Was ging bei … Maximilian Hecker im Slow Club?

Florian Fromm

Konzert, Lesung, Videoshow, Comedy: Maximilian Hecker will sein kleines Publikum im Slow Club auf eine große Reise mitnehmen und verliert dabei hin und wieder sich selbst. Ein Abend zwischen musikalischer Magie und Fremdscham.

Die Stage / First Impression

Beim Betreten des kuscheligen Slow Club wird direkt deutlich, dass es etwas langsamer als üblich zugeht. Um 20 Uhr haben sich erst ein paar wenige Menschen an den Ort des Geschehens verirrt. Hier wird es keine Vorband geben, die Musik kommt vom Band. Passt. Die Stimmung lässt sich irgendwo zwischen Großstadt-Eckkneipe morgens um fünf und kultiger Kleinkunstbühne im Hinterhaus einige Stunden vor Showbeginn verorten. Der Künstler selbst steht plaudernd neben der Kassentheke. Dahinter ein kleiner Tisch mit alten CDs und Büchern von Maximilian Hecker. Alles sehr sympathisch. Gegen 21 Uhr sind dann doch um die 50 Zuhörer und Zuhörerinnen in den engen Raum gekommen und der rote Vorhang öffnet sich. Nach einer kurzen Ansage des Veranstalters wird die kleine zusammengebastelte Bühne sichtbar. Synthesizer/E-Piano und daneben eine improvisierte Leinwand, auf der Maximilian Hecker zwischendurch eigene Videos zeigen möchte. "Ich wollte Euch abstimmen lassen, Keinohrhasen oder Casablanca?" Mit diesem Auftaktwitz erklärt Hecker, dass und warum er einige bebilderte Gedichte und Videomitschnitte mitgebracht hat. Diese steif vorgetragene, etwas flache Comedy-Einlage wird überraschenderweise den Abend bestimmen. Bühne frei!

Die Crowd

Die Crowd ist in Anbetracht der Konzertgröße eher ein Cröwdchen und den Hörsälen der Universität schon vor einigen Jahren entwachsen. Das Durchschnittsalter der stilistisch bunt gemischten Zuhörerschaft mag irgendwo zwischen 35 und 45 Jahren liegen. Bei einigen wenigen löst das Wiedersehen mit dem alten Bekannten Maxi Hecker ein freudiges Juchzen zwischen den musikalischen Einlagen aus, die meisten applaudieren höflich, wohlwollend, aber durchaus zurückhaltend ausfallen.

Track-Check

An einem Punkt des Abends zitiert Hecker selbst die Meinung einiger Kritiker, dass seine Lieder alle gleich klingen würden. Dem bleibt lediglich ein "schön" hinzuzufügen. Sie klingen immer gleich schön. "Battery Park" und "Anaesthesia" waren dennoch kleine wiedererkennbare Highlights.

Fail

Als direkten Fail muss man die vielen unbeholfenen, deplatzierten Witze des Künstlers nicht bezeichnen. Er gibt diese Bühnenmischung aus "Informatiker-Nerd versucht auf WG-Party Witze zu reißen, verursacht aber nur Fremdscham" und "autistischem Musikgenie" in vollem Bewusstsein zum Besten. Hin und wieder ist das richtig lustig. Oft aber einfach nur flach, manchmal mitleiderregend und stets begleitet von der Hoffnung, er möge sich schnell wieder an sein Instrument begeben und tun, was er wirklich gut kann.

Geil

Außer seiner vermutlich ironisch gemeinten Videoschnipsel, die seine Berühmtheit in Asien belegen sollten, waren die Beiträge auf der kleinen Leinwand erstaunlich gelungen. Schön gefilmte, experimentell angelegte Bildstrecken zu eigenen Gedichten oder zu Musik. Das Innenleben des Künstlers. Berührend, fantasievoll und voller Melancholie.

Sekundenschlaf

Als Hecker aus seinem 2012 erschienenen Buch "The Rise And Fall of Maximilian Hecker" zu lesen beginnt, bekommt der Abend kurzzeitig einen kleinen Dämpfer. Weder liest der Sänger besonders mitreißend, noch wurde inhaltlich klar, warum ihm daran gelegen war diese alten Episoden seines Schaffens zum Besten zu geben.

Kassensturz

Moderate 12 Euro Eintritt kostete der Abend. An der Theke stehen Chips bereit für alle Gäste und an Getränken gibt es nur eine kleine, aber feine und absolut ausreichende Auswahl. Zwei Bierchen und ein netter Konzertabend für knapp 20 Euro.

Fazit

Weniger flache Witze, weniger Versuche den stetigen Verfall der eigenen Berühmtheit ironisch zu kommentieren und vor allem nicht mehr aus dem eigenen Buch vorlesen – das hätte dem gesamten Auftritt gutgetan.

Musikalisch war es zeitweise ein Hochgenuss, die Mischung mit kontemplativen Experimentalfilmen seiner Asienreisen gelingt durchaus und lädt zum Träumen ein. Am Ende ein schöner Abend, der den Zuschauer glückselig, aber mit ein paar offenen Fragen zum Selbstverständnis Maximilian Heckers in die Nacht entlässt.

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