Was ging bei… Irie Révoltés auf dem ZMF?

Christina Braun

Politisch, einzigartig, mitreißend - Irie Révoltés sind Energie pur. Nach 16 Jahren auf der Bühne ist es für das Bandkollektiv Zeit, ihr "Baby" gehen zu lassen. Zum Abschied haben Irie Révoltés das Zelt in Freiburg fast zum Einsturz gebracht.

Das Zelt

Der Boden bebt, das Zelt brennt förmlich. Die echten Fans springen ganz vorne mit, immer wieder wird ein neuer Kreis zum Pogen aufgemacht. Wer es ruhiger mag, bleibt eher hinten oder auf der Tribüne an der Seite.

Die Crowd

Hauptsächlich junge Leute, viele eingefleischte Fans mit Bandshirts, aber auch vereinzelt ältere Besucher und Besucherinnen. Alle singen mit, springen, stampfen und klatschen. Ein Mann macht lässt sich auf den Händen der Menge durchs Zelt tragen, ein anderer sitzt auf Schultern seines Freundes.

Track-Check

Das Set ist eine Reise durch fast 18 Jahre Bandgeschichte: Klassiker, alte und neue Tracks. Die eingefleischten Fans sind auch bei den ganz alten Songs noch textsicher, alle anderen schaffen es zumindest den Refrain von "Citoyen du monde" mitzusingen. Als Dankeschön gibt"s den Song "Merci" in einer a-Cappella Version – ein Gänsehautmoment. Mit "Fäuste hoch" bringen Irie Révoltés das Zelt in Freiburg fast zum Einsturz.

Fail

Rutschgefahr: Bei der ganzen verschwitzten Haut kann man leicht mal abrutschen. Vom wilden Tanzen gibt es auch den ein oder anderen verstauchten Knöchel oder Ellenbogen in den Rippen.

Geil

Irie Révoltés machen Stimmung und die Crowd steht der Band da in nichts nach. Stillstehen gibt’s nicht. Das Konzert ist ein echtes Fitness-Programm. Einmal setzten sich alle auf den Boden und fangen an zu rudern, im nächsten Moment springen wieder alle im Takt. Besonders toll: Für zwei Songs bahnen sich die Brüder und Sänger Carlito und Mal Eleve ihren Weg durch die Menge nach ganz hinten: "Wir wollen, dass die Leute hinten auch mal ganz vorne sind."

Musik ist Politik

Bei kaum einer Band ist dieser Satz so wahr wie bei Irie Révoltés. Mit ihrer Musik will das deutsch-französische Bandkollektiv eine klare politische Message senden - gegen Rassismus, Faschismus, Sexismus und Homophobie: Auf Deutsch und Französisch mit einem ganz eigenen Sound, irgendwo zwischen Ska, Punk, Hip-Hop, Dancehall und Reggea. Dass sie diese Idee voll und ganz leben, kann man nicht nur an ihren sozialkritischen Texten hören. Die Band engagiert sich seit Jahren in sozialen Projekten, tritt bei Demos auf und gibt Benefizkonzerte. Beim Konzert werden Flaggen gehisst gegen Grenzen und für den Antifaschismus. Und auch zu den aktuellen Diskussion um G20 hat die Band etwas zu sagen: "Antifaschisten sind keine Terroristen – für die Rote Flora".

Sekundenschlaf

Gab’s nicht. Zwischen Schweiß, Pogen und Mitgrölen ist schon das Wort Langweile fehl am Platz.

Kassensturz

Stolze 30,40 Euro kostet ein Ticket, ist es bei der Show aber absolut wert.

Sprit-Check

Am Anfang wird noch Gras geraucht, einige Leute trinken Bier aus Plastikbechern. Das ist bei dem ganzen Mitsingen, Tanzen und Rumspringen aber eine ziemliche Herausforderung. Die Stimmung ist sowieso viel zu mitreißend, um ans Trinken zu denken. Ein Student schafft es trotz Pogen noch Kippen zu drehen.

Schwitzfaktor

Das Zelt dampft, die Stimmung ist am Überkochen. Überall tropft Schweiß, und bei so viel nasse Oberkörper und durchschwitzten T-Shirts bleibt niemand trocken "Wir wollen hier drin die 50 Grad brechen", sagt Sänger Carlito. Gefühlt sind die schon nach den ersten Songs längst überschritten.

Flirtalarm

Körperkontakt ist auf jeden Fall garantiert, mit flirten hat das aber eher wenig zu tun - außer man ist auf schweißnasse Eroberungen beim Pogen spezialisiert.

Pauschalurteil

Für die Stimmung im Zelt gibt’s volle Punktzahl - für alles andere auch. Französisch hat noch nie so viel Spaß gemacht, Politik war noch nie so tanzbar. Irie Revoltes überzeugen mit Leidenschaft, starken Texten, mitreißenden Beats und scheinbar unendlicher Energie. Die Menge ist die ganze Zeit voll am Start, wodurch sich eine Kraft entfaltet, bei der keiner stillstehen kann. Verschwitzt, erschöpft, aber wunschlos glücklich, bleibt da nur noch zu sagen: Au Revoir und Merci.