sie schwanger werden will. Die Gegner erwidern: Die zeitintensive und ausführliche Beratung ist nur bei einem Frauenarzt möglich. Die Verfechter haben sich durchgesetzt: Seit dem 15. März bekommen Frauen in Deutschland die 'Pille danach' ohne ärztliches Rezept – Apotheker übernehmen die Beratung. Deutschland gehört mit dieser Entscheidung zu den europäischen Schlusslichtern. Grund genug, einmal genauer nachzufragen, was sich seit dem verändert hat.


„Kurz nach der Freigabe der 'Pille danach' hatten wir mehr Anfragen“ sagt Apothekerin Brigitte Rapp von der Bahnhofs-Apotheke. Mittlerweile sei die Nachfrage aber wieder zurückgegangen und in etwa wie zuvor. „Das Durchschnittsalter der Frauen, die bei uns nach der 'Pille danach' fragen, liegt bei rund 20 Jahren. Mädchen unter 14 Jahren verweisen wir aber an einen Arzt“, sagt sie.

Brigitte Rapp erklärt, dass sie dazu verpflichtet sei, junge Mädchen und Frauen zu beraten. Jede Apotheke habe eine Checkliste, die im Gespräch helfen solle, mehr über die genaue Situation der Frauen zu erfahren. Die Apotheker klären über Nebenwirkungen auf und fragen nach dem Alter der Frauen, dem Zeitpunkt des ungeschützten Geschlechtsverkehrs und nach Hinweisen auf eine bestehende Schwangerschaft.

Die Löwen Apotheke hatte am Wochenende nach Freigabe der 'Pille danach' Notdienst – „da war die Nachfrage schon größer als sonst“, sagt Apothekerin Katja Carmele. Inzwischen habe sich alles wieder normalisiert. „Die Beratungsgespräche werden von den Frauen positiv angenommen“, sagt sie. Wichtig ist, dass Frauen persönlich in der Apotheke vorbei kommen – der Freund oder die beste Freundin darf die 'Pille danach' nicht abholen. „Viele Frauen kommen trotzdem alleine – aus Angst“, sagt Brigitte Rapp.


Brigitte Rapp und Kollege von der Bahnhofs-Apotheke in Freiburg

Beim Großteil der Freiburger Apotheken hat sich durch die Einführung der rezeptfreien 'Pille danach' aber nichts verändert. Genauere Auskunft wollten aber die wenigsten geben. Von 12 befragten Apotheken waren lediglich zwei bereit unter Angabe des Namens über die Zahlen zu sprechen - 3 weitere gaben anonym Auskunft. Auch diese bestätigten unisono: "Die Anfrage nach der 'Pille danach' ist nicht oder kaum merklich gestiegen." Neu sei nur, dass mehr Zeit in Beratung, Aufklärung und Gespräche investiert werde.

Laut Frank Eickmann, Pressesprecher des Landesapotheker-
verbands Baden-Württembergs, liegen die gelichbleibenden Verkaufszahlen an der intensiven Beratung durch die Apotheken. „Durch die Aufklärung in den Apotheken wird klar, dass man die 'Pille danach' nicht auf Vorrat kaufen sollte". Sie sei schließlich kein Standardverhütungsmittel – sondern nur für den Notfall gedacht. Die Einführung der rezeptfreien Pille danach hält er trotz der gleichbleibenden Verkaufszahlen für einen Erfolg. Er verweist dabei aufs Ausland: "In anderen Ländern ist die 'Pille danach' schon länger ohne Rezept erhältlich – die Nachfrage hat sich dort ebenfalls kaum verändert". Daran sehe man, dass Frauen gewissenhaft mit dem Thema umgingen.

Auch “Pro Familia“, eine Beratungsstelle in Freiburg zum Thema Schwangerschaftskonflikte, nimmt die Freigabe der 'Pille danach' positiv auf. „Wir haben uns immer dafür eingesetzt“, sagt Regine Wlassitschau. "Wir haben lange darauf gewartet - jetzt ist sie endlich da!"

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[Foto1: sunnysky69 / Fotolia.com; Foto2: Tanja Hofmann]