Was ging bei... Just Jokes in der Mensabar?

Claudia Förster

Kabarett in der Mensa: Bei "Just Jokes" drehte sich alles um Witze aus aller Welt. Geglücktes Comedy-Experiment oder Show zum Fremdschämen?

Die Show

Die Comedy-Show ist die erste ihrer Art, ein Live-Experiment des Studierendenwerks Freiburg (SWFR). Ohje, denkt man sich, was kommt da auf mich zu: Lachtränen vergießen oder Fremdschämen? Die ersten Zweifel räumt Moderator Angeley Eckardt sofort aus dem Weg. Geschichten über Oben-Ohne-Tanten oder seine Erleuchtung auf der Gendertoilette in Marburg bringen alle herzhaft zum Lachen. Thema des Abends ist "Witze worldwide". Da wundert man sich doch, über welche politische Satire die Russen lachen oder was die Franzosen Humor nennen. Moderatorin Fiona Hesse mit der sexy verruchten Stimme unterbricht die Show gelegentlich, um die gesammelten Lieblingswitze der Zuschauer vorzulesen. Letztere kommentieren die Standup-Comedy ganz unverblümt und fordern die Komiker heraus. Alles entwickelt sich spontan. So wie die Foto-Diashow des "gemeinsamen" Urlaubs zweier völlig Fremder, die sich als Improvisationstalente beweisen und krasse Geschichten über gemeinsame Erlebnisse auf der Reise erzählen.

Die Stage

Mensabar mal anders: Das Bühnenbild, inszeniert von Visual Artist Marcus Wikino, ist was fürs Auge. Die zerfetzte Leinwand könnte eine Kunstinstallation in einer Ausstellung sein und zieht den Blick immer wieder auf bunte Collagen, bewegte Bilder oder Videoclips, passend zum jeweiligen Act. Top!

Die Crowd

"Der Abend ist so lustig wie du" hatten die Veranstalter angekündigt. Du, das sind größtenteils Studierende, aber auch einige Vertreter der älteren Generation. Frech, super drauf und experimentierfreudig – ein erstklassiges Publikum als Versuchskaninchen für die neue Kabarettserie des SWFR.

Kassensturz

Just Jokes schont die schmale Geldbörse: Fünf Euro kostet der Eintritt, drei Euro für Studierende. Getränkepreise sind dank Mensabar erträglich. Für den vom Publikum gestellten DJ und die Assistentin beim Quiz gibt’s eine gratis Getränkeflatrate obendrauf.

Witzfaktor

Für jeden Geschmack was dabei. Kevin der Komiker amüsiert sich über die japanische Kabarettform Mansai und punktet mit Standup-Comedy und Rap. Eher was für die, die derben Humor mögen. Ohne viele Worte kommt Lukas Mak, letztjähriger Preisträger des Freiburger Kleinkunstpreises für Studierende, aus. Mit allerlei Geräuschen und Bewegungen wird er in seinen Sketchen zur Witzfigur. Eingehüllt in eine Mülltüte oder geigespielend mit einem Rasierapparat, als leidenschaftlicher Dirigent oder nervös lispelnder Schuljunge – seine verrückten Ideen sind zum Schlapplachen.

Fail

Einige Flachwitze aus dem Publikum – der Abend ist so lustig wie du...

Geil

Dave, der als möglichst untalentierter Musiker aus dem Publikum zum DJ des Abends gekürt wurde. Auf ein paar Tasten muss er drücken und – bäm – liefert er Schlagzeugintros oder Karibik-Klänge, die die Acts ankündigen. Schnell macht er sich unentbehrlich. "Dave, mach mal Musik!", hört man da immer wieder aus dem Publikum.

Meine 15 Sekunden Ruhm

...so sorgte Laurin Freiberg für Kribbeln. Wortgewandte Texte über Probleme, die jeder kennt, dazu die reinen Klänge der Akustik-Gitarre und eine sanfte Stimme. Zwischen den Zeilen verborgener Humor, der zum Schmunzeln bringt. Wunderschön!

Pauschalurteil

Kein Fremdschämen, sondern Lachtränen! Der erste Abend der Kabarettreihe "Just Jokes" ist gut organisiert, abwechslungsreich gestaltet und auf der Bühne super in Szene gesetzt. Lockere Atmosphäre und ein unschlagbares Preisleistungsverhältnis. "Just Jokes" ist was für alle, die gern lachen und Freude am Ungewissen und Spontanen haben, denn es gibt viel Gelegenheit, die Künstler mit eigener Kreativität herauszufordern. Lohnt sich!
Das nächste "Just Jokes" findet am 5. Juli statt.