Was ging bei … Marz & Sickless in der MensaBar?

Stefan Mertlik

Two turntables and a mic – mehr braucht es nicht für anständigen HipHop. Marz & Sickless brachten sogar noch Kontrabass, Schlagzeug und Sampler auf die Bühne der MensaBar. Ein gutes Konzert mit einer peinlichen Aktion aus dem Publikum.

Das Konzept

Marz & Sickless sind zwei Rapper des Stuttgarter Künstlerkollektivs "wirscheissengold". Sickless hat durch Beteiligungen an unterschiedlichen YouTube-Battle-Rap-Turnieren und sein Album "Horus" innerhalb der deutschen Rap-Szene größere Aufmerksamkeit erlangt. Marz ist ein schwäbisches Rap-Urgestein, das vor einigen Wochen sein Debütalbum "I Love 2 Hate" veröffentlicht hat. Gemeinsam sind sie auf die erste große "wirscheissengold"-Tour gegangen, die sie neben Berlin, München, Stuttgart und Hamburg auch nach Freiburg in die Mensabar führte.

Die Stage

Black Moon sagten schon: "Two turntables and a mic". Doch warum nur von Platte abspielen, wenn es auch mit echten Menschen geht? Marz und Sickless hatten dementsprechend nicht nur einen DJ, sondern auch Kontrabass, Schlagzeug und Live-Sampler mitgebracht.

Die Crowd

Voll war die Mensabar nicht. Sickless brachte es aber auf den Punkt: "Es kommt nicht darauf an, wie viele Leute da sind, sondern wie laut sie sind!" Marz wurde anschließend konkreter und forderte die 32 zahlenden Gäste dazu auf, mal Lärm zu machen wie 64 Menschen. Ein paar Songs später wurden aus den 64 begeisterten Zuschauern 184 Leute. Am Ende waren es 272 Gäste, die ordentlich Party gemacht haben. Trotzdem schade, dass das Konzert so schlecht besucht war.

Track-Check


Erst durfte Sickless für eine knappe Stunde ran und spielte eine bunt gemischte Werkschau seiner Diskografie. Ruhigere Stücke wie "Himmel & Hölle" trafen auf Startschussongs wie "Dos Pistoleros". Vor "Astronaut" fragte er das Publikum sicherheitshalber, wer als Kind ebenfalls die Galaxie erobern wollte. Die Reaktionen blieben verhalten. Das Freiburger Publikum wollte eher bodenständig bleiben und ging dementsprechend zu "Architekten" ab, als hätte es sich spontan entschieden, das Studienfach zu wechseln.

Marz ging nicht so weit zurück in seiner Diskografie. Seine Playlist beschränkte sich hauptsächlich auf Songs seines aktuellen Albums und der 2013 erschienenen EP "Hoes. Flows. Tomatoes.". Was er genau in welcher Reihenfolge spielte, wusste er vermutlich selber nicht, denn seine auf der Bühne ausgelegte Tracklist verriet nicht viel mehr als "HipHop".

Am Ende der Show performten Marz & Sickless vier Songs gemeinsam. "Gladiatoren" peitschte das Publikum ordentlich an und "Nicke mit dem Kopf" erfüllte das, was der Titel versprach. "Linke Seite, rechte Seite" war das perfekte Lied, um zu prüfen, welche Seite in der Mensabar eher zur Feierei bereit war. Das Ergebnis fiel zu Gunsten der rechten Hälfte aus.

Fail

Ein leicht verwirrter Mensabarbesucher hatte sich auf die Bühne verirrt, das Mikrofon gegriffen und wirr herumgeplappert. Anschließend zeigte er einen Flickflack, auf den selbst Fabian Hambüchen neidisch gewesen wäre. Marz blieb cool und schlug den ungebetenen Gast als Tänzer für die nächste Orsons-Tour vor.

Geil

Nachdem das Publikum in Form des ungebetenen Akrobaten auf die Bühne kam, kamen am Ende der Show Marz & Sickless ins Publikum. Eine waschechte HipHop-Cypher entstand. Zwei Songs spielten die Herren umringt von ihrem Freiburger Publikum und klatschten jeden einzelnen Gast höchstpersönlich ab.

An der Garderobe

Statt einer Garderobe gab es einen Jackenhaufen direkt vor der Bühne. Das Freiburger Publikum tanzte drum herum als wäre er ein Scheiterhaufen.

Fazit

Marz und Sickless haben jeweils eine Stunde druckvoll, sauber und beinahe pannenlos durchgerappt – und das ohne einen Back-Up-Rapper. Gäste hätten es mehr sein können, doch die Beiden sind mit der Situation professionell umgegangen. Im besten Falle werden die gestern Anwesenden das nächste Mal wiederkommen und ihre Freunde mitbringen. Und wenn nicht, dann hatte zumindest Marz Spaß. Denn der stellte fest: "Diese Tour ist die beste Freizeitausfahrt aller Zeiten!"