Was ging bei … The xx in Basel?

Anna-Lena Gröner

#sovielliebe: Dass Liebe nicht mehr braucht, als das richtige Gefühl, das unter die Haut geht, haben am Wochenende The xx bei ihrem Konzert in Basel in der St. Jakobshalle unter Beweis gestellt.

Die Vorband

"I am from Wahsington DC. A lot of crazy things going on right there. But I am from the good part." Hätten wir das geklärt. Die Dame, die sich hier erklärt, heißt Kelela, ist R'n'B-Sängerin, hat eine tolle Stimme, mit der sie Töne wie eine Mariah Carey raushauen kann, und trotzdem kommt bei ihrer modernen Interpretation von Elektro-R'n'B nicht so richtig Stimmung auf – das Schicksal einer Vorband? Trotzdem wird die Schöne nicht müde zu sagen: "You are amazing. I was not expecting that." Bleibt also die Frage: "expecting WHAT?"

The xx

Sie lassen sich Zeit mit ihrem Auftritt. Endlich, um kurz vor zehn, betreten Romy Croft, Oliver Slim und Jamie Smith die Bühne und sind dabei so schön unaufgeregt wie ihre wunderbare minimalistisch-melancholische Musik. Mit dem ersten Gitarrenklang der Londoner Band ist das Publikum drin in der Musik und die nicht ganz gefüllte, anfangs kalte St. Jakobshalle durchströmt ein warmer Schauer. Nach einigen Songs bedankt sich Bassist Oliver Slim beim Publikum für die außergewöhnliche Stimmung und erklärt gleichzeitig, dass sie solche Auftritte vor so vielen Menschen immer noch "terrifying" finden. Dieses Understatement – allein dafür muss man The xx einfach lieben. Anschließend gibt es vom Publikum minutenlangen Applaus, der die Band sichtlich rührt. #sovielliebe

Die Musik

Sie spielen einen Mix ihrer drei Alben "xx", "Coexist" und "I see you", der sich in seinen elektronischen Klängen zum Ende hin steigert. Die glasklare Stimme von Romy und die samtig eindringliche von Oliver brauchen oft nicht viel musikalische Begleitung, um große Wirkung zu haben. Auch hier lassen The xx ihren Minimalismus gerne für sich stehen und sorgen damit für Gänsehautmomente. So zum Beispiel beim Duett "Basic Space", bei dem Romy und Oliver von Jamie nur mit dem Piano begleitet werden. Oder der Song "Performance", bei dem Romy zuvor zugibt, wie viel ihr dieser bedeutet, um dann nur mit ihrer Stimme und der Gitarre das Gefühl von Einsamkeit und Schwermut so gefühlvoll rüberzubringen, dass selbst Bandkollege Oliver Slim sie anschließend mit einer festen Umarmung belohnt. #sovielliebe

Die Bühne

Glasklar und reduziert wie ihre Musik ist auch das Bühnenbild beim The xx-Konzert. Eine Kombination aus Licht, großen, sich drehenden Spiegeln, einem Pult aus Plexiglas und Nebelmaschine reicht, um damit genau das widerzuspiegeln, was sie auch mit ihrer Musik ausdrücken. Es wirkt fast etwas zerbrechlich, setzt es sich jedoch in Bewegung, fällt Licht auf die Spiegel und wird dieses Licht vom Nebel gebrochen, dann entsteht wie bei einem Kaleidoskop immer wieder etwas Neues, etwas Unerwartetes, etwas Schönes.

Ein Highlight der Bühnentechnik: Die ebenfalls verspiegelte Deckenkonstruktion wird immer wieder heruntergefahren und leicht angeschrägt, so dass das Publikum einen Einblick und damit eine neue Perspektive von oben auf Jamie Smith und sein auf Plexiglas aufgebautes Mischpult, das Keyboard und die Drum-Mashine bekommt.

Das Publikum

Ist in Sachen Stil und Alter bunt gemischt. Auffällig sind jedoch die vielen knutschenden und eng umschlungenen Pärchen, die sich teilweise nicht ein Mal während des gesamten Konzertes loslassen. #sovielliebe

Fehl am Platz

Ist zum Einen das mit Fächer wedelnde Woo-Girl. Zum Anderen der lieblose Merch-Stand in der Vorhalle. Dieser erinnert mit seiner roten Schrift auf gelben Bannern doch stark an eine Möbel-Braun-Anzeige.

Zum Abschluss

The xx verabschieden sich nach Zugabe mit ihrem Song "Angel" aus dem zweiten Album "Coexist". Darin heißt es: "being as in love with you as I am, they would be in love, love, love". In love with The xx, das sind am Ende alle. Als nach dem Konzert Candi Statons Song "Young Hearts Run Free" aus den Boxen der Halle ertönt, tanzt das Publikum beseelt zu den Ausgängen. #sovielliebe

Fazit

#sovielliebe mit wenig Tamtam.