Was ging bei... Luke Mockridge im Spiegelzelt

Sophie Passmann

Sich selbst bezeichnet Luke Mockridge als den "Sunnyboy der Comedy-Szene" - und fasst damit sein Programm schon perfekt zusammen. Er sieht halt gut aus, das war's. Beim ZMF in Freiburg wärmte er alte Gags auf, spielte zwischendrin "Wonderwall" von Oasis und verdrehte den Teenie-Mädchen so den Kopf:



Die Crowd

Die Mädchen sind jung, tragen Blumenkleidchen von Tally Weijl und sind bereits in der Schlange vorm Spiegelzelt sehr damit beschäftigt, gut auszusehen. Sie alle sind vor allem da, weil Luke Mockridge niedlich ist. Und sie alle wollen, dass Luke Mockridge sie heute Abend auch niedlich findet, wenn er sie im Publikum sitzen sieht.

Die wenigen Männer, die da sind, sind entweder Freunde der Blumenkleidchen-Mädchen oder Väter, die Fahrdienst machen. Die Teenie-Mädchen, die die Autorin belauscht, reden immer nur von "Luke", ohne Nachnamen. "Der Luke hat beim letzten Mal voll geil getanzt am Anfang".

Ein besonders junges Mädchen, höchstens 13 Jahre alt, holt am Einlass ihr Ticket aus einem Briefumschlag, auf dem kitschige Glitzer-Sticker von Katzen und Hunden geklebt sind. Ihrer Freundin erklärt sie: "Das hat mir die Oma geschenkt:"

Die Bühne

Was hat Luke Mockridge mit dem großen Flügel auf der Bühne vor? Macht der vielleicht gar keine platte Comedy, sondern politisches Kabarett? Wird er Witze über den Bahn-Streik machen und Angela Merkel imitieren? Nein. Mockridge wird im Laufe des Abends beweisen, dass man auch mit einem Flügel auf der Bühne platte Comedy machen kann.

Die Show

Luke Mockridge macht Comedy für Leute, die einen selbstgebastelten Putzplan in der WG-Küche hängen haben. Er bleibt auf der sicheren Seite und reißt Witze, die vor Jahren schon unzählige andere Comedians für ihn auf der Bühne ausprobiert haben: Er macht sich lustig über die Körpergröße von Philipp Lahm, darüber, dass Informatiker keine Freundinnen finden und Hipster Jutebeutel tragen. Das Publikum amüsiert sich sehr.

Wiederkehrendes Thema des Programms ist seine Kindheit in den 90ern. Mockridge erzählt von grünem Schleim in Dosen, Center Shocks und den Spice Girls. Das kollektive Nostalgie-Gefühl, dass er damit anstrebt, bleibt aber ein bisschen aus, denn mindestens die Hälfte des Publikums hat die 90er höchstens als Säugling erlebt.

Dann kommt der Flügel zum Einsatz: Er singt mit dem Publikum Melodien von 90er-TV-Serien (Kickers, Pokemon, Gummibären). Dabei produziert er mindestens 15 Minuten lang streng genommen nicht eine einzige Pointe. Das Publikum macht begeistert mit.

Zwischendurch wird Luke Mockridge zynisch, spontan und wirklich sehr lustig. Zum Beispiel, wenn er beschreibt, dass er im Club jedes Mal den Bassdrop verpasst. Alles dazwischen fühlt sich für die Autorin wie austauschbarer Comedy-Konsens an.



Win

Alexander Heisler. Der erzählt nämlich vor der Show, wieso Luke Mockridge beim ZMF auftritt. Seine beiden jungen Töchter sind (natürlich!) große Fans und haben ihn dazu gebracht. "Sie haben zu mir gesagt, ich soll ihn gleich zwei Mal einladen! Aber einmal reicht, denk ich!"

Doppelfail

Mockridge fragt ins Publikum, wer gerne zockt. Eine junge Dame in der ersten Reihe sieht ihre Chance, ihn zu beeindrucken und streckt. Er fragt: "Geil, ein Mädchen! Was zockst du denn?" Sie daraufhin: "Mario… und so." "Aha. Und auf welcher Konsole?" Kurzes Schweigen, dann: "Auf allen."

Nach der Pause kommt Mockridge mit einer Gitarre rein und spielt Wonderwall von Oasis. Wieso? Weiß keiner. Wahrscheinlich wollte er einfach sicher gehen, dass wirklich alle Mädchen diese Nacht von ihm träumen.

Sprit-Check

In der Pause gibt’s am Bierstand keine Schlange und das sagt doch eigentlich alles.

Fazit

Es ging an diesem Abend eigentlich gar nicht um Comedy. Das (hauptsächlich weibliche) Publikum war nicht da, um zu lachen, sondern um anzuhimmeln. Luke Mockridge ist der geborene Teenie-Traum und spielt diese Karte den ganzen Abend. Viele der Witze hat die Autorin so oder so ähnlich schon gehört.

Die vielen Musik-Einlagen (Oasis, die Backstreet Boys...) haben sich ein wenig angefühlt, wie Füllmaterial für ein etwas zu kurzes Programm. Aber: Nach 15 Minuten war das weiße Shirt, das Mockridge anhatte, vollgeschwitzt und leicht durchsichtig.  Und spätestens dann war den meisten Zuschauerinnen eh ganz egal, was Luke Mockridge so sagt. Oder ob es lustig ist.

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[Foto: Sophie Passmann]