Was ging bei … Oum Shatt im Swamp?

Simon Langemann

Kurz, intensiv und mit jeder Menge Höhepunkten: Die Berliner Band Oum Shatt spielte am Samstag im Swamp. fudder-Autor Simon Langemann war dabei.

Das Versprechen

"Federleicht Schwebend. Lo-Fi-Psychedelic. Lässig elegant. Die Berliner Supergroup." So preist der lokale Veranstalter Oum Shatt auf seinem Plakat an.

Die Location

Ganz egal, welchen Act die geschmackssicheren Betreiber auf die Bühne holen, auf eines bleibt Verlass: Das Swamp, mehr zweckentfremdete Kneipe als geräumiger Konzertclub, platzt aus allen Nähten. Kein Bierholen ohne unfreiwilligen Körperkontakt, kein Toilettengang ohne verschämtes Sich-durch-quetschen – und das ist auch gut so.

Die Crowd

... besteht aus dem geläufigen Ü-40-Stammpublikum, das sich aus Interesse eh jedes Swamp-Konzert ansieht, sowie einigen Kennern und Kennerinnen im studentischen Alter. Alle wirken recht euphorisch, nur einer lehnt gelangweilt an der Bar und berichtet per SMS: "Oum Shatt: Leider deutsch, ernst und öde. (...) Könnte Kotzen."

Die Bühne

Es ist eher ein Podest, eine kleine Anhöhe, auf der Oum Shatt ein skurriles Bild abgeben: Bassist schüchtern, Gitarrist eher mürrisch, Drummer höchst engagiert, Frontmann in eleganter Pose – ergibt in der Kombination einen durchaus charismatischen Haufen.

Track-Check

Oum Shatt spielen ihr 2016 veröffentlichtes und bisher einziges Album namens "Oum Shatt". Und ein, zwei neue Songs. Was auch sonst? Mehr gibt’s im Repertoire der Berliner bislang nicht zu holen – es reichte für eine gute Stunde.

Fail

Gegen Ende der Show versucht ein junger Mann ins überfüllte Swamp zu gelangen und muss von der zuständigen Dame an der Tür zunächst freundlich, dann mit aller körperlichen Kraft abgewiesen werden: Szenen wie vor einer Großraum-Disko.

Geil

Die Musik, so einfach. Oum Shatt vereinen in ihren Indie-Songs schwitzigen Rock’n’Roll, eine an Get Well Soon erinnernde Erhabenheit, schlichte Surf-Gitarren, psychedelische Einschübe – und, ganz wesentlich, eine fortwährende Verneigung vor arabischer Rhythmik und Melodik. Viel fesselnder, neuartiger und unkonventioneller kann sich ein Konzert einer Berliner Band kaum anfühlen.

Sekundenschlaf

Langeweile ist ein Ding der Unmöglichkeit, so fix wie Oum Shatt durch ihre Setlist preschen. Freundlich und vom warmherzigen Empfang der Swamp-Crowd sichtlich angetan, ist Bandkopf Jonas Poppe doch kein Mann der großen Worte. Als Gitarrist Richard Murphy nach dem dritten Song auf seine gerissene Saite verweist: keine On-the-Road-Anekdote oder dergleichen. Im Publikum fallen die üblichen Hobbymusiker-Witze: "Willste vor und denen helfen?"

Der Schwitzfaktor

… war im Swamp, trotz des opulenten Lüftungssystems, wie immer sehr hoch. Getanzt wurde ausgiebig, alles andere wäre bei dieser Musik ja auch fatal.

An der Tanke / Sprit-Check

Zur Auswahl stehen Freiburger und Ganter. Warum auch Craft Beer oder bayerische Spezialitäten ankarren lassen, wenn man das Bewährte nur einmal über die Straßen schleppen muss?

Kassensturz

Auch kostentechnisch lässt sich ein Swamp-Abend bestens vorab kalkulieren: 12 Euro die Abendkasse, 2,50 das Flaschenbier. Die Jacken stapeln sich ohne Entgelt in der unbenutzten Nische vor’m Klo.

Der Ohrwurm auf dem Heimweg

"Gold To Straw", die beschwörerische Hitsingle – und der Höhepunkt eines kurzen, intensiven Konzertabends mit angenehm seltsamer Nachwirkung.