Was ging bei … Kool Savas im Jazzhaus?

Joshua Kocher

Der King war da! Nein, nicht Kollegah der Boss hat das Jazzhaus am Dientagabend zum Bouncen gebracht, der alte King war da: King Kool Savas. Warum unser Autor sich bei ihm entschuldigen muss - und warum es kurios wurde, als ein Mädchen auf die Bühne musste:



Lieber Kool Savas. Lass mich dir etwas gestehen. Ich habe dein letztes Album nicht gekauft. Ich dachte eigentlich, mit "Aura" sei dein Höhepunkt erreicht gewesen. Gestern Abend hast du mich eines Besseren belehrt und mich deinen Hiphop wieder lieben gelernt.

Doch alles auf Anfang…

Kurzerhand wurde Kool Savas' Auftritt in Freiburg von der Rothaus-Arena in das Jazzhaus verlegt. Für einen Zäpfle-Club-Allergiker wie mich natürlich das Größte. Nichts geht über die alten Backsteinmauern im Jazzhaus und auch Kool scheint schnell Gefallen am Underground-Feeling hier gefunden zu haben. Die Vor-Acts Montez, Cr7z und die aus Los Angeles angereisten The Grouch/Eligh eröffnen gemeinsam mit ihren DJs den Abend, das Jazzhaus scheint ungewöhnlich früh schon wach und feierwütig.

Die Show

“The people clap loud when you win a Grammy. They clap louder when you win an Oscar. But the people clap the loudest when you fall.” So ertönt es mahnend aus den Lautsprechern, bevor zwei schwarzgewandte Gestalten die Bühne betreten. Der eine mit Bauchansatz, der andere mit blassem, eingefallenem Gesicht: King Kool Savas und sein Backup Laas Unltd. Was folgt, ist eine der letzten richtigen Hiphop-Shows Deutschlands. Sie lebt von tiefen Bässen, inhaltlich und technisch hochwertigen Texten und einer Crowd, deren Arme stetig gen Himmel reichen. Von einem Künstler, der sich damit brüstet, Deutschlands bester Freestyle und Battle Rapper zu sein, erwartet man dann auch 100 Prozent.

Die Stage

Sollte man noch das Bühnenbild des Splash im Hinterkopf haben, könnte man hier durchaus enttäuscht dreinblicken. Der Rapper kommt heute komplett ohne große Effekte oder Konfettiregen aus und konzentriert sich auf das Wesentliche. Die Wellblechwand im Hintergrund mag manch einen an die Battlerap Zeiten des Wahlberliners erinnern.

Das Publikum

In der Menge lassen sich erstaunlich viele Basecaps, Jogginghosen und Alpha Industry Sweater ausmachen. Eigentlich dachte ich, der Style wäre Anfang der 2010er Jahre ausgestorben, doch es scheint sie noch in Massen zu geben: die Straßenjungs.     

In der ersten Reihe zwei, drei flirtende Teenies, daneben lässig nickende Jungs, teils mit verschränkten Armen, die schließlich doch noch Feuer fangen und bei „Und dann kam Essah“ komplett mitgehen. Aufgrund der architektonischen Gegebenheiten im Jazzhaus bilden sich mehr oder weniger drei Crowds, abgegrenzt durch die alten Steinbögen. Nach anfänglicher Irritation scheint Essah dies aber in den Griff zu bekommen.

Der Act

Kool Savas, Essah, KKS oder einfach nur King of Rap, plaudert ausgelassen mit dem Freiburger Publikum. Er erzählt Anekdoten aus seiner Vergangenheit, gesteht fast schon krankhafte "House of Cards" oder „Trash-TV“ Nachmittage und meckert witzelnd über die bereitgestellten Handtücher, die ihn eher an Badvorleger erinnern.

Auch findet er teils kritische Worte. Sei es gegen die kommerziellen Rapper in den deutschen Charts oder das aktuelle Kreuzfeuer auf Kumpane Xavier Naidoo, der gemeinsam mit ihm beim Eurovision Song Contest 2016 auftreten wollte. "Er ist alles andere als ein Reichsbürger", sagt Savas.

Bei der Songauswahl bleibt sich KKS jedoch treu. Der Zuschauer bekommt Titel aus 15 Jahren Rapkarriere zu hören, das Freiburger Publikum ist bei alten wie neuen Songs textsicher. Um seinen alten Song LMS "sozialverträglicher" zu gestalten, lässt er kurzerhand ein Mädchen auf die Bühne holen, das den Track gemeinsam mit ihm performt. Merkwürdiger Moment, doch sie scheint Spaß zu haben.

Fazit

Das war wirklich 100 Prozent Hip Hop. Die Raptechnik der beiden Rapper auf der Bühne war immer wieder faszinierend und mitreißend. Man konnte durchaus von Glück sprechen, dass das Konzert ins Jazzhaus verlegt wurde. Hier kam richtig Stimmung auf. Aufgrund der langen Tratsch-Pausen des ungewöhnlich gesprächigen Kings zog sich das Konzert inklusive Vor-Acts auf über drei Stunden und so verließen am Ende nassgeschwitzte, ausgelaugte und heisere Gestalten den Gewölbekeller in die  Winternacht.

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[Foto: Joshua Kocher]

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