Was ging bei … Helge Schneider auf dem ZMF?

Felix Klingel

Helge Schneider, der King of Quatsch, bespaßte am Montagabend das Zirkuszelt auf dem ZMF. Wie sich der Komiker bei den Freiburgern beliebt machte und warum Helge nicht in Bestform kam.

Die Crowd

Jazz-Fans mit Wuschel-Frisur und Metalheads mit Wacken-Shirt. Helge-Fans der ersten Stunde und Twens, die ihn erst seit seinem Song mit Sido so richtig kennen ("HammerFettBombeKrass"). Die Crowd ist durchmischt, der Altersdurchschnitt dürfte aber trotzdem schon auf die 40 zugehen. Auffällig wenige Studis, vielleicht lag’s am Preis.

Das Stimmungs-Barometer

Trotz Bestuhlung im Zelt ist die Laune super. Helge hat Narrenfreiheit, Lacher gibt es für fast jede Aktion. Teilweise klatschen Leute die Lieder im Musikantenstadel-Style mit, das verebbt aber glücklicherweise schnell wieder.

Track-Check

Helge packt die Hits aus: "Telefonmann", "Ich drück die Maus", "Meisenmann" und "Fitze,Fitze,Fatze". Alles vorgetragen mit herrlicher Improvisationskunst und Grimassentheater. Dazu gibt’s Geschichten, die irgendwo anfangen und nirgendwo enden. Waghalsige Gitarren-Stimm-Aktionen mitten im Flamenco-Song und Jazz-Standards mit schiefen Soli. Also feinster Helge-Quatsch.
Fail

Gerade, als Helge eine Story zum Besten gibt, schallt der Beat der Balkan-Brass Band Fanfare Ciocărlia ins Zirkuszelt. Helge hat in einer ähnlichen Situation vor einigen Jahren auf einem Zeltfestival in Bochum schon ein Konzert abgebrochen – ist also empfindlich für derlei Störungen. Allgemein ist die Stimmung im Zelt unruhig: Während des ersten Lieds ist noch überall Getuschel und Menschen suchen ihre Plätze, dann die Musik aus dem Nebenzelt und am Ende schüttelt ein Gewitter das Zelt durch. So kommt Helge nicht in Bestform.

Geil

Eine Frau muss an unpassenden Stellen so hysterisch lachen, dass sie das komplette Zelt ansteckt.

Der Freiburg Moment

Helge ist vorbereitet und punktet mit Freiburg-Insidern. Er mokiert sich über die Eitelkeit der Stadt ("die allerschönste der Welt"), erklärt den besten Weg nach Rastatt ("A5 meiden, lieber B3 nehmen") und kennt die Baustellen ("sind ja gar nicht so viele – aber immer noch genug"). Als Sahnehäubchen gibt’s zur Zugabe eine Freiburg-und-der-Regen-Improvisation. Ob er das bei jeder Stadt macht? Vielleicht. Ist aber auch egal.

Das Gewitter

Regen, Wind, Donner – im Zelt hört es sich plötzlich so an, als würde draußen die Welt untergehen.Das Publikum blickt unruhig auf das wackelnde Dach und hofft, dass die Zeltaufbauer ihre Arbeit gut gemacht haben. Helge dagegen improvisiert den Sturm in sein laufendes Lied hinein ("Oh, es zieht ein wenig") und beendet danach doch etwas abrupt die Show. Zufall oder hat ihn die Unruhe gestört? Nun gut, für eine Zugabe kommt er nochmal auf die Bühne und improvisiert ein Regen-Lied. Ehrenrettung.

Kassensturz

43 Euro für knapp eineinhalb Stunden Show. Macht 47 Cent pro Minute Helge. Das ist okay, aber noch eine halbe Stunde mehr hätte die Show locker vertragen.

Merkwürdigster Artikel am Merch-Stand

Bei CDs mit dem Namen "Bonbon aus Wurst" und Büchern mit dem Titel "Zieh dich aus, du alte Hippe" ist es schwierig, einen besonders merkwürdigen Artikel zu finden. Gewonnen hat dann aber vielleicht doch die Fußmatte mit der Aufschrift "Komm rein, tritt rein" und einer dicken Katze. In ihrer Spießigkeit ist die irgendwie doch wieder lustig.

Pauschalurteil

Ein stimmiger Auftritt mit vielen Lachern und Blödeleien. Nur das Ende wirkte etwas lustlos und abrupt.

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