Was ging bei … Moop Mama und Les Yeux D'La Tête im Zirkuszelt?

Laura Wolfert

Ein Hollywoodschauspieler als Saxophonist und ein Rapper, der auf der Bühne Fahrrad fährt: Das Konzert von Moop Mama und Les Yeux D'La Tête war so gut wie ein Moët & Chandon Champagner.


Die Stage

Steht da etwa die französische Version von Bradley Cooper? Kurz geschnittene, hellbraune Haare, stahlblaue Augen, ein Dreitagebart: Der Saxophonist von Les Yeux D'La Tête sieht tatsächlich so aus, wie der amerikanische Hollywoodschauspieler.

Mit seinen stahlblauen Augen zwinkert er jeder Frau in der ersten Reihe einmal zu – nur die Männer lässt er aus. In einer enganliegenden Hose schlendert er über die Bühne. Sein Hemd knöpft er immer weiter auf – heiß. Neben ihm zupft der Gitarrist mit Sidecut und Männerdutt immer schneller die Saiten seiner Gitarre. Schneller, noch schneller.

Die Frauen in der ersten Reihe schenken den blauen Augen von Cooper keine weitere Beachtung. Sie ergreifen die Hand ihres Liebsten, schwingen ihr gepunktetes Kleidchen in der heißen Luft und tanzen! Mädels, macht langsam: Ihr braucht noch Power für das zweite Konzert – Moop Mama.

Auf der Bühne: Alles wie bei Les Yeux D'La Tête – nur von allem ein bisschen mehr. Mehr Männer. Mehr Instrumente. Mehr Style. Die 10-köpfige Urbanbrass-Band hat ihre Füße in gestreifte Socken gesteckt. Bis an die Kniekehlen sind sie hochgezogen. Auf der Bühne herrscht Schranke: Alles ist in rot-weiß. Sogar das Fahrrad, mit dem Rapper Keno über die Bühne rollt.

Die Crowd

Ein Blick über die Köpfe macht das gemischte Publikum deutlich: Hip-Hop-Caps, Baskenmützen, Strohhut, Lockenkopf und Glatze. Ein paar Franzosen sind anwesend. Sie werfen ihre Arme und Beine in die Luft, drehen ihre Mon-Amour einmal im Kreis und knutschen sie dann ab.

Tatsächlich sind viele Fans extra wegen Les Yeux D'La Tête angereist. Moop Mama? Kennen sie nicht, finden sie aber geil. Während bei der französischen Vorband sich die Baskenmützen gedreht haben, wackeln bei Moop Mama mehr Hip-Hop Caps in der Menge. Die Lockenköpfe sieht man immer am tänzeln – nur die Glatzen stehen steif da.

Sprit-Check

Alle klatschen – so viel, so laut, so stark, dass die Hände heiß sind. Und wohin mit dem Bier? Das schwappt über, wenn man es auf den Boden stellt. Denn die Menge klatscht nicht nur, sie hüpft auch noch. Und was tut Mann? Er hält den Bierbecher im Mund mit den Zähnen fest.

Track-Check

Es gibt auf Konzerten immer diesen einen Song, bei dem die Menge völlig ausrastet. Die ersten Töne werden eingespielt und alle kreischen. Bei Moop Mama passiert das bei jedem Song. Sei es bei "Die Erfindung des Rades" aus dem aktuellen Album "Mooptopia", oder Songs vom älteren Album "Deine Mutter".

Und bei Les Yeux D'La Tête? Ich fühle mich wie Amelie: In einer fabelhaften Welt.

Geil

Auf einmal schneiden alle Grimassen. Keno bewegt seinen Kiefer, als hätte er einen Krampf. Seine Augenbrauen schlängeln sich auf seiner Stirn. Er schielt und alle machen es ihm nach – bis auf diejenigen, die sich dafür zu schön sind. Und warum? Moop Mama spielt "Facedance" ein.

Fail

Drei Jahre Französisch in der Schule und ich verstehe nur Croissant, amour, und danse. Würde mich Saxophonist Cooper auf Französisch ansprechen: Ich müsste ihm links und rechts ein Küsschen auf die Wange drücken und gehen.

Kassensturz

Es gibt Konzerte, bei denen ich mehr Spaß hätte, wenn ich zuhause die Anlage aufdrehe und Schaumwein trinke. Dann gibt es Konzerte, bei denen mir eine richtige Show geboten wird, die ich mit keiner Bose-Anlage und keinem Moët & Chandon Champagne wieder gut machen kann. Und das Double-Feature von Moop Mama und Les Yeux D'La Tête: Das gehört zu den Guten – für gerade mal 29,80 Euro.

Flirtalarm

Ule fukuche avek moir – oder so.