OB-Wahl 2018

Was ging beim … Kandidatengrillen im Artik?

Fabian Thomas

Einen "Roast der Kandidierenden" hatte das Artik den Gästen versprochen, und ein Rösten wurde es auch. Wie haben sich die OB-Kandidierenden Dieter Salomon, Monika Stein, Martin Horn, Anton Behringer und Manfred Kröber geschlagen?

Der Abend sei wie ein Braten, der stundenlang im Ofen ist, sagte Moderator Jonathan Löffelbein zur Eröffnung: "Danach ist es entweder richtig geil oder richtig scheiße". Tatsächlich lag "The Roast of OB-Kandidat*innen" irgendwo dazwischen. Denn zwischendurch hatte man den Eindruck, dass auch Veranstalter und Moderation die Kandidaten in "geil" oder "scheiße" einteilen und der Abend mehr Slapstick als differenzierte Diskussion wurde.


"Das ist ’ne scheiß Diskussion", musste selbst OB Salomon kurz feststellen, als der scheidende Artik-Geschäftsführer Konstantin Rethmann ihm vorwarf, seinem Verein nur "Steine in den Weg" gelegt zu haben. Dieser Vorwurf entbehre jeder Grundlage, entgegnete Salomon entschlossen. "Was denken Sie, warum Sie hier sind?", fragte er Rethmann, jetzt sichtlich wütend. Er nämlich habe als OB dafür gesorgt, dass das Artik in seinen jetzigen Räumen residiere. Bei dem Vorfall schien der Artik-Geschäftsführer die Diskussion ein bisschen zu sehr als eigene Plattform nutzen zu wollen.
Dennoch gelang ihm und seinem Team ein sehenswerter Abend. Und das ist gar nicht mal so einfach bei einer Diskussion zum Thema OB-Wahl.

Gezielte Provokation

Schon die erste Erkenntnis des Roasts lautete: So schlimm kann die oft verkündete "Politikverdrossenheit" gar nicht sein. Das Artik war voll. Der Andrang war so groß, dass die meisten Gäste sogar wieder nach Hause geschickt werden mussten.

Das lag schon an der Vorstellung der Kandidaten durch Löffelbein und seine Co-Moderatorin Maria-Xenia Hardt. Die nahmen das "Rösten" ihrer Gäste durchaus wörtlich und stellten beispielsweise Manfred Kröber als Manfred "moneyboy" Kröber vor, dem bisher niemand gesagt habe, "dass diese Fliege scheiße aussieht". Monika Stein sagte man, dass ihre Wahlplakate so aussehen würden, als ob sie für den Elternbeirat kandidiere. Und Dieter Salomon warf man vor, dass er das Thema seiner Doktorarbeit (Grüne Theorie und Graue Praxis) nun eben in der Praxis erforsche. Nach dieser Vorstellung war klar: Das wird kein gewöhnlicher Abend.

CSD, Wohnen und Mitmachaktionen

Immer wieder wurden die Kandidaten gezielt provoziert: "Können Sie das bitte saubermachen?", fragte Jonathan Löffelbein OB Salomon, nachdem er händeweise Konfetti in die Luft geworfen hatte. An der Seite der Bühne stand sogar schon ein Besen bereit. Das Thema: Natürlich der CSD und die umstrittene Reinigungskosten-Rechnung der Stadt an die CSD-Veranstalter. Salomons Antwort: Beim nächsten CSD werden zwei Reinigungsfahrzeuge des ASF mitfahren. Saubergemacht hat er trotzdem nicht.

Durch die unkonventionelle Moderation konnten die Zuschauer einen anderen Blick auf die Menschen hinter den Wahlplakaten gewinnen. Martin Horn, in Sakko und Sneaker gekleidet, gab sich jovial und spielte fast jeden jeden Spaß der Moderatoren mit.

Unkonventionell waren auch die Mitmach-Aktionen: Die Kandidaten sollten sich zum Beispiel vorstellen, dass sie am Freitagabend in ihrer Wohnung seien. Daraufhin spielte die Regie Musik, die immer lauter wurde. Sobald sie Polizei rufen würden, stehen Sie auf, wiesen Moderatoren an. Kröber stand als erster, Salomon und Stein blieben sitzen - bis zum Schluss. So etwas müsse man an einem Freitagabend aushalten können, meinte Monika Stein.

Und dann gab es noch die Blitzrunden. Dabei wurden allen Kandidaten Ja/Nein-Fragen gestellt, die sie mit einem Ja- oder Nein-Schild beantworten durften. Sollte Marihuana legal sein? Alle ja. Wie sieht es mit der Homo-Ehe aus? Alle ja, außer Manfred Kröber. Männliche Bademeister im Damenbad? Alle ja außer Stein und Horn.

Nachdem der erste Teil der Teil der Diskussion sich um Kernthemen der jüngeren Freiburger wie Nachtleben und ÖPNV drehte, ging es im zweiten Teil der Diskussion um das Thema Wohnen. Hier wurde es emotional. Seit es private Wohnheime wie das Fizz gibt, so Hardt, seien auch die übrigen Mieten für WG-Zimmer höher. Salomon entgegnete, dass er es nicht verhindern könne, wenn private Wohnheime gebaut werden. Außerdem würden private Wohnheime den restlichen Wohnungsmarkt für Studierende entlasten. Monika Stein erklärte, dass für sie die 50%-Sozialbau Quote bei der Freiburger Stadtbau höchste Priorität hätten. Horn schloss sich der Forderung nach mehr sozialem Wohnbau an und warb für innovative Wohnprojekte wie modulares Wohnen für Studierende in Hamburg.

Bei Thema Wohnen wurde die Diskussion am lebhaftesten. Leider kam jedoch der dritte Blog dazwischen, mit dem Namen "WTF?!". In diesem wurde unter Anderem die für eine OB-Wahl eher uninteressante Frage nach Europapolitik gestellt, und Salomon mit dem bereits besprochenen Vorwurf, er behindere den Erfolg des Artik, konfrontiert. Der WTF-Block hätte daher gerne etwas Zeit an das Thema Wohnen abgeben dürfen.

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